Ist diesmal alles anders?
Auf hohe Staatsrenditen folgte zweimal eine schwere Krise

Die hohen Renditen bei Staatsanleihen wecken unerfreuliche Erinnerungen. Als diese zuletzt 2000 und 2007 auf dem aktuellen Niveau waren, folgte jeweils eine grosse Krise.
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Die hohen Staatsrenditen sind ein schlechter Vorbote.
Foto: imago/UPI Photo

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Globale Staatsanleihen rentieren wie 2000/07 fast 4 Prozent
  • Treiber sind Teuerung, Zinsen, Defizite und Käufermangel
  • Analysten sehen keine nahe Schuldenkrise; Aktien droht Druck
martin schmidt
Martin SchmidtRedaktor Wirtschaft

Die Renditen der globalen Staatsanleihen steigen und steigen und haben gemäss Bloomberg-Index per Ende September einen Durchschnittswert von 3,99 Prozent erreicht. Das weckt Erinnerungen: So hoch wie jetzt waren die Renditen in diesem Jahrtausend erst zweimal: In den Jahren 2000 und 2007. Was dann folgte, ist allseits bekannt: Die Dotcom-Blase platzte und die Welt stürzte in eine globale Finanzkrise. Gerade in den letzten zwei Monaten zeigte die Renditekurve steil nach oben.

Auf solche Sprünge am Anleihenmarkt folgte gemäss Analysten der US-Bank Goldman Sachs in der Vergangenheit fast immer ein grosser Knall. Der kann jedoch wie 2008 mit Verzögerung kommen.

Das steckt hinter den hohen Renditen

Aktuell gibt es für den Renditeanstieg zwei Gründe: Die Notenbanken reagieren auf die wachsende Teuerung wegen des Iran-Kriegs mit Zinserhöhungen. Zudem fluten Staaten den Markt zur Finanzierung ihrer grossen Defizite mit neuen Anleihen und treffen dabei auf weniger Abnehmer. Grossinvestoren und Notenbanken halten sich als Käufer von Staatsanleihen mit langen Laufzeiten zurück. Die Risikoprämien steigen, damit andere Abnehmer zugreifen.

Bei 10-jährigen US-Anleihen liegt die Rendite derzeit bei 5,24 Prozent, in Italien und Frankreich bei 4,60 und 4,87 Prozent und in Grossbritannien gar bei 5,37 Prozent. Mit einer baldigen Schuldenkrise rechnen zwar die wenigsten Analysten. Die hohen Zinszahlungen belasten die Staaten jedoch immer stärker. Bleiben die Renditen bei Staatsanleihen hoch, erwarten die meisten Analysten derzeit, dass Anleger immer mehr Geld vom Aktienmarkt in den Anleihenmarkt umschichten. Dies würde bei Aktien zu einer Korrektur führen.

Tropfen brachte das Fass zum Überlaufen

Dem grossen Einbruch am Aktienmarkt gingen bei früheren Krisen aber jeweils Hiobsbotschaften voraus: Bei Dotcom realisierten die Märkte plötzlich, dass viele Techfirmen eine reine Illusion sind und nichts verdienen. Bei der Finanzkrise waren so viele faule Kredite im System, dass das gegenseitige Vertrauen zwischen Banken dahin war.

In dieser Hinsicht rückt der KI-Sektor in den Fokus: Dort zeichnet sich ein derartiges Szenario derzeit aber nicht ab. In der laufenden Berichtssaison fallen die Unternehmensgewinne nach wie vor stark aus.

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