Knatsch wegen Rega-Basis in Kägiswil
«Dann müssen wir die Flugschulen liquidieren»

Sportflieger in Kägiswil OW bangen um ihre Zukunft: Sie müssen per Ende September den Flugbetrieb einstellen. Ein Flugverein hat Beschwerde eingereicht – doch die Zeit wird knapp. Ein Ex-Luftwaffenchef bangt um die wichtige Ausbildungsstätte.
Kommentieren
1/8
Die Hobbyfliegerei auf dem Flugplatz Kägiswil steht vor dem Aus.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Flugplatz Kägiswil OW schliesst Ende September wegen auslaufendem Baurechtsvertrag
  • Rega plant Verwaltungsgebäude, bringt 200 Jobs und 100 Millionen Franken Investitionen
  • 25 Flugzeuge betroffen, nächste freie Hangars 2,5 Stunden entfernt in La Chaux-de-Fonds
RMS_Portrait_AUTOR_377.JPG
Martin SchmidtRedaktor Wirtschaft

Die Zentralschweiz hat eine grosse Fliegertradition. Hier gab es einst eine hohe Dichte an Armeeflugplätzen und hier liegen Hauptsitz und das grösste Werk der Pilatus-Flugzeugwerke. Seit 60 Jahren ist der Flugplatz Kägiswil OW ein wichtiger Standort für die Ausbildung von Piloten und die Sportfliegerei – doch sie dürfen nur noch bis Ende Monat abheben. Dann läuft auf dem ehemaligen Militärflugplatz der Baurechtsvertrag mit der Grundeigentümerin Armasuisse aus. Die Rega will hier ihr neues Verwaltungsgebäude samt Wartungsbasis bauen.

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) hat das Gesuch für eine dauerhafte zivile Umnutzung des Flugfeldes abgelehnt. Doch die Vereine geben nicht auf. Die Fluggenossenschaft Obwalden (FGOW) hat beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die Bazl-Verfügung erhoben, wie einer Medienmitteilung zu entnehmen ist. 

«Dann müssen wir die Flugschulen liquidieren»

«Wird in Kägiswil der Flächenflugbetrieb eingestellt, dann müssen wir die Flugschulen liquidieren und den Piloten sagen, sie müssen ihre Ausbildung an einer anderen Flugschule abschliessen», sagt Bernhard Müller (69), Vizepräsident der FGOW, zu Blick. Müller weiss um die Bedeutung der Sportfliegerei. Er war von 2018 bis 2021 Kommandant der Schweizer Luftwaffe. 

In Kägiswil gibt es drei Flugschulen mit 25 Fluglehrern und 30 Pilotenanwärtern. «Die Flugschulen leisten einen wichtigen Beitrag für die Ausbildung des Pilotennachwuchses», sagt er. Eine der Schulen steht nur Angestellten der Pilatus-Flugzeugwerke mit Hauptsitz in Stans NW offen.

«200 hoch qualifizierte Arbeitsplätze»

Der Konflikt um die künftige Nutzung des Flugplatzareals spaltet die Gemüter in der Region: Auf der einen Seite steht die wirtschaftlich hochinteressante Ansiedlung der Rega, die «200 hoch qualifizierte Arbeitsplätze» bringt und «Investitionen von 100 Millionen Franken in Obwalden» auslöst, wie Regierungsrat Josef Hess (65) auf Anfrage ausführt. «Sowohl die Regierung als auch eine Mehrheit des Kantonsrats ebenso wie die Standortgemeinde Sarnen als auch die Nachbarn begrüssen daher die Ansiedlung», schreibt er. 

Auf der anderen Seite steht die lange Tradition der Sportfliegerei, welche in der Bevölkerung ebenfalls grossen Rückhalt geniesst. So sagte das Stimmvolk in einer Volksabstimmung 2013 deutlich Nein zum Kauf des Areals für einen anschliessenden Rückbau. Der Kanton wollte das Flugfeld damals im Rahmen von Kompensationsmassnahmen für die Landwirtschaft zurückbauen.

Nächster freier Hangar ist zweieinhalb Stunden entfernt

Hess verweist zudem darauf, dass sich im Umkreis von 15 Kilometern rund um Kägiswil mit Alpnach und Buochs zwei weitere Flugplätze befinden. «Das Vorhandensein von drei Flugplätzen auf so engem Raum wird von grossen Teilen der Bevölkerung nicht verstanden», schreibt er. Im Radius von 90 Autofahrminuten entfernt befinden sich insgesamt 25 Flugplatzanlagen. 

Doch Alpnach ist ein Militärflugplatz und auch nach Buochs können die Vereine nicht ausweichen, da dort keine zivilen Fluggruppen zugelassen werden. «Die nächsten Flugplätze wären Triengen, Beromünster und Huttwil, aber dort hat es keinen Platz für uns», so Müller. Die Vereine verfügen über insgesamt 25 Flugzeuge – und Hangarplätze sind absolute Mangelware. «Der nächste freie Hangar liegt in La Chaux-de-Fonds. In der Zentralschweiz gibt es keinerlei Optionen», so Müller. Doch La Chaux-de-Fonds NE ist mit dem Auto rund zweieinhalb Stunden entfernt. Deshalb hoffen die Vereine nach wie vor auf eine Mischnutzung in Kägiswil – neben der Rega, für die ab 2030 am Flughafen Zürich kein Platz mehr ist. Doch die Hoffnung schwindet. 

Grundeigentümer gaben den Ausschlag

Die Rega sagt auf Anfrage, man habe jedes Flugfeld in der Schweiz als möglichen Standort für den neuen Hauptsitz eingehend geprüft. Die Wahl fiel klar auf Kägiswil. 

Gegen eine Mischnutzung spricht gemäss Kanton der erhöhte Landverbrauch. Und insbesondere die fehlende Zustimmung der Grundeigentümer und Anstösser für die Flächenfliegerei. Auf die zwei Einsprachen verwies auch das Bazl beim negativen Bescheid über die Ablehnung für eine Umnutzung des Flugplatzes. 

Bei der FGOW schätzt man die Sachlage anders ein. «Das Einspracheverfahren ist nach unserer Einschätzung nicht korrekt verlaufen. Wir bestreiten auch, dass die Grundeigentümer überhaupt eine Einwilligung abgeben müssen, da diese in einem Vertragsverhältnis zu uns stehen oder im Grundbuch Dienstbarkeiten eingetragen sind», so Müller. Die aktuelle Beschwerde hat keine aufschiebende Wirkung. 

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen