Darum gehts
- Travailsuisse fordert 2027 Lohnerhöhungen von durchschnittlich 2 bis 6 Prozent je nach Branche
- Die Reallöhne stagnieren trotz höherer Unternehmensgewinne und steigender Lebenshaltungskosten
- Das KOF-Institut prognostiziert für 2026 eine Teuerung von 0,5 Prozent und ein Kaufkraftplus von 0,7 Prozent
Höhere Inflation und stark steigende Krankenkassenprämien setzen viele Arbeitnehmende finanziell unter Druck. Das kritisiert der Dachverband Travailsuisse gemeinsam mit seinen Partnerverbänden an einer Medienkonferenz am Montag. Ihr Befund: Trotz steigender Produktivität und höherer Erträge in den Unternehmen stagnieren die Reallöhne der Schweizer Bevölkerung.
Deswegen fordert Travailsuisse für das Jahr 2027 generelle Lohnerhöhungen von durchschnittlich 2 Prozent über alle Branchen hinweg. «Die Kaufkraft der Arbeitnehmenden muss auch bei steigenden Preisen und Lebenshaltungskosten gesichert werden. Sie verdienen zudem endlich wieder eine anständige Beteiligung am Erfolg der Unternehmen», betont Thomas Bauer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travailsuisse.
Die Kaufkraft sinkt
In einzelnen Branchen fällt die Forderung noch deutlich höher aus: Im Gesundheitswesen verlangt der Verband eine Erhöhung von 5 bis 6 Prozent. Der Grund: Viele Betriebe hätten die Umsetzung der Pflegeinitiative abgewartet und Lohnerhöhungen vorerst auf Eis gelegt. Die Folge sei ein spürbarer Kaufkraftverlust des Pflegepersonals, so Travailsuisse.
Entscheidend für die Kaufkraft ist der Reallohn – also der Lohn nach Abzug der Teuerung. Laut einer am Montag publizierten Befragung des KOF Instituts der ETH Zürich rechnen die Unternehmen mit einer Teuerungsrate von 1,1 Prozent und einer durchschnittlichen Lohnerhöhung von 1,2 Prozent. Da bleibt für Angestellte unter dem Strich kaum mehr übrig – die Reallöhne stagnieren. Das KOF erwartet aber nur 0,5 Prozent Teuerung. Trifft das ein, steigt die Kaufkraft um spürbare 0,7 Prozent, wie das Institut in einer Medienmitteilung bekannt gibt.
Arbeitgeberverband wehrt sich
Der Arbeitgeberverband stimmt den Forderungen von Travailsuisse nicht zu. «Die Behauptung, die Unternehmen würden die schwierige Wirtschaftslage als Vorwand nutzen, um bei den Löhnen zu sparen und die Produktivitätsgewinne für sich zu behalten, ist falsch», so Patrick Chuard-Keller, Chefökonom des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes, in einer Medienmitteilung. Der Verband sieht eine durchschnittliche Lohnerhöhung von 1 Prozent als realistisch. Er geht von einer Teuerung von 0,6 Prozent aus, damit würde die reale Lohnerhöhung bei 0,4 Prozent liegen.
Diese moderate Lohnanpassung begründet Chuard-Keller damit, dass die wirtschaftliche Realität weitgehend düster und kein breiter Aufschwung zu erwarten sei. Obwohl die Prognosen für 2027 besser aussehen, betont Chuard-Keller: «In der aktuellen geopolitischen Lage sind negative Überraschungen jederzeit möglich.»