Darum gehts
- Domat/Ems GR öffnet ab Ostern eigene Strasse für Einheimische
- Touristen bleiben im Stau, Gleichbehandlung bleibt vor dem Vereina-Tunnel
- Wartezeiten beim Vereina-Autoverlad nur während 2 bis 3 Prozent der Betriebsstunden
Einheimische Autofahrerinnen und Autofahrer reiben sich die Hände! Ab Ostern haben sie in Domat/Ems GR endlich freie Fahrt. Die Gemeinde Domat/Ems öffnet extra eine eigene Strasse, auf der die Einwohnerinnen und Einwohner an der Stauschlange vorbeibrausen können. An all den Deutschen, Zürchern und Bernern vorbei. Die Touristen aber müssen weiterhin auf der Kantonsstrasse im Stau stehen. Das kommt im ganzen Kanton gut an. Und weckt neue Begehrlichkeiten.
Etwa vor dem Vereina-Tunnel. Besonders an Spitzentagen bilden sich vor dem Autoverlad lange Kolonnen. Nun fordern Einheimische in der «Südostschweiz» eine neue Schnellspur. Der Vorschlag: Einheimische, Pendler oder Lebensmitteltransporte sollen beim Autoverlad bevorzugt auf die Züge fahren können. Das soll vor allem den Alltag der Bevölkerung erleichtern.
Gleichbehandlung muss sein
Bei der Rhätischen Bahn (RhB), die den Autoverlad betreibt, ist die Problematik bekannt. Verschiedene Modelle wurden in der Vergangenheit geprüft, wie eine Sprecherin gegenüber der «Südostschweiz» erklärt. Etwa Reservierungen für bestimmte Zeitfenster oder eine kostenpflichtige «Fastlane». Letztlich habe man die Ideen aber wieder verworfen. Denn: Eine Bevorzugung einzelner Gruppen würde automatisch längere Wartezeiten für alle anderen bedeuten.
Zudem seien lange Staus eher selten. Laut RhB entstehen Wartezeiten nur während zwei bis drei Prozent der Betriebsstunden. In den meisten Fällen betrügen sie rund 30 Minuten. Grössere Probleme gebe es hauptsächlich an wenigen Spitzentagen im Winter. Zudem sei der Vereina-Autoverlad eine «rollende Strasse» und damit Teil einer überregionalen, nationalen und internationalen Verkehrsverbindung. Heisst: Die Gleichbehandlung aller Verkehrsteilnehmer muss gewährleistet bleiben.
Bald mehr Kapazität beim Verlad?
Für eine echte Entlastung gäbe es laut RhB nur eine Lösung: Mehr Kapazität beim Verlad. Doch ein Ausbau des Angebotes ist derzeit nicht geplant. Er wäre zu teuer und technisch schwierig umzusetzen. Deshalb setzt die Rhätische Bahn auch künftig bewusst auf Gleichbehandlung. Wer zuerst da ist, kommt zuerst auf den Autozug. An Spitzenzeiten müssen sich Einheimische also auch künftig hinter Zürcher und Deutschen auf den Wartespuren einreihen.