Darum gehts
- Konsumentenschutz-Test: Jugendliche bestellen E-Zigaretten in 22 Schweizer Online-Shops
- Elf Anbieter versagen, darunter Coop und Brack, trotz Verkaufsverbot
- Galaxus verlangt Ausweisscan, andere Shops ignorieren Alterskontrollen
Dieser Test schockiert alle Eltern, die Angst haben, dass ihr Kind raucht! Der Konsumentenschutz zeigt auf, wie leicht Minderjährige sich im Internet E-Zigaretten bestellen können. Für den Test versuchten Jugendliche, in 22 Schweizer Onlineshops nikotinhaltige Vapes zu bestellen. Das erschreckende Resultat: Bei elf Anbietern funktionierte es! Darunter befinden sich auch die bekannten Händler wie Coop und Brack.
Der Verkauf von E-Zigaretten an Jugendliche ist in der Schweiz verboten. Doch ein paar Klicks oder ein falsches Geburtsdatum genügen – und schon werden die bunten Vapes nach Hause geliefert. Besonders schlecht kommt Coop im Test weg. Laut Konsumentenschutz lässt sich die Alterskontrolle umgehen, indem Kunden die Bestellung von den Coop-Kurieren vor der Haustür deponieren lassen, statt das Paket persönlich entgegenzunehmen.
| Online-Shop | Zuständiger Kanton |
| brack.ch | Aargau |
| coop.ch | Basel Stadt |
| dampfelix.ch | St. Gallen |
| dampfi.ch | Schwyz |
| shisha-heaven.ch | Zürich |
| smokee.ch | Luzern |
| tabac-trends.ch | Bern |
| vape-schweiz.ch | Zürich |
| vapeshop-online.ch | Zürich |
| vapezone.ch | Zürich |
| yoursmoke.ch | Schwyz |
Bei anderen Shops genügt es, ein erfundenes Geburtsdatum einzutippen oder ein Pop-up-Fenster mit «Ja, ich bin 18» wegzuklicken. Selbst die Bezahlung mit Twint stellt kein Hindernis dar. Wenige Tage später treffen die nikotinhaltigen Produkte tatsächlich ein. Die Bestellungen gehen jeweils an die Adresse einer erwachsenen Person.
«Das Resultat ist schockierend!»
Sara Stalder (59), Geschäftsleiterin des Konsumentenschutzes, ist empört: «Kinder können im Internet ungehindert Suchtmittel bestellen, das ist schockierend!» Sie fordert verbindliche Alterskontrollen und wirft den betroffenen Händlern vor, den Profit über den Jugendschutz zu stellen. Das Internet dürfe nicht zu einem rechtsfreien Raum werden. «Eine Selbstdeklaration kann jedes Kind in Sekunden umgehen», so Stalder.
Dass es anders geht, zeigen Galaxus und der Onlineshop von K-Kiosk. Sie gehören zu den elf Anbietern, die den Scan eines gültigen Ausweises verlangen. Dort wurden die Testbestellungen abgebrochen.
Das sagen die Shops
Blick hat bei sämtlichen beanstandeten Händlern nachgefragt. Was sagen sie zu den Mängeln bei der Alterskontrolle? Coop erwischt die Auswertung auf dem linken Fuss: «Das Resultat dieser Untersuchung widerspricht klar den Bestimmungen von Coop», räumt eine Sprecherin ein. Man nehme die Ergebnisse ernst und plane nun weitere Massnahmen. Wie diese konkret aussehen, lässt die Sprecherin offen.
«Unsere Chauffeure prüfen bei der Auslieferung von Alkoholika und Tabakwaren das Alter der Kunden», betont sie. Die Kuriere würden regelmässig für das Thema sensibilisiert. Diese Methode erachte man als zuverlässiger als eine Online-Prüfung. Dumm nur: Wenn sich der Kunde die Ware einfach vor die Türe stellen lässt, fällt diese Kontrolle durch den Chauffeur weg.
Brack wehrt sich vehement
Brack geht dagegen in die Offensive. Und wehrt sich mit einer Medienmitteilung gegen die Vorwürfe des Konsumentenschutzes: Bei jeder Bestellung werde das Alter anhand von Namen und Adresse über eine externe Wirtschaftsauskunftei geprüft. Bei Unklarheiten werde die Bestellung angehalten und eine Ausweiskopie verlangt.
Jährlich würden so mehrere Hundert Bestellungen abgelehnt. Beim Test seien jedoch Nachname und Wohnadresse einer volljährigen Person verwendet worden, weshalb das System die Bestellung durchgewinkt habe. Die Schwachstelle räumt Brack ein – und kündigt als Massnahme eine obligatorische Ausweiskontrolle ab dem ersten Quartal 2027 an.
Auch die spezialisierten Vape-Shops wollen beim Thema Jugendschutz nochmals über die Bücher. Der Händler Dampfelix hat nach eigenen Angaben im Anschluss an den Test bereits eine verbindliche Altersprüfung eingeführt. Bei Smokee soll ein obligatorischer Ausweis-Scan in den nächsten Tagen folgen, bei Shisha Heaven in den kommenden Wochen.
YourSmoke prüft zusätzliche Kontrollen mittels Ausweis oder E-ID, Vapezone plant einen Ausweis- und Fotoabgleich. Dampfi wiederum verweist auf Verzögerungen bei der staatlichen E-ID, auf der die ursprünglich vorgesehene Altersprüfung basieren sollte. Nun prüft der Händler Übergangslösungen. Die drei Shops tabac-trends.ch, vape-schweiz.ch und vapeshop-online.ch liessen eine Blick-Anfrage bislang unbeantwortet.