Projektentwicklerin und Studentin zeigt Budget
«Mit 2620 Euro bin ich für Berlin sehr gut aufgestellt»

Jasmin Weibel wohnt, jobbt und studiert in Berlin. Ihr grösster Luxus ist ihr Auto. Für die Beobachter-Serie legt die 23-jährige ihr Budget offen.
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Neben ihrem Job als Projektentwicklerin bei einer Immobilienfirma studiert Weibel Immobilienmanagement im Master.
Foto: imago/photothek
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Katrin Reichmuth
Beobachter

Jasmin Weibel ist 23 Jahre alt und wohnt in Berlin im Stadtteil Kreuzberg. Ihre Mutter ist Schweizerin und zog als junge Frau in die deutsche Hauptstadt. Dort lernte sie Jasmins Vater kennen, der aus der Türkei stammt.

Jasmin Weibel, die in Wirklichkeit anders heisst, ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Regelmässig besucht sie die Familie ihrer Mutter in Zürich und hat in der Schweiz einen festen Freundeskreis. Nach dem Abitur zog sie mit 18 von zu Hause aus, suchte sich eine Arbeitsstelle für ein berufsbegleitendes Studium und schloss nach knapp vier Jahren ihren Bachelor in Immobilienwirtschaft ab. Die Bedingungen der Eltern waren klar: «Du kannst ausziehen, aber du musst schauen, wie du das finanziell stemmen kannst.» Seither führt sie eine detaillierte Excel-Tabelle, um Fixkosten und Ausgaben zu planen.

Artikel aus dem «Beobachter»

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Heute arbeitet Weibel als Immobilien-Projektentwicklerin und macht berufsbegleitend ihren Master in Immobilienmanagement. 

In der Beobachter-Serie «Die Abrechnung» zeigt sie ihren Kontoauszug und erzählt, wie sie mit ihrem Budget lebt. Wie viel Geld steht ihr zur Verfügung? Wofür gibt sie es aus?

Einnahmen

Ich verdiene mit meinem 60-Prozent-Pensum netto 2300 Euro pro Monat. In Deutschland sind beim Nettolohn neben den Sozialabgaben auch schon die Steuern und Krankenkassenbeiträge abgezogen. 

Brutto beträgt mein Lohn 3420 Euro. Im Vergleich zu meinem Bachelorstudium, als ich nur 480 Euro netto erhielt, konnte ich mit Beginn des Masterstudiums einen deutlich höheren Lohn aushandeln. Mein Lohn ist für Berliner Verhältnisse hoch. Zum Vergleich: Ein Freund verdient als Gartenbauingenieur bei der Stadt Berlin brutto 4240 Euro pro Monat – für ein Vollzeitpensum. 

Der 13. Monatslohn ist in Deutschland nicht üblich, aber ich bekomme von meinem Arbeitgeber immerhin 250 Euro Weihnachtsgeld.

Zusätzlich erhalte ich monatlich 300 Euro Kindergeld. Da ich unter 25 bin und mich in der Erstausbildung befinde, erhalten meine Eltern dieses Geld monatlich und geben es mir direkt weiter. Insgesamt stehen mir also rund 2620 Euro zur Verfügung.

Ausgaben

Wohnen: Ich wohne allein in einer 2-Zimmer-Altbauwohnung mit 56 Quadratmetern. Das Badezimmer wurde vor zwei Jahren renoviert, einen Balkon hat sie leider nicht. In Deutschland muss der Vermieter lediglich Herd und Spülbecken zur Verfügung stellen, der Rest der Küche muss mitgenommen oder der Vormieterin abgekauft werden. Das ist ziemlich undurchdacht, da nicht jede Küche in jede Wohnung passt.

Meine Miete beträgt monatlich 515 Euro. Normalerweise würde eine Wohnung an dieser Lage das Doppelte kosten, aber die Wohnung gehört meiner Mutter. Sie hat sie 2023 als Schnäppchen für 220’000 Euro gekauft. Davon waren 90’000 Euro Eigenkapital, 130’000 Euro Hypothek.

Die Nebenkosten für Wasser und Heizung belaufen sich auf 96 Euro pro Monat. Meinen Stromanbieter konnte ich selbst wählen. Ich bin bei Vattenfall und zahle monatlich 55 Euro.

Telefon, Internet und Abos: Für Fernsehen und Internet zahle ich 56 Euro im Monat. Dazu kommt die deutsche Rundfunkgebühr, für die ich pro Quartal 55 Euro überweise.

Mein Handyabo kostet 30 Euro im Monat, diesen Betrag übernimmt weiterhin meine Mutter für mich. Wenn ich in der Schweiz bin, aktiviere ich ein Datenpaket auf meiner E-Sim für 12 Euro, was locker für eine Woche reicht.
Ich habe ein Netflix-Abo für 13 Euro und ein Spotify-Studenten-Abo für 7 Euro.

Foto: Joel Borter

Versicherungen: Meine Eltern haben mir beim Auszug geraten, eine Haftpflicht- und Hausratversicherung abzuschliessen. Das habe ich getan, auch wenn ich sie seither zum Glück nie gebraucht habe. Die jährliche Prämie beträgt 180 Euro.

Gesundheit: Die Prämie der gesetzlichen Krankenkasse wird direkt vom Lohn abgezogen. Die gesamten Sozialabgaben sind 738 Euro jeden Monat. Der Arbeitgeber zahlt denselben Betrag noch einmal obendrauf.

Wenn ich krank bin, zahle ich für ein Rezept meist nur eine Gebühr von 5 Euro, der Rest wird direkt über die Krankenkasse abgerechnet. Letztes Jahr habe ich die Chance genutzt, mir noch vor meinem 22. Lebensjahr die Hormonspirale einsetzen zu lassen, da die Kosten bis zu diesem Alter übernommen werden. Ich habe so 350 Euro gespart.

Bei den Zusatzversicherungen gibt es eine Auswahl. Meine Mutter hat eine Kombi-Zusatzversicherung und übernimmt die Kosten dafür.

Mobilität: Der öffentliche Verkehr ist für Studenten in Deutschland sehr günstig. Ich zahle 360 Euro pro Semester und kann rund um Berlin gratis den ÖV benutzen. Zur Arbeit nehme ich meistens den Bus und nutze die 30 Minuten Fahrtzeit zum Lesen.

Ansonsten bin ich viel mit dem Auto unterwegs, besonders wenn ich aus meinem Kiez rausmuss oder zur Uni fahre. Da spare ich im Vergleich zum ÖV fast 25 Minuten pro Weg. Im letzten November habe ich mir einen Occasions-Mercedes A-Klasse für 27’500 Euro gekauft. 4000 Euro finanzierte ich aus Ersparnissen, den Rest hat mir meine Mutter vorgeschossen. Ich zahle ihr monatlich 300 Euro zurück. Obwohl das Auto in Berlin purer Luxus ist, wollte ich nach der Trennung von meinem Freund nicht auf diesen Komfort verzichten.

Die Autoversicherung kostet mich jährlich 900 Euro. Es gibt durchaus günstigere Versicherungen, aber mir ist es sehr wichtig, dass mein Auto umfassend abgesichert ist. Wenn es um Versicherungen geht, drückt bei mir wohl die Schweizerin durch. Die Motorfahrzeugsteuer beträgt 120 Euro pro Jahr.
Für Benzin gebe ich etwa 120 Euro aus, und ich lege monatlich 50 Euro für Reparaturen zur Seite. Insgesamt gebe ich für das Auto 555 Euro im Monat aus.

Haushalt: Für Lebensmittel gebe ich monatlich zwischen 350 und 400 Euro aus. Kochen ist für mich wie eine Therapie. Ich koche oft gesund mit Brokkoli und Süsskartoffeln oder bereite türkische Gerichte wie Köfte für meine Freunde zu. Meine Einkäufe einmal pro Woche plane ich gezielt, meistens mache ich sie im Lidl. Bei Fleisch und Gemüse achte ich auf Bio-Qualität, bei Kohlenhydraten wie Teigwaren oder Reis nehme ich die Eigenmarke. Das Bio-Sortiment ist in Deutschland allgemein weniger ausgeprägt als in der Schweiz.

Wenn ich in der Schweiz bin, kaufe ich jeweils viel Raclettekäse, und wenn mich die Sehnsucht nach meiner zweiten Heimat packt, rufe ich meine Mutter und bitte sie, Älplermagronen zu kochen.

Ich rauche, seit ich 15 war. Meine erste Zigarette gibt es nach dem Mittagessen. Ich drehe die Zigaretten selbst, was mich monatlich etwa 20 Euro für Tabak und Filter kostet.

Ich schminke mich gerne. Für Körperpflege und Kosmetik budgetiere ich 50 Euro im Monat. Meine Mutter färbt und schneidet mir die Haare.

Verpflegung ausser Haus: Für Auswärtsessen und -getränke gebe ich monatlich etwa 180 Euro aus. Ich gehe etwa zweimal im Monat ins Restaurant, meistens italienisch, asiatisch oder indisch. Ein Abendessen mit Softdrink kostet mich etwa 30 Euro.

Unter der Woche hole ich mir ab und zu eine Bowl oder ein Sandwich für 15 Euro oder trinke für 4 Euro einen Matcha in einem Café im Kiez. Im Sommer bin ich öfter auswärts anzutreffen als im Winter.

Kleidung und Schuhe: Ich schätze, dass ich dafür jährlich 1200 Euro ausgebe. Ich shoppe sehr gezielt, meistens bei H&M oder Zara, da ich keine Geduld für langes Suchen in Secondhand-Läden habe.

Manchmal verkaufe oder kaufe ich aber Kleider über die Website Vinted.de. Mein Stil ist eher unauffällig, aber gepflegt, und oft kombiniere ich Blazer und Stoffhosen mit Sneakers.

Freizeit: Da ich freitags und samstags Schule habe und unter der Woche arbeite, beschränkt sich meine Freizeit auf Sonntag und Montag.

Ich versuche zweimal die Woche zu trainieren. Mein Gym-Abo kostet 29 Euro im Monat. Ansonsten bin ich mit meinen Freunden unterwegs. Wir treffen uns in der Stadt, spazieren und quatschen.

Ich bin keine Clubgängerin. Vielleicht liegt es daran, dass ich keinen Alkohol trinke. Weder der Geschmack noch das Gefühl oder der Morgen danach begeistert mich. Lieber gehe ich mit Freunden in eine Bar. Ein Abend mit zwei alkoholfreien Drinks kostet mich dort etwa 10 Euro.

Letzten Sommer war ich für einen Tag auf einem Festival, für das Ticket habe ich 80 Euro bezahlt. Dort traten unter anderem Künstler wie «Keinemusik» auf. Ein grosser Vorteil in Berlin ist zudem, dass die meisten Museen für uns Studierende gratis sind.

Bücher und Studium: Ich lese sehr viel, sicher drei Bücher pro Monat. Wenn ich einen Lieblingsautor nennen muss, dann Sebastian Fitzek. Manchmal kaufe ich für 80 Euro Bücher auf Vorrat und dann monatelang gar keine. Im Schnitt gebe ich für Bücher etwa 20 Euro pro Monat aus.

Geschenke: Ich habe einen grossen Freundeskreis und beschenke meine Liebsten gern. Im Schnitt gebe ich dafür 100 Euro im Monat aus.
Ich verschenke gerne Persönliches oder Lustiges. Meinem Vater habe ich beispielsweise einen mit Fotos bedruckten Duftbaum für sein Auto geschenkt. Oder ich lasse für ihn einen speziellen Kuchen anfertigen, was dann rund 30 Euro kostet.

Ferien und Ausflüge: Ich habe fünf Wochen Ferien. Letzten Sommer verbrachte ich eine Woche in Südfrankreich zusammen mit meiner Mutter und ihrer Familie. Die gesamten Ferien waren für mich gratis.

Im Frühling war ich mit Freunden für eine Woche in einem All-inclusive-Hotel in der Türkei, das hat 1400 Euro gekostet. Im Herbst habe ich einen Städtetrip nach Kopenhagen gebucht. Flug und Unterkunft für drei Nächte kosten 500 Euro.
Für meine Reisen lege ich monatlich 50 Euro auf ein Ferienkonto, den Rest nehme ich von meinem Ersparten. 

Ich bin etwa fünfmal pro Jahr in der Schweiz. Meistens fahre ich gemeinsam mit meiner Mutter im Auto hin. Wir übernachten bei meiner Gotte, der Schwester meiner Mutter. In der Schweiz gehe ich nie shoppen, da mir das zu teuer ist. Stattdessen verbringe ich Zeit mit der Familie oder mit Freunden am See. Mein Lieblingsrestaurant in Zürich ist das Santa Lucia an der Badenerstrasse. Es ist zwar kein ausgefallenes Restaurant, aber ich fühle mich dort unglaublich wohl und verbinde viele schöne Erinnerungen mit diesem Ort. Für ein Essen dort gebe ich in der Regel etwa 40 Franken aus.

Steuern: Die Steuern werden in Deutschland direkt vom Lohn abgezogen. Das sind bei mir 390 Euro pro Monat. Eine Steuererklärung muss ich zwar trotzdem machen, aber meistens nur, um Geld zurückzubekommen.

Altersvorsorge: Das deutsche System unterscheidet sich vom Schweizer Drei-Säulen-Modell. In Deutschland ist die gesetzliche Rentenversicherung die Hauptquelle des Einkommens im Alter. Die Beiträge dafür werden mir direkt vom Lohn abgezogen, ganz ähnlich wie die AHV- und Pensionskassenbeiträge in der Schweiz. Alles, was über diese staatliche Absicherung hinausgeht, gehört zur freiwilligen Altersvorsorge.

Meine Mutter hat zusätzlich eine private Rentenabsicherung für mich abgeschlossen, für die sie monatlich 55 Euro einzahlt.

Sparen und Vermögen: Am Ende des Monats bleibt mir ein Überschuss von etwa 180 Euro. Auf der hohen Kante habe ich aktuell rund 3000 Euro.

Mein grösster Luxus

Das ist ein Goldring von Cartier im Wert von 1300 Euro, den ich von meiner Mutter zum Bachelorabschluss geschenkt bekommen habe.

So fühle ich mich

Ich komme mit meinem Budget gut klar. Meine Eltern unterstützen mich finanziell bei vielen Dingen, das schätze ich sehr. Dass ich in der Wohnung meiner Mutter so günstig leben kann, erleichtert mir vieles. Ich bin mir bewusst, dass ich durch die Entscheidung für ein eigenes Auto weniger sparen kann, aber dieser Luxus ist mir aktuell wichtig. Insgesamt fühle ich mich finanziell für Berlin gut aufgestellt.

Aufgezeichnet von Katrin Reichmuth. 

Hier finden Sie die bisherigen Folgen der Rubrik «Die Abrechnung». 

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