Riese auf Expansionskurs – im Sommer kommt die «Gesundheitswelt»
Drogeriekette Müller bringt Longevity-Produkte in die Schweiz

Der deutsche Drogerie-Riese Müller setzt weiter auf Expansion – und startet die nächste Phase. Im Sommer will das Unternehmen seine erste «Gesundheitswelt» ausrollen.
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Auf Expansionskurs: 95 Filialen betreibt Müller aktuell in der Schweiz – und will weiter wachsen.
Foto: imago/Ralph Peters

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Maren Meyer und Olivia Ruffiner
Handelszeitung

Am Samstag um 14 Uhr ist für Shopperinnen und «Chrömler» High Noon in der Marktgasse Winterthur. Die Ladentüren der Müller-Filiale öffnen sich im Takt der ein- und ausströmenden Kundschaft. Zwischen Frühlingsdekoration und Süssigkeiten bahnt sie sich ihren Weg vorbei am Make-up und am Parfum zum Schreibmaterial und Babybedarf. Keine hundert Meter weiter bietet sich das gleiche Bild. Neben den zwei Filialen in der Marktgasse betreibt der deutsche Drogist insgesamt sechs Standorte in Winterthur – hier herrscht die höchste Müller-pro-Kopf-Dichte des Landes.

In der Schweiz ist Müller auf Expansionskurs. Mit der Übernahme der 22 Spielwarenläden von Franz Carl Weber 2023 und den zehn Alnatura-Filialen von der Migros im letzten Jahr lässt der deutsche Drogerieriese keinen Zweifel an seiner Wachstumsstrategie. Im letzten Jahr investierte der Drogist 28,3 Millionen Euro in der Schweiz – und feierte sein zwanzigjähriges Bestehen im Land. Gebührend gefeiert wurde dies mit neun Neueröffnungen – so viele wie noch nie innerhalb eines Jahres. Heute betreibt Müller 95 Filialen in der Schweiz.

Artikel aus der «Handelszeitung»

Dieser Artikel wurde erstmals im Angebot von handelszeitung.ch veröffentlicht. Weitere spannende Artikel findest du unter www.handelszeitung.ch.

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Neben den klassischen Drogerieprodukten wie Shampoos, Cremes und Kosmetik hat Müller Schreib- und Spielwaren sowie Bionahrung im Sortiment. Nun will der deutsche 5-Milliarden-Konzern auch in der Liga der Langlebigkeit mitmischen: Mit «Müller Gesundheitswelt» setzt er seit 2025 in einem Shop-in-Shop-Konzept auf Longevity-Produkte. Von Deutschland soll ins Ausland expandiert werden – auch in die Schweiz. Zurzeit befinde sich das Konzept noch in der Planungsphase, heisst es bei Müller. Es sei vorgesehen, «das Konzept voraussichtlich im Sommer erstmals in der Filiale Uster, Zürichstrasse, zu realisieren».

Trends schneller aufnehmen und skalieren

In der «Gesundheitswelt» findet die Kundschaft Produkte im Bereich der Apothekenkosmetik von Marken wie La Roche-Posay, Avène und Eucerin, aber auch Longevity-orientierte Pflegeprodukte von Weleda oder Sante. Das weitere Sortiment erstreckt sich über Naturheilkunde, Functional Food bis zur Nahrungsergänzung. Die Schweiz sei grundsätzlich ein guter Markt, um neue Produkte und Dienstleistungen in diesem Segment zu testen, sagt Nordal Cavadini, Detailhandelsexperte bei der Beratungsfirma Alixpartners. «Die Kundschaft ist zahlungskräftig, und die Rahmenbedingungen, wie beispielsweise die Regulatorik, sind günstiger als in manchen Nachbarländern.» Mit dem Einstieg in den Bereich Health, Wellness und Longevity eröffne sich ein neuer Markt auf Wachstumskurs. Spezialisten wie Drogeriemärkte hätten den Vorteil, dass sie Trends schneller aufnehmen und skalieren könnten, hält Cavadini fest.

In der Schweiz würde so ein Konzept bisher einzigartig sein, sagt David Morant von der E-Commerce- und Retailberatung Carpathia. Als grosse Kette hätte Müller auch die nötige Glaubwürdigkeit, um dieses Konzept zu etablieren. «Ein eigener Themenbereich in der Filiale könnte einen Boost geben», erklärt Morant.

Erwin Müller bleibt «zentrale Instanz»

Nicht nur das Angebot befindet sich bei Müller im Wandel: Seit dem 1. April führt eine siebenköpfige Geschäftsleitung das Unternehmen – allerdings unter Alleingeschäftsführer Erwin Müller. Der bleibt laut einer Mitteilung weiterhin «die zentrale Instanz». Mit dieser Neuausrichtung solle das Unternehmen für die Zukunft fit gemacht werden. Das ist auch nötig: Firmenpatron Erwin Müller ist 93 Jahre alt.

Der ewige Chef: Mit heute 93 Jahren leitet Erwin Müller sein Drogerie-Imperium.
Foto: Volkmar Könneke

Sein erstes Unternehmen hat er 1953 gegründet. Der gelernte Friseur rüstete zunächst seine Filiale mit Parfümerie-, Kosmetik- und Drogerieprodukten aus. Der erste reine Drogeriemarkt eröffnete 1973. Schon immer standen bei Müller alle Zeichen auf Expansion: Allein von 1980 bis 1990 öffneten 148 Filialen ihre Tore. Heute ist die Firma mit Sitz im süddeutschen Ulm mit rund 960 Filialen in acht europäischen Ländern vertreten und hat rund 190'000 Artikel im Sortiment. Im Geschäftsjahr 2023/2024 setzte Müller zuletzt rekordhohe 5,2 Milliarden Euro um – 8,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Gewinn ging leicht zurück, was auf die erhöhten Personal- und Beschaffungskosten zurückgeführt wird.

Klare Standort-Strategie

Die Bestimmungen für die Expansion sind klar geregelt: Müller prüft grundsätzlich vier Standorttypen. Bevorzugt werden belebte Innenstädte mit mindestens 10'000 Einwohnerinnen und Einwohnern, Flächen in Einkaufszentren, klassische Fachmärkte sowie Gewerbegrundstücke. Die Filiale soll 500 bis 2000 Quadratmeter Verkaufsfläche bieten. Wichtig für die Standortwahl sind eine hohe Kundenfrequenz und gute Erreichbarkeit. Der Anforderungskatalog ist auf der Website aufgeführt und zeugt von der klaren Struktur, die der Patron – in Pressemitteilungen stets «Herr Müller» genannt – in seinem Unternehmen etablierte.

Artikel aus der «Handelszeitung»

Dieser Artikel wurde erstmals im Angebot von handelszeitung.ch veröffentlicht. Weitere spannende Artikel findest du unter www.handelszeitung.ch.

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Die Nachfolgeregelung gestaltet sich hingegen schwierig: 2022 verliess der als Nachfolger gehandelte Hoffnungsträger Günther Helm nach nur drei Jahren überraschend das Unternehmen. Damit reiht er sich in eine Historie von vermeintlichen Nachfolgern des Patrons, der 2006 nach offenen Differenzen seinen Sohn Reinhard als Geschäftsführer absetzte.

Rossmann setzt auf tiefe Preise

In der Schweiz sind die Preise ein schlagendes Argument von Müller. Diese sind höher als in Deutschland, aber teils tiefer als bei der Konkurrenz wie Migros und Coop. Doch das Feld mischt sich neu. Ausgerechnet aus Deutschland gesellt sich ein neuer Player dazu: Der Drogeriemarktriese Rossmann hat 2024 hierzulande seine erste Filiale eröffnet. Seitdem ist der Preiskampf eröffnet. Man wolle die Preise der Schweizer Mitbewerber im Durchschnitt deutlich unterbieten, «am liebsten auch im zweistelligen Prozentbereich», sagte Chef Raoul Rossmann 2024 zur Handelszeitung. Weltweit betreibt Rossmann rund 5200 Läden. Sein Ziel in der Schweiz: 100 Filialen in fünf bis sechs Jahren. Mit derzeit zwölf Filialen ist Rossmann auf Wachstumskurs.

Die Drogerie Rossmann setzt auch in der Schweiz auf tiefe Preise: Rossmann-Chef Raoul Rossmann vor der Filiale im Emmen Center.
Foto: KEYSTONE/PHILIPP SCHMIDLI

Die Aussichten für Rossmann stehen gut – denn der Drogeriemarkt in der Schweiz sei verzettelt, sagt Nordal Cavadini von Alixpartners. Anders als in Deutschland, wo Unternehmen wie DM, Rossmann und Müller den Markt dominieren, sei das Angebot in der Schweiz mehrheitlich zwischen den Grossverteilern und Abteilungen in Warenhäusern verstreut. Das starke Wachstum setzt sich aus einer starken Nachfrage, einer gewissen attestierten Kompetenz und der Verfügbarkeit der Standorte zusammen. Wo Filialen von Alnatura, Depot oder Weltbild frei wurden, übernahmen in den letzten Jahren nämlich oft die Drogisten.

Zu Müllers Longevity-Plänen hat die Kundschaft in der Marktgasse Winterthur geteilte Meinungen. «Ich fände es schön, wenn es wieder mehr Gesundheitsprodukte gäbe», meint eine Kundin. Andere vermuten einen Hype: «Lange wird es nicht gehen, dann kommt wieder etwas Neues», sagt ein anderer Kunde. «Nicht jeder will 150 Jahre alt werden.»

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