Darum gehts
Herr Giordanetti, warum passt Swatch so gut zur Biennale?
Carlo Giordanetti: Unser Ansatz ist verspielter, unbeschwerter als der anderer. Gleichzeitig stecken wir seit Jahren viel Energie und Sorgfalt in unsere Kunstprojekte. Das schätzen die Verantwortlichen der Biennale – so sehr, dass sie mehrfach ihre Pressekonferenzen für Asien in unserem Swatch Art Peace Hotel in Shanghai abgehalten haben.
Im Swatch Art Peace Hotel können sich junge Kunstschaffende seit 2011 in einem einstigen Kulthotel ein paar Monate intensiv ihrer Arbeit widmen. Wie kam es dazu?
Wir haben ruhig begonnen. Das Projekt brachte seine Herausforderungen mit sich. Shanghai ist eine unglaublich lebendige und schnelllebige Stadt, und die Etablierung einer Künstlerresidenz dort erforderte es, sich in einem einzigartigen und sich ständig verändernden Umfeld zurechtzufinden. Aber wir wollten von Anfang an den Geist der Künstler verstehen und ihre Vielfalt annehmen. Es gibt keine inhaltliche Wertung ihrer Arbeit.
Mit «Flora Fantastica» zeigen Sie während der Biennale Arbeiten von fünf dieser Residenzkünstler in den historischen königlichen Gärten.
Ein fantastischer Ort, zentral gelegen. Gleichzeitig hat man das Gefühl, einen kleinen Schatz zu finden. Zwölf Tage nach der Eröffnung hatten wir 12'000 Besucher. Unglaublich! Das bringt den Künstlern die gewünschte Aufmerksamkeit.
Sie haben Swatch-Sondereditionen mit Kunst von Jackson Pollock, Paul Klee oder Roy Lichtenstein gemacht. Was ist Ihr Antrieb?
Nach all den Jahren habe ich immer noch dieselbe emotionale Bindung zur Marke, die versuche ich zu teilen. Wir haben mit grossen Künstlern gearbeitet, aber auch mit unbekannten – immer mit derselben Leidenschaft.
Was mögen Sie an der Biennale?
Das Konzept. Dadurch bekommt man das beste Fenster, das man auf die Welt der Künste haben kann. Jedes Mal bringen sich eine Kuratorin oder ein Kurator mit ihren Vorstellungen ein, es gibt zwei zentrale Ausstellungsorte, die Giardini mit den permanenten Länderpavillons, dazu das Arsenale und Ausstellungen in der ganzen Stadt. Es gibt so viele unterschiedliche Ausdrucksformen zu entdecken. Wenn die Leute sagen, diesen oder jenen Länderpavillon lasse ich aus, das sagt mir nichts, verpassen sie im Grunde eine Reise um die Welt.
Kann Kunst besänftigen?
Das kommt darauf an. Manche Pavillons sind anspruchsvoll, zeigen Kunst, die provoziert. Bei anderen kann man einfach Freude haben an dem, was man sieht. Das entspricht den unterschiedlichen Rollen von Künstlern. Manchmal rufen sie ein friedliches Gefühl hervor, manchmal wühlen sie auf.
Selber jeden Tag bewusst etwas Kreatives machen – was halten Sie von dem Motto?
Ich weiss nicht. Ich glaube, Kreativität ist eines jener Dinge, bei denen man lernt, wie man sie pflegt und nährt. Vielleicht lässt man sie auch mal schleifen. Mich jedenfalls würde es stressen zu denken: Was? Es ist 20 Uhr, und ich habe noch nichts Kreatives gemacht. Hol ich jetzt Blumen? Nein, ich glaube, letztendlich kommt es darauf an, wie man denkt. Ich fühle mich gesegnet, dieses, na ja, Talent der Kreativität zu besitzen. Denn es ist etwas, das man hat oder nicht hat. Aber es ist nicht das alleinige Rezept für ein schönes Leben.