Sorgen um ungenügende Rente
Wie du finanziell vorsorgen kannst, auch wenn du nicht so viel verdienst

Über eine Million Menschen in der Schweiz verdienen 50'000 Franken oder weniger pro Jahr. Besonders Frauen sind betroffen, was auch ihre Renten massiv schmälert. Wie kann man die Altersvorsorge frühzeitig stärken?
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55-Jährige überschätzen häufig, was sie in der Pension für eine Rente erhalten.
Foto: Keystone

Darum gehts

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Martin SchmidtRedaktor Wirtschaft

Mehr als eine Million Menschen in der Schweiz verdienen 50'000 Franken pro Jahr und weniger. Sie arbeiten im Tieflohnsektor oder in Teilzeit. Das hat deutliche Auswirkungen auf die Altersvorsorge. In diesem Lohnbereich blüht mit den monatlichen Zahlungen aus der AHV und Pensionskasse eine Rente von 2500 bis knapp über 3000 Franken. Frauen sind bei diesen tiefen Renteneinkommen deutlich übervertreten.

Berücksichtigt man die vielen Kapitalbezüge in der Pensionskasse, erhalten etwas mehr als 20 Prozent der Rentnerinnen und Rentner weniger als 3000 Franken im Monat und gut 40 Prozent unter 4000 Franken. 

Die tiefen Renten werfen die Frage auf: Was kann man tun, damit man in der Pension besser dasteht? 

Frühzeitig an die Vorsorge denken

Wer früh mit der Vorsorge beginnt, kann bereits mit kleinen Beträgen viel erreichen.
Foto: Sven Thomann

Viele Schweizerinnen und Schweizer setzen sich erst ab Mitte 40 effektiv mit ihrer Vorsorge auseinander. Doch bei der Vorsorge gilt: Steter Tropfen höhlt den Stein. Wer bereits ab 18 Jahren monatlich 100 Franken in die 3. Säule einbezahlt und das Geld in einem günstigen Anlagefonds anlegt, kann bei einer durchschnittlichen Rendite von 4 Prozent sein Kapital fast verdreifachen. Zur Rente winken dann rund 166'000 Franken. Nach der Pension könnte man nach Abzug der Steuern während 15 Jahren monatlich über 800 Franken zusätzlich ausgeben, bis das Kapital verbraucht ist. Es lohnt sich also auch bei tieferen Einkommen, einen Budgetplan zu erstellen und bei Abos, Autoleasing, Miete, Ferien oder Genussmitteln nach Sparpotenzial zu suchen.

Im Voraus planen hilft

Maximal können derzeit jährlich 7258 Franken in die Säule 3a einbezahlt werden. Gerade mit einem eher tiefen Einkommen kann man nicht früh genug damit anfangen. Später können beispielsweise durch Kinder hohe Auslagen dazukommen, weshalb unter Umständen längere Zeit keine oder nur geringe Einzahlungen drinliegen.

Was man beim Kapitalaufbau in der 3. Säule unbedingt beachten sollte: Sobald 50'000 Franken auf einem 3a-Konto liegen, sollte man ein neues eröffnen. Beim Bezug muss das ganze Konto aufgelöst und das Geld versteuert werden. Teilt man das Geld auf mehrere Konten auf, kann man es gestaffelt beziehen und so Steuern sparen. 

Beitragslücken vermeiden

Bei tieferen Einkommen macht die AHV im Alter einen Grossteil der Rente aus. Beitragslücken sollte man unbedingt vermeiden. Für die maximale Rente sind 44 Beitragsjahre nötig. Ein Fehljahr führt zu einer Kürzung von 2,3 Prozent. Wichtig zu wissen: Beitragslücken in der AHV können bis 5 Jahre rückwirkend beglichen werden.

Auch in der Pensionskasse tun sich bei vielen grosse Lücken auf. Diese entstehen durch vorübergehende Teilzeitarbeit, Beschäftigungsunterbrüche, den Wechsel in eine bessere Kasse oder Lohnerhöhungen. Steigt ihr Lohn, rechnet die Kasse, als ob sie immer schon so viel verdient hätten und entsprechend ein höheres PK-Vermögen hätten aufbauen können. Diese Lücke kann aufgefüllt und von den Steuern abgezogen werden.

Die Wahl des Arbeitgebers

Gerade Branchen mit tiefen Löhnen bieten häufig nur das gesetzliche Minimum, was die Pensionskassenleistungen anbelangt.
Foto: PIUS KOLLER

Die Vorsorgeleistungen können je nach Arbeitgeber stark auseinandergehen. Deshalb macht es in jedem Alter Sinn, im Vorstellungsgespräch nach den Pensionskassenleistungen zu fragen. Viele Arbeitgeber zahlen mehr als das gesetzliche Minimum ein. Gerade jüngere Personen haben diesen Punkt kaum auf dem Radar. Vielleicht ist der Lohn bei der einen Firma ein wenig tiefer, dafür aber fliesst deutlich mehr Geld in die Pensionskasse – das zahlt sich im Alter aus. 

Koordinationsabzug trifft Tieflöhner

Während Angestellte in Topjobs häufig von extrem guten Pensionskassenleistungen profitieren und ihre Arbeitgeber oft auf einen Koordinationsabzug verzichten, gilt im Tieflohnsektor das genaue Gegenteil. Viele Arbeitgeber zahlen das absolute Minimum ein und ziehen den Koordinationsabzug von 26'460 Franken voll ab. Das gilt gerade für die Gastronomie, die Reinigungsbranche und in vielen Kleinbetrieben wie Coiffeurläden oder Taxibuden.

Auch in der Reinigungsbranche machen Arbeitgeber oft den vollen Koordinationsabzug. Das führt gerade in Teilzeit zu sehr tiefen Ersparnissen in der Pensionskasse.
Foto: Michael Sohn

Auch in Teilzeit schmälert ein Abzug die künftige Rente massiv. Deshalb sollte man sich auf jeden Fall über die Konditionen des Arbeitgebers informieren. 

In Branchen mit tiefen Löhnen sticht der Detailhandel positiv heraus: Gerade die grossen Player in der Branche bieten deutlich tiefere Koordinationsabzüge oder verzichten ganz darauf. Zudem zahlen einige mehr als den Pflichtteil für Arbeitgeber in die Pensionskasse ein. 

Im Detailhandel sieht es deutlich besser aus: Bei Migros, Coop, Aldi und Lidl kann man auch mit eher moderatem Gehalt gut vorsorgen.
Foto: Pius Koller

Kapitalbezug gut überlegen

Immer mehr Menschen beziehen ihr Pensionskassenkapital, sobald sie in Rente gehen. Wer nur ein geringes PK-Vermögen angespart hat, sollte sich einen Bezug jedoch gut überlegen. Der maximal versicherte Lohn im BVG-Obligatorium beträgt derzeit 64'260 Franken. Auf diesen gilt der Umwandlungssatz von 6,8 Prozent. Wer bei diesem Umwandlungssatz 14,7 Jahre lang Rente bezieht, ist danach im Plus. Wer mit 65 in Rente geht, profitiert folglich mit 79 Jahren und 9 Monaten.

Sprich: Ab dann wäre das Kapital eigentlich aufgebraucht, die Pensionskasse muss die Rente aber bis ans Lebensende weiterzahlen. Bei einem kleinen PK-Vermögen von 200'000 Franken entspricht dies immerhin einer monatlichen PK-Rente von 1133 Franken. 

Die Teilzeitfalle

Erwerbsunterbrüche und Teilzeit führen zu deutlich geringeren PK-Renten. Was dagegen hilft: Eine ausgewogenere Aufteilung der Familienarbeit, damit die Frau in einem höheren Pensum arbeiten kann. Oder zusätzliche Investition in die Vorsorge des Partners oder der Partnerin in Teilzeit. Der Lebensversicherer Swiss Life empfiehlt über ein Erwerbsleben hinweg einen Beschäftigungsgrad von mindestens 60 Prozent. Erhöht eine 30-jährige Person ihr Pensum um 10 Prozentpunkte, kann bis zur Pensionierung das PK-Vermögen um ein paar Hunderttausend Franken höher ausfallen.

Gerade die Jahre ab 45 und 55 schenken ein: Denn dann springt der Lohnabzug für die 2. Säule erst auf 15 Prozent und dann auf 18 Prozent.

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