Nach 129 Jahren ist Schluss
Traditionskäserei in Herdern TG stellt Betrieb ein

Es ist das Ende einer Ära: Seit 1897 wird auf Schloss Herdern Käse hergestellt. Per 31. Dezember gehen die Lichter im Traditionsbetrieb für immer aus. Sogar ein 980'000-Franken-Projekt scheitert damit offiziell.
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Nach über 100 Jahren muss die Käserei im Schloss Herdern schliessen.
Foto: PD

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Käserei auf Schloss Herdern TG schliesst Ende Jahr wegen hoher Sanierungskosten
  • Zwei Mitarbeitende verlieren ihre Stellen
  • Auch das geplante Schaukäsereiprojekt scheitert

Rund um das historische Schloss Herdern im Kanton Thurgau häufen sich gerade die Hiobsbotschaften. Vor kurzem gab die traditionsreiche Käserei im Schloss das baldige Ende ihres Betriebs bekannt – nach über einem Jahrhundert. Damit ist nun auch die geplante Schaukäserei vom Tisch. Die «Thurgauer Zeitung» berichtete zuerst darüber.

Besonders bitter: Eigentlich hätten für die Schaukäserei 980'000 Franken aus dem Millionenerlös der Thurgauer Kantonalbank nach Herdern fliessen sollen. Dieser Geldregen ist jetzt verpufft – Ort und Schloss gehen leer aus.

Zwei Mitarbeitende verlieren ihre Jobs

Die Geschichte der Schloss-Käserei, die für ihre regionalen Milch- und Käseprodukte bis über die Ortsgrenze hinaus bekannt ist, begann 1897. Ende dieses Jahres gehen die Lichter für immer aus. Der Grund ist hartes Kalkül: «Aktuell besteht ein hoher Sanierungsbedarf, um die Käserei weiterführen zu können», erklärt Silvio Zahnd, Geschäftsleiter des Schlosses, gegenüber Blick. Die kleine Käserei nur für Eigenprodukte aufrechtzuerhalten, rechne sich schlicht nicht mehr.

Die Konsequenz: Zwei Mitarbeitende verlieren ihre Stelle. Immerhin: «Eine Mitarbeiterin hat bereits eine Anschlusslösung», so Zahnd. Den zweiten Angestellten will man bei der Suche so gut es geht unterstützen.

«Ein Stück Tradition geht verloren»

Man habe versucht, das Aus abzuwenden, führt Zahnd aus. Geprüft wurden etwa eine hochautomatisierte Produktion oder ein verkleinertes Produktsortiment. Ohne Erfolg: «Letztlich war bei allen Lösungsvorschlägen die Rentabilität nicht gegeben», so der Geschäftsleiter.

Bewohner des Schlosses – seit 1895 ist dient das Anwesen als Wohn- und Arbeitsstätte für Menschen mit Beeinträchtigungen – hätten das Ende mit Bedauern zur Kenntnis genommen, sagt Zahnd. «Sicherlich geht mit der Schliessung ein Stück Tradition von Schloss Herdern verloren.»

Schaukäserei nun vom Tisch

Ein kleiner Trost bleibt Käse-Liebhabern: Die beliebten Schlossspezialitäten wie das «Schlussmutschli» und der «Schlosskäse» verschwinden nicht ganz aus den Regalen. Sie sollen künftig von externen Partnern nach den Originalrezepturen hergestellt werden. «Die Vertragsabschlüsse stehen kurz bevor», freut sich Zahnd.

Dass aus der geplanten Schaukäserei nichts wird, schmerzt den Schloss-Chef dennoch: «Der Schaucharakter wäre schön gewesen, um Schloss Herdern der Öffentlichkeit noch näherzubringen. Aber die Schaukäserei hätte sich am Ende eben auch rechnen müssen.»

Andere Käsereien teilen das Schicksal

Das Aus in Herdern fügt sich in eine Reihe bitterer Nachrichten aus der Schweizer Käsebranche ein. Im Juni 2025 stellte die berühmte Emmentaler Schaukäserei im bernischen Affoltern ihre Produktion ein. Hohe Sanierungskosten und die schwindende Beliebtheit des Emmentalers zwangen die einstige Symbolstätte des Schweizer Käsehandwerks in die Knie.

Ebenfalls chancenlos blieb die traditionsreiche Chäsi Arni, ebenfalls im Berner Emmental. Nachdem sich Hauptabnehmer Cremo aus dem Geschäft zurückgezogen hatte, ging kein Milchhahn mehr auf – und die Käserei musste die Segel streichen.

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