Darum gehts
- Deutsche 50-Euro-Bagatell-Grenze könnte 2026 mit digitalem Ausfuhrschein fallen
- Neue App ermöglicht automatische Mehrwertsteuer-Rückerstattung für Schweizer Einkaufstouristen
- Schweizer geben jährlich 2,5 Mrd. Euro im südlichen Baden-Württemberg aus
Wer ennet der Grenze in Deutschland einkauft, könnte sich bald auch bei kleinen Beträgen die deutsche Mehrwertsteuer zurückholen. Heute gilt: Nur wer für mindestens 50 Euro einkauft, bekommt die Mehrwertsteuer erstattet. Doch diese sogenannte Bagatell-Grenze soll fallen – noch in diesem Jahr, wie zuerst der «Südkurier» berichtet hat.
Der Knackpunkt ist der digitale Ausfuhrschein. Erst wenn dieser fix eingeführt wird, fällt die Bagatell-Grenze. Mit einer App können Schweizer Einkaufstouristen ihre Kassenzettel digital speichern. Die Ausreise wird automatisch erfasst. Die Mehrwertsteuer gibt es je nach Händler per Überweisung oder beim nächsten Einkauf zurück. Erste Geschäfte testen das neue Verfahren seit Juni bereits im Rahmen des Pilotbetriebs. Darunter sind 25 Lidl-Filialen sowie die Modegeschäfte G-Star, Humanic und Sportscheck.
«Regelbetrieb noch in diesem Jahr»
Jetzt könnte es mit der flächendeckenden Einführung des digitalen Ausfuhrscheins plötzlich schnell gehen. «Die Pilotierung des Verfahrens ist noch nicht final abgeschlossen», schreibt der Zoll in einer Medienmitteilung vom Mittwoch. Die Erfahrungen aus der Erprobung würden derzeit «ausgewertet und abgestimmt». Der entscheidende Satz: «Nach aktueller Planung ist vorgesehen, noch in diesem Jahr in den Regelbetrieb überzugehen», schreibt der Zoll weiter.
Heisst: Das neue System mit dem digitalen Ausfuhrschein geht noch in diesem Jahr in den regulären Betrieb. Und die 50-Euro-Grenze ist Geschichte! Vielleicht sogar noch in der für Handel und Konsumenten so wichtigen Vorweihnachtszeit. Was aber auch feststeht: Wird der digitale Ausfuhrschein nicht bis Ende Dezember definitiv eingeführt, bleibt die Mindestgrenze bis Ende 2027 bestehen.
Schweizer geben 2,5 Milliarden aus
Die Schweizer Einkaufstouristen sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor: Jedes Jahr geben sie laut einer Studie 2,5 Milliarden Euro im südlichen Baden-Württemberg aus. Dem Schweizer Detailhandel sind die Einkaufsausflüge über die Grenze hingegen ein Dorn im Auge. Schliesslich gehen dadurch hiesigen Geschäften Kunden verloren. Und damit auch Umsatz.
Die Bagatell-Grenze von 50 Euro wurde 2020 eingeführt, um den Aufwand bei der Abwicklung der Ausfuhrscheine an der Grenze zu beschränken. Für die Schweizer Einkaufstouristen hätte es noch schlimmer kommen können: Zuletzt forderten der Bundesrechnungshof – also die Finanzkontrolle in Berlin – und Finanzpolitiker eine Erhöhung der Bagatellgrenze auf 175 Euro. Doch die Anhebung ist mittlerweile vom Tisch – auch weil Handel, Wirtschaftsverbände und Gemeinden im deutsch-schweizerischen Grenzgebiet dagegen Sturm liefen.