Darum gehts
- Der Klein-Preis-Shop im Fricktalcenter schliesst bis September 2026
- Grund: Mietvertrag endet, McDonald's plant Filiale mit Drive-In
- 1200 Unterschriften gegen Schliessung wurden von Betroffenen gesammelt
Seit über 20 Jahren steht das Fricktalcenter gleich neben der Autobahn A3. Im Einkaufszentrum wird von Lebensmitteln über Kleider, Schuhe und Tierbedarf alles verkauft. Von Anfang an dabei: der 1, 2, 3 Klein-Preis-Shop. Die meisten Produkte wie Bastel- oder Geschenkartikel kosten dort 1, 2 oder 3 Franken.
Doch damit soll bald Schluss sein. Der Mietvertrag des Klein-Preis-Shops wurde nicht verlängert. «Für uns, aber auch für die Region ist das ein herber Rückschlag», sagt Geschäftsführer Ferhat Teke (40) zu Blick. Per Ende September 2026 muss er die Ladenfläche räumen.
Besonders bitter: Der Shop soll einer neuen McDonald's-Filiale weichen. Statt Schmuck und Spielsachen zu günstigen Preisen gibt es künftig Fast Food für die Einkaufscenter-Besucher. Gegenüber Blick bestätigt die Gemeinde Frick, dass der Burger-Riese ein Baugesuch samt Drive-In eingereicht habe. Aktuell werde dieses von der Bauverwaltung geprüft. «Wir haben 20 Jahre lang hier unsere Existenz aufgebaut – und müssen nun den Amis weichen!», so Teke.
Mitarbeiterinnen mitgenommen
Doch Teke gibt nicht auf und will für seine Kundinnen und Kunden weiterkämpfen: «Wir haben viele Stammkunden, die regelmässig zu uns kommen.» Für diese sei die bevorstehende Schliessung besonders einschneidend. Ältere Damen kaufen im Klein-Preis-Shop beispielsweise ihre Strickwaren, Kinder decken sich mit günstigem Spielzeug ein. Zum Sortiment zählen auch Lose von Swisslos. «Die Lottospieler spielen lieber bei uns im Laden, als zur Tankstelle zu gehen», so der Geschäftsführer.
Teke übernahm den Klein-Preis-Shop vor zweieinhalb Jahren. Neben der Filiale in Frick gibt es weitere Filialen in Spreitenbach AG sowie in Olten SO. «Ich kämpfe für meine Fläche im Fricktalcenter», so der Geschäftsführer. Trotzdem hält er auch die Augen für weitere mögliche Verkaufsflächen offen.
Die beiden Verkäuferinnen im Klein-Preis-Shop nimmt die mögliche Schliessung sichtlich mit: «Wir arbeiten nur zu zweit in diesem Laden und haben ein sehr gutes Verhältnis zur Stammkundschaft.» Beide Frauen können es sich nicht vorstellen, in Zukunft in einer anderen Filiale zu arbeiten, unter anderem wegen des Arbeitswegs. «Und einen neuen Job zu finden im Alter von 60 Jahren, ist praktisch unmöglich», so die Mitarbeiterin, die bereits seit 14 Jahren im Center arbeitet. Zudem war die Filiale immer gut besucht: «Die Leute wissen halt, dass es bei uns wirklich gute und günstige Produkte gibt.»
Teke hat mehrfach versucht mit der Verwaltung des Gebäudes, der Tierstein AG, persönlich in Kontakt zu treten – doch vergeblich. «Auf meine Nachfrage nach dem Grund erhielt ich keine Auskunft», bedauert er. «Es ist eine Frechheit, wie wir als langjährige Mieter von der Verwaltung behandelt werden.»
Gegenüber Blick bestätigt die Tierstein AG, die die Verwaltung vor rund drei Jahren übernommen hat, dass wegen des Baugesuchs von McDonald's auf die bisherigen Mieter Änderungen zukommen. Mit einigen wurde bereits eine einvernehmliche Lösung gefunden.
Ungewissheit bei weiteren Läden
Ob die Mode-Boutique Vida im Center bleiben darf, ist noch unklar. «Unser Vertrag wurde nicht verlängert», sagt Geschäftsführer Mario Gisin. «Doch wir sind noch in Verhandlungen und sehr bemüht, eine Lösung zu finden.» Die Boutique ist seit zehn Jahren im Center vertreten. «Es würde uns sehr schmerzen, wenn wir gehen müssten», so Gisin weiter.
Auch Bayram Öztürk (61) kämpft weiterhin für seinen asiatischen Imbiss, der ebenfalls auf dem Areal des Einkaufszentrums steht. Er muss die Fläche bereits Ende Februar räumen.
Der Imbiss-Besitzer hat für eine Petition 1200 Unterschriften gegen den Bau des McDonald's gesammelt und bei der Gemeinde eingereicht, wie Blick bereits Mitte Dezember berichtete. Nun trifft er sich heute Mittwoch mit der Verwaltung vor der Schlichtungsbehörde. «Es entscheidet sich heute, ob wir bleiben dürfen», so Öztürk. Eine Alternative hat er bisher nicht gefunden. «Einen neuen Standort zu finden, ist sehr schwierig.» Die Zukunft seines Imbisses, den er seit zehn Jahren im Fricktalcenter betreibt, ist somit ungewiss. Jetzt liegt es an der Schlichtungsbehörde, wie lange er noch bleiben darf.