Darum gehts
Seit Jahren diskutieren National- und Ständerat über die hohen Löhne von Krankenkassen-Chefs. Jetzt dürfte sich das Parlament sogar auf eine gesetzliche Deckelung der Chef-Saläre und neue Transparenzvorschriften einigen. Trotzdem steigen die Löhne weiter.
Den grössten Lohnsprung macht Helsana-CEO Roman Sonderegger: Bei einem Plus von rund 200’000 Franken kratzte er mit 996’029 Franken an der Millionenmarke. Er ist kein Einzelfall – drei der zehn grössten Kassen zahlen ihren CEOs ein Millionengehalt. Das zeigt eine Beobachter-Auswertung der Geschäftsberichte.
Drei Topmanager mit einer Million
Die Ende 2025 abgetretene Chefin der CSS, Philomena Colatrella, konnte ihren Lohn nochmals steigern. Es ist der höchste je bezahlte Lohn für ein Spitzenamt bei einer Krankenkasse: 998’611 Franken. Sanitas-Chef Andreas Schönenberger, im Vorjahr Topverdiener, liegt jetzt «nur» noch auf Platz drei, obschon sein Lohn ebenfalls noch zugelegt hat und nun bei 982’506 Franken liegt.
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Wie lassen sich derart hohe Saläre rechtfertigen? Insbesondere ein Lohnsprung von 200’000 Franken? Helsana-Sprecher Tobias Lux sagt, der Anstieg stehe «eng im Zusammenhang mit der positiven Entwicklung des Unternehmens». Die Zahl der Versicherten in der Grundversicherung habe «deutlich» zugenommen, und das Zusatzversicherungsgeschäft sei um rund 100 Millionen auf 1,4 Milliarden Franken gestiegen. Die Helsana zahle auf allen Stufen der Unternehmensorganisation «attraktive, aber klar marktkonforme Löhne».
Steigerung innerhalb von zehn Jahren
Der Anstieg der Chefgehälter bei den Krankenkassen lässt sich seit Jahren beobachten. 2017 verdiente nur ein einziger CEO mehr als 700’000 Franken. Heute liegen sieben der zehn grössten Krankenkassen über dieser Schwelle. Den niedrigsten Lohn bezieht Atupri-CEO Caroline Meli mit 349’476 Franken.
Der Neuenburger SP-Ständerat Baptiste Hurni ärgert sich Jahr für Jahr über diese hohen Löhne. Es sei unerträglich, dass die Prämien der Grundversicherung dazu beitragen, exorbitante Löhne auszurichten. «Profitgier ist der Grund für die exzessiven Erhöhungen. So einfach ist das.»
Das sehen mittlerweile auch Bürgerliche so. Noch in der Herbstsession will das Parlament das Gesetz so anpassen, dass die Löhne auf einen Maximalbetrag begrenzt werden. Zur Diskussion steht etwa das Maximalgehalt des Bundespersonals (rund 400’000 Franken) oder der Bundesratslohn (rund 480’000 Franken). Die Krux daran: Der Lohndeckel betrifft nur jenen Teil des Salärs, der aus dem Geschäft mit der obligatorischen Grundversicherung stammt. Im Bereich der Zusatzversicherungen sollen die Cheflöhne nicht beschränkt werden. Nur dieser Lösung dürften auch bürgerliche Parlamentarier zustimmen, die in früheren Diskussionen eine Lohngrenze mit Verweis auf die Wirtschaftsfreiheit strikte ablehnten.
Der Trick an diesem Kompromiss: Die Kassen müssen die Saläre im Geschäftsbericht nur aufteilen. Stammen formal 60 Prozent des Lohns aus dem Zusatzgeschäft, bleibt das Millionensalär unangetastet. Der Anteil aus der Grundversicherung läge dann bei 400’000 Franken – genau unter dem gesetzlichen Deckel.