Wegen Trumps Pharma-Plan
Zahlen wir bald Hunderte Millionen Franken mehr für die Krankenkasse?

Der US-Präsident will die Medikamentenpreise in den USA senken. Der Plan könnte Schweizer Versicherte aber richtig teuer zu stehen kommen. Eine neue Studie zeigt, weshalb Pharmafirmen den Anreiz haben, die Preise wegen Trump zu erhöhen – auch in der Schweiz.
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Donald Trump will tiefere Medikamentenpreise für US-Amerikaner.
Foto: AFP

Darum gehts

  • Trump will US-Preise an die tiefsten Medikamentenpreise aus 19 Ländern koppeln, darunter die Schweiz
  • Eine Studie zeigt Anreize für Pharmafirmen, Preise in der Schweiz wegen der US-Regel zu erhöhen
  • Mehrkosten von Hunderten Millionen Franken könnten über höhere Prämien Schweizer Versicherte treffen
Nathalie Benn, RIngier
Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Die Vereinigten Staaten haben die höchsten Medikamentenpreise der Welt. Das ist US-Präsident Donald Trump (80) ein Dorn im Auge. Der Republikaner will, dass die Amerikaner künftig weniger für ihre Arzneimittel zahlen müssen. Dafür setzt er die Pharmaindustrie massiv unter Druck – auch die beiden Basler Pharmariesen Roche und Novartis. Etwa mit seiner Lieblingsdrohung: mit hohen Zöllen auf Medikamenten.

Trumps Pläne klingen für US-Patienten nach einer guten Nachricht. Für Schweizerinnen und Schweizer könnten sie die ohnehin jedes Jahr steigenden Krankenkassenprämien aber noch weiter in die Höhe treiben. Aufgrund der Drohgebärden aus dem Weissen Haus stehen hierzulande zusätzliche Medikamentenkosten von Hunderten Millionen Franken pro Jahr im Raum, wie SRF berichtet. Bezahlen müssten diese letztlich die Versicherten. Grundlage für diese Annahme ist eine neue Studie der ETH Zürich und der Universität Zürich.

Die Studie zeigt auf, weshalb Trumps Drohungen die Medikamentenpreise auch in der Schweiz erhöhen könnte.

Trump will die tiefsten Preise

Hintergrund ist Trumps sogenannte «Most Favored Nation»-Politik. Die Idee dahinter ist einfach: Die USA sollen für bestimmte Medikamente nicht mehr bezahlen müssen als das Land mit den günstigsten Preisen. Um das zu erreichen, will die US-Regierung die amerikanischen Preise an den tiefsten Medikamentenpreisen in 19 Referenzländern ausrichten. Zu diesen gehört auch die Schweiz.

Für Pharmakonzerne kann das teuer werden: Denn der US-Markt ist extrem lukrativ. Darf ein Hersteller wegen eines tieferen Medikamentenpreises in einem der Referenzländer in den USA weniger verlangen, drohen ihm dort Einnahmeverluste in Milliardenhöhe.

Das setzt die anderen Länder unter Druck. Für die Pharmariesen könnte es sich unter der trumpschen «Most Favored Nation»-Politik lohnen, ein neues Medikament in einem Tiefpreisland gar nicht anzubieten, um den Preis in den USA nicht zu drücken. Das ist gerade für die Schweiz als eher kleines Land eine reale Gefahr.

Die Folge könnte ein teurer Teufelskreis sein: Will ein Land den Patienten Zugang zu neuen, innovativen Medikamenten sichern, muss es höhere Preise akzeptieren. Oder anders ausgedrückt: Kein Land möchte jenes mit den tiefsten Preisen sein – und damit den Zugang der Bevölkerung zu neuen Arzneimitteln riskieren. Es droht ein internationaler Preiskampf, bei dem sich die Länder gegenseitig hochschaukeln: «Die Länder könnten sich gegenseitig mit höheren Preisen überbieten», warnt Studien-Autorin Kerstin Vokinger gegenüber SRF.

Schweizer Pharma fordert bereits jetzt höhere Preise

Dass Trumps Druck nicht bloss theoretisch ist, zeigt sich schon jetzt. Die Pharmabranche wirbt beim Bund schon länger für höhere Preise. Und das mit viel Nachdruck. «Wir wollen höhere Pharmapreise als die USA», soll es in einem an den Bund adressierten Forderungskatalog heissen, wie Blick bereits im Februar berichtete. Wirtschaftsminister Guy Parmelin (66) und Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider (62) haben eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen – mit dem Ziel, die «bestmöglichen Rahmenbedingungen» für Lifesciences und Pharmaindustrie in der Schweiz sicherzustellen.

Die gute Nachricht: Noch ist Donald Trump nicht über Drohungen hinausgegangen. Ob er die «Most Favored Nation»-Politik überhaupt umsetzt, steht noch in den Sternen. Zudem spielt die Schweiz laut Studie bei der amerikanischen Preisberechnung derzeit keine entscheidende Rolle. Am häufigsten war Südkorea das Land mit dem tiefsten massgeblichen Referenzpreis, gefolgt von Norwegen und Australien.

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