Seit Ende Juli ist das Migränemittel Aimovig in der Schweiz zugelassen, seit Mitte August ist es in der Schweiz erhältlich. Aimovig vom Schweizer Pharmagiganten Novartis gilt als der grosse Hoffnungsträger für Menschen, die schwer von Migräne geplagt sind.
Kaum war Aimovig in der Schweiz verfügbar, setzte ein Run ein, der bei Medikamenten selten, bei Tech-Gadgets dagegen üblich ist. «Als Aimovig in der Schweiz zugelassen wurde, war es wie bei einem neuem iPhone», erzählt Nicoleta Ionita (32), Neurologin am Kopfwehzentrum Hirslanden in Zürich. «Alle Patienten wollten dieses Medikament haben. Einige standen am ersten Tag vor der Tür, um das Medikament zu bekommen.» Und sie haben es auch bekommen, wenn sie bereit waren, für die Monatsspritze selber zu bezahlen. Das kann langfristig ganz schön teuer werden, rund 600 Franken kostet die Monatsdosis Aimovig.
Wer bezahlt, ist noch offen
Noch ist Aimovig nicht Bestandteil der sogenannten Spezialitätenliste. Dort sind alle Medikamente und Wirkstoffe aufgeführt, die die Krankenkassen in der obligatorischen Grundversicherung bezahlen müssen. Novartis hat ein Gesuch um Aufnahme von Aimovig in die Spezialitätenliste gestellt. Doch bis zur Gutheissung oder Ablehnung kann es noch mehrere Monate dauern. Zum Stand des Verfahrens wollten sich auf Anfrage von BLICK weder Novartis noch das zuständige Bundesamt für Gesundheit (BAG) äussern.
Monika Weichert (54) ist Patientin von Neurologin Ionita und leidet seit Jahrzehnten an Migräne, hat pro Woche mehr Tage mit als ohne Kopfweh. «Ich leide häufig an Migräneattacken – das hat mit Lebensqualität nicht mehr viel zu tun.» Die Produktionsplanerin aus dem Kanton Zug, setzt grosse Hoffnungen in Aimovig: «Viele Medikamente, die ich ausprobiert habe, haben mir nicht geholfen. Einzig die Nebenwirkungen haben mich dann noch zusätzlich geplagt.» Damit sei mit dem neuen Migränemittel nun Schluss, erklärt Ionita: «Ein weiterer Vorteil von Aimovig: Es hat fast keine Nebenwirkungen.»
«Speziell für das Verhindern von Migräneattacken entwickelt»
Dem pflichtet Andreas Gantenbein (42) bei. Auch bei ihm haben sich viele Patienten nach dem Hoffnungsträger für Migränegeplagte erkundigt. Der neurologische Chefarzt der RehaClinic Bad Zurzach zählt weitere Vorteile auf: «Aimovig ist wirklich ein Durchbruch: Erstens in Bezug auf Verträglichkeit und Nebenwirkungen und zweitens, weil es speziell für die Migräneprophylaxe, das verhindern von Attacken, entwickelt wurde.»
Darauf hofft auch Monika Weichert. Sie hat deshalb ein Gesuch für Kostengutsprache bei ihrer Krankenkasse gestellt. Unter bestimmten Voraussetzungen können Krankenkassen die Kosten für Medikamente übernehmen, die nicht auf der Spezialitätenliste stehen. Doch dies muss im Einzelfall geprüft werden.
Mehr Lebensqualität
Das erste Gesuch der Zugerin wurde abgelehnt, ein zweites ist noch hängig. BLICK hat bei CSS, Helsana und Swica nachgefragt: Die Kassen haben Dutzende von Gesuchen erhalten – und alle bisher abgelehnt.
Die Zurückhaltung der Kassen überrascht nicht. Wirkt Aimovig bei einem Migräneopfer, kann die Behandlung schnell einige Hunderttausend Franken kosten. Neurologe Gantenbein hofft aber trotzdem, dass das Mittel bezahlt wird: «Die Behandlung mit Aimovig kostet viel Geld. Aber dem muss man die Einsparungen gegenüberstellen: weniger Kosten für Schmerzmittel und andere Medikamente, weniger Nebenwirkungen und weniger Ausfälle am Arbeitsplatz.» Die sozialen und wirtschaftlichen Kosten von Migräne sind enorm (siehe Box).
Studien belegen zudem die Wirksamkeit des Medikaments, wie Kopfwehspezialistin Ionita erklärt: «Bei der Hälfte der Probanden hat sich die Zahl der Kopfwehtage mindestens halbiert.» Das würde für ihre Patientin Monika Weichert bedeuten: Nur noch zwei anstatt vier Migräneattacken pro Woche – ein grosser Gewinn an Lebensqualität.