Darum gehts
- Schweizer Industrie verliert 15'000 Jobs, Protektionismus verschärft Wirtschaftslage 2025
- Exporte in die USA sanken 2025 um 18 Prozent gegenüber 2024
- Swissmem fordert bessere Bedingungen, warnt vor «Switzerland First»-Politik und Bürokratie
Die Schweizer Industrie steht unter Druck wie selten zuvor. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 15’000 Jobs sind in zwei Jahren verschwunden, allein 2025 gingen in der Tech-Industrie 10’000 Stellen verloren. Und jetzt verschärfen die USA, China und die EU ihren Protektionismus. Für Swissmem-Präsident Martin Hirzel (56) ist klar: Die Lage ist ernst. In einem Interview mit der «Schweiz am Wochenende» schlägt er Alarm.
Besonders grosse Sorgen bereiten ihm die Exporte nach Amerika, denn die sind dramatisch zurückgegangen. Die Schweizer Tech-Industrie hat nach Angaben von Swissmem im vierten Quartal des vergangenen Jahres 18 Prozent weniger in die USA exportiert. «Unsere Exportzahlen waren schon im dritten Quartal um über 14 Prozent gefallen», sagt Hirzel. «Zwei solch schlechte Quartale hintereinander – das gab es in den letzten Jahren nie.» Über das ganze Jahr gesehen betrage das Minus 8 Prozent.
«Wir müssen wieder schneller werden!»
Für Hirzel ist klar, woran das liegt: «Die Unsicherheit in den USA ist massiv. Das ist die Folge des Zollchaos, das Trumps Regierung angerichtet hat», sagt er im Interview mit der «Schweiz am Wochenende». Verheerend ist, dass die Geschäfte nicht nur in den USA schlecht gehen. Denn: «Wir hatten auch ein miserables China-Jahr», führt Hirzel aus.
Was China anbelangt, sei er derzeit eher pessimistisch. Die Überkapazitäten seien gross, es werde kaum investiert. Und wenn, dann nicht in Maschinen aus dem Ausland. Zudem sei China keine simple «Kopiernation» mehr und habe die Schweizer Industrie teils bezüglich Innovation überholt, so der Swissmem-Präsident weiter. Für Hirzel ist darum klar: «Wir müssen wieder schneller werden!»
«Switzerland-First-Politik wäre dumm»
Die Schweizer Industrie lebt vom Export. 80 Prozent der Umsätze werden im Ausland erzielt. Doch immer mehr Länder setzen auf Abschottung: Amerika, China, aber auch in Europa setzt man vermehrt auf heimisches Schaffen, um den Wirtschaftsstandort zu schützen. Hirzel warnt: Wenn sich alle abschotten, verliert die Schweiz ihre Märkte. Von helvetischem Protektionismus hält er dennoch nichts. «Jetzt eine ‹Switzerland First›-Politik zu machen, das wäre wirklich dumm.» Offenheit sei keine Ideologie, sondern Überlebensstrategie.
Kurzfristig sei der starke Franken «unser grösster Feind», langfristig aber ein Antrieb für Innovation. Dann wird Hirzel im Interview politisch. Es brauche bessere Rahmenbedingungen, fordert er. Und so tiefere Kosten und weniger Bürokratie. Hirzel macht deutlich klar, was auf dem Spiel steht. Eine Annahme der 10-Millionen-Schweiz-Initiative gelte es zu verhindern. Denn sie würde nur «Chaos schaffen. Neue Unsicherheiten. Und das in dieser unberechenbaren Welt.»