Darum gehts
- In 18 von 26 Kantonen ist die Altersgruppe der unter 19-Jährigen im ersten Halbjahr 2026 geschrumpft
- In elf Kantonen nahm in der ersten Jahreshälfte die Erwerbsbevölkerung ab
- Die logische Folge: Die Schweiz wird immer älter und wächst praktisch nur noch wegen der Zuwanderung
Im ersten Halbjahr 2026 ist die Bevölkerungszahl in drei Schweizer Kantonen geschrumpft: Zug, Nidwalden und Jura. Die Gründe hinter dem Rückgang sind ganz unterschiedlich: In Zug dürfte es eine Momentaufnahme sein, da in der zweiten Jahreshälfte jeweils deutlich mehr Expats zuwandern und eine Arbeitsstelle antreten.
In Nidwalden hat sich die Zuwanderung abgeflacht. Dadurch überwiegen plötzlich die Wegzüge. Im Kanton herrscht zudem akute Wohnungsnot, die es für Mittelständler schwierig macht, nach Nidwalden zu ziehen.
Im strukturschwachen Kanton Jura fällt das Bevölkerungswachstum generell niedrig aus – und kippt immer wieder ins Negative. «Es ist extrem wichtig, zu verstehen, wie und warum sich die Bevölkerung in einer Region verändert», sagt Hendrik Budliger (51), Direktor des Forschungs- und Beratungsbüros Demografik.
Nur so könne eine Regierung wissen, ob es sich um eine Momentaufnahme oder eine Trendwende handelt – und bei Bedarf reagieren: Sei es bei der Wirtschaftspolitik, beim Bau von Schulen oder anderer Infrastruktur.
Zahl der Jungen nimmt in 18 Kantonen ab
Die Schweizer Bevölkerung wächst zwar seit Jahren überdurchschnittlich schnell. «Zwischen den Kantonen gibt es jedoch grosse Unterschiede, gerade auch mit Blick auf die verschiedenen Altersgruppen», so Budliger. Sein Team hat jeden Kanton unter die Lupe genommen.
Das Ergebnis: In 18 von 26 Kantonen ist die Altersgruppe der unter 19-Jährigen im ersten Halbjahr 2026 geschrumpft. Das überrascht kaum: Die Geburtenrate sinkt seit Jahren und fiel im vergangenen Jahr auf 1,28 Kinder pro Frau. Gut 78’000 Kinder kamen in der Schweiz 2025 zur Welt. Von 2014 bis 2021 waren es im Schnitt noch fast 10’000 Kinder mehr pro Jahr. Am stärksten sind die Rückgänge im Jura und im Tessin.
Schweiz wächst fast nur wegen Zuwanderung
In elf Kantonen nahm in der ersten Jahreshälfte auch die Erwerbsbevölkerung ab – also die Zahl der 20- bis 64-Jährigen. In acht Kantonen schrumpft die Zahl der U19-Jährigen sowie Erwerbstätigen – nur die Rentnergruppe wächst. Die letzten Babyboomer-Jahrgänge erreichen bis spätestens 2029 das Pensionsalter. Das bedeutet: Für die Wirtschaft kommen immer weniger Arbeitskräfte nach. «Die Immobilienpreise können in solchen Regionen unter Druck geraten», so Budliger.
Die logische Folge: Die Schweiz wird immer älter und wächst praktisch nur noch wegen der Zuwanderung. «Die Zuwanderung ist keine Einbahnstrasse, wie man aktuell an Zug und Nidwalden sieht», so Budliger. Die künftige Entwicklung der Wirtschaft und der Löhne im Verhältnis zu den Kosten tragen massgeblich dazu bei, ob die Schweiz weiterhin attraktiv bleibt. Der Demograf sieht einen weiteren, häufig unterschätzten Faktor: «Die wichtigsten Zuwanderungsländer der Schweiz werden selbst immer älter und dürften künftig mehr dafür unternehmen, ihre Arbeitskräfte zu halten.»
Im mittleren Prognoseszenario flacht das Wachstum in einigen Jahren spürbar ab. Demnach würde die Schweiz 2041 die 10-Millionen-Grenze übertreffen. Aktuell leben knapp 9,2 Millionen Menschen im Land.