Geschäftsführer zeigt spezielles Merkmal von Triebwerk
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Blick besucht Werk:Geschäftsführer zeigt spezielles Merkmal von Triebwerk

Triebwerke statt Mineralwasser
SR Technics sorgt in Bad Zurzach für ein Job-Wunder

Die Industrie darbt, allerdings nicht alle Firmen: SR Technics investiert in den neuen Standort Bad Zurzach AG und schafft hochqualifizierte Arbeitsplätze. Blick war vor Ort.
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Hier wurde einst Mineralwasser abgefüllt, jetzt werden in der Halle Triebwerke gewartet.
Foto: Philippe Rossier

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • SR Technics eröffnet neuen Standort in Bad Zurzach AG für Triebwerkswartung
  • Ein Triebwerks-Service kostet 10 Millionen Franken und dauert Monate
  • Bis 2027 sollen 90 Triebwerke jährlich revidiert werden
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Wo früher Mineralwasser sprudelte und in Flaschen abgefüllt wurde, werden heute Triebwerke auseinandergenommen. Im Januar hat der Flugzeugwartungsbetrieb SR Technics in Bad Zurzach AG auf dem Gelände der ehemaligen Mineralquellen einen neuen Standort eröffnet – für eine lukrative Nische: die Wartung von Flugzeugtriebwerken. «Die Generalüberholung eines Triebwerks kostet rund zehn Millionen Franken», sagt Pierre Berthelot (44), Geschäftsführer des Standorts im Aargau, beim Rundgang mit Blick. Die Arbeiten dauern einige Monate. In dieser Zeit mieten die Airlines ein anderes Triebwerk, damit das Flugzeug nicht unproduktiv am Boden steht.

Der Laie wundert sich, warum SR Technics weitab vom Flughafen einen neuen Standort eröffnet. In Kloten ZH, wo rund 1200 der weltweit 1900 Beschäftigten arbeiten, hat die Firma ihren Hauptsitz und riesige Wartungshallen. «Die Triebwerke für Bad Zurzach kommen per LKW meist aus Amsterdam, die Kunden sind Airlines aus den USA, Japan oder Korea.» Aus dieser Perspektive sind die beiden Prüfstände in Kloten dann doch nicht so weit entfernt. Dort werden die Triebwerke nach der Revision einem letzten Test unterzogen, bevor sie wieder an die Kunden gehen.

Sicherheit und Geheimhaltung

Als Blick SR Technics in Bad Zurzach besucht, läuft der Betrieb bereits, auch wenn noch nicht alle Umbauarbeiten erledigt sind. Die Parkplätze vor den Werkgebäuden werden gerade erst aufgemalt, von den vier Hallen ist erst eine in Betrieb. Nur mit Sicherheitsschuhen darf man sich den aufgebockten Triebwerken nähern, fotografieren ist nur in ausgewählten Bereichen erlaubt, jedes Foto wird kontrolliert. «Unsere Kunden wollen nicht, dass andere Airlines ihre Triebwerk-Spezifikationen sehen», erklärt Berthelot. Sicherheit und Geheimhaltung wird in dieser Branche grossgeschrieben.

In der riesigen Halle hätte es Platz für 13 Triebwerke, im Moment sind nur drei in Bearbeitung. Doch SR Technics hat in Bad Zurzach «ambitionierte Wachstumspläne», wie der Standortchef ausführt: «2027 wollen wir hier 90 Triebwerke revidieren.» Deshalb sollen noch in diesem Jahr zwei weitere Hallen fertig umgebaut sein, eine vierte kommt später dazu. Es braucht nicht nur Platz für die Triebwerke, sondern auch Lagerkapazitäten für alle Einzelteile: Bei einer Generalüberholung wird der Flugzeugmotor komplett auseinandergenommen, auf Abnützung und Schäden untersucht und wieder zusammengesetzt.

Die ehemalige Abfüllanlage für Mineralwasser ist ein idealer Standort, erklärt Berthelot: «Wasser ist schwer, deshalb hat der Boden eine hohe Tragfähigkeit.» Um diese zu erhalten, ist die Heizung an der Decke montiert. «Es dauert zwar zwei Tage, um die gesamte Halle aufzuheizen, doch so verhindern wir, dass der Hallenboden spröde wird und seine Tragfähigkeit verliert.»

Fachkräfte gesucht

Für die Wachstumspläne braucht es zusätzliches Personal. Der grosse Service eines einzigen Triebwerks verschlingt 4000 Arbeitsstunden! Im Moment arbeiten in Bad Zurzach 50 Angestellte, bald sollen es über 100 sein. Keine einfache Aufgabe: «In einer Wachstumsindustrie findet man nie freie Arbeitskräfte», erklärt Berthelot. «Deshalb suchen wir auch Mechaniker aus anderen Industrien, zum Beispiel aus der Medtech- oder der Autoindustrie. Und bilden diese für unsere Bedürfnisse aus.»

Eine Chance für Fachkräfte, deren eigene Branche unter Druck ist – wie im Moment die meisten Zweige der Techindustrie. Die hohen Schweizer Löhne seien kein Problem, viel wichtiger seien die gute Ausbildung und das Vertrauen in den hohen Schweizer Qualitätsstandard.

Geschäft mit Potenzial

Zur aktuellen Situation der Airlineindustrie wegen des Iran-Kriegs will sich SR Technics nicht konkret äussern: «Hält die Situation am Golf noch länger an, wird das alle Industriesektoren treffen. Wir hoffen auf eine schnelle Lösung.» Den kurzfristigen Sorgen stehen die langfristigen Wachstumspläne der Branche entgegen. Pro Jahr sollen von Airbus oder Boeing bis zu 1000 neue Flugzeuge ausgeliefert werden – jedes mit mindestens zwei Triebwerken.

Der Einsatz neuer Technologien macht die Flugzeuge sparsamer, den Unterhalt allerdings «komplexer und aufwendiger», freut sich Berthelot. Und ergänzt: «Die Bedeutung des Unterhalts von Flugzeugen und vor allem der Triebwerke wird immer wichtiger.» Dabei gehe es nicht allein um die Sicherheit, sondern vor allem auch um die Verlängerung der Lebensdauer der Flugzeugmotoren. Denn ein vollständig revidiertes Triebwerk kommt die Airlines noch immer viel billiger als der Kauf eines neuen.

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