Darum gehts
- Swiss Re verbot Ende Juni Shorts für Männer im Büro
- Frauenkleidung wurde nicht erwähnt, was für Unmut bei Mitarbeitenden sorgte
- 2024 lockerte die ZKB als eine der letzten Banken ihren Dresscode
Schweizweit mussten viele in der Gluthitze der letzten Wochen in einem ungekühlten Büro schwitzen. Viele fragen sich, welche Kleidung angebracht ist. Deshalb verschickte Gianfranco Lot, Schweiz-Chef von Swiss Re, ein Mail an die hiesigen Angestellten des Rückversicherers mit Sitz in Zürich – mit Tipps, wie sie im Hitzesommer kühl bleiben können. Die Nachricht des Chefs kam nicht bei allen gut an, wie das Wirtschaftsportal Tippinpoint berichtet.
Manche männliche Mitarbeitende waren angesichts eines bestimmten Absatzes nicht erfreut: «Zieh dich bequem an, aber achte auf ein professionelles Erscheinungsbild. Leichte, atmungsaktive Stoffe (und an meine männlichen Kollegen gerichtet: Shorts are for weekends…).», heisst es laut dem Bericht im Mail. Zu Deutsch: Kurze Hosen sind nicht erlaubt, denn sie seien «fürs Wochenende». Kleidungsvorschriften für die Frauen gabs in der Nachricht keine. Eine Anfrage von Blick an den Rückversicherer blieb unbeantwortet.
Strikte Kleiderordnungen sind out
Die Ermahnung, sich anständig anzuziehen, kam auch schlecht an, weil es bei der Swiss Re gar keine offizielle Kleiderordnung gibt. Generell kennen nur noch wenige Schweizer Firmen im Versicherungs- und Bankenwesen strikte Kleiderordnungen, wie Anfragen von Blick bei grossen Vertretern ergeben haben.
Die Grossbank UBS hatte lange noch einen Leitfaden, der sich über mehr als 40 Seiten zog und sogar die Farbe der Unterwäsche vorschrieb. Seit 2019 müssen die Mitarbeiter der Grossbank aber nicht mal mehr mit Krawatte erscheinen. 2024 lockerte die Zürcher Kantonalbank (ZKB) als eine der letzten Banken der Schweiz ihren Dresscode. Nicht mehr der klassische Business-Look, sondern Chinos und weisse Turnschuhe wurden unisex zur Uniform. In der Hitze müssen sich die Kundenberater aber nicht strikt an die Kleidungsvorschrift halten: «An sehr warmen Tagen kann dieser situativ angepasst werden – beispielsweise, indem auf das Tragen eines Sakkos oder Blazers verzichtet wird», sagt ein Sprecher der Bank zu Blick.
Versicherungen setzen auf «Smart Casual»
Bei der Krankenkasse Helsana ist auch «Smart Casual» in Mode. «Die Kleidung soll professionell, respektvoll und auf die jeweilige Arbeitssituation abgestimmt sein», deklariert ein Mediensprecher gegenüber Blick. Der grösste Schweizer Krankenversicherer gibt dafür Empfehlungen im Hinblick darauf, welche Schuhe, Hosenlängen und Oberteile zum Büroalltag passen. «Es handelt sich dabei ausdrücklich um Leitplanken und nicht um verbindliche Vorschriften», so der Mediensprecher.
Helvetia Baloise differenziert zwischen den Bereichen, in denen die Mitarbeiter fungieren. «Zum Beispiel in den Bereichen Bank Baloise, im Asset Management oder im Unternehmenskundengeschäft wird eher auf formelle Kleidung Wert gelegt, während im Backoffice-Bereich oder bei der Privatkundenbetreuung durchaus auch Platz für legerere Lösungen sein darf», sagt ein Mediensprecher des Versicherungsanbieters zu Blick.
Eigenverantwortung gefragt
Vorschriften sind generell nicht mehr angesagt. Bei der Versicherungsgesellschaft AXA setzt man auf Eigenverantwortung: «Wir verzichten bei der AXA Schweiz auf einen Dresscode, da sich unsere Mitarbeitenden erfahrungsgemäss auch ohne verbindliche Kleiderregelung korrekt und gepflegt kleiden», erklärt eine Mediensprecherin gegenüber Blick.
Auch Raiffeisen Schweiz legt die Entscheidung in die Hände der Mitarbeitenden: «Wir vertrauen auf die Eigenverantwortung unserer Mitarbeitenden, sich angemessen zu kleiden», sagt ein Sprecher zu Blick. Lediglich bei den einzelnen Bankinstituten könne es verschiedene Regelungen geben, weil diese unabhängig agieren.