Die Autowelt spricht vom «AI-defined vehicle». Erklären Sie.
Das ist genau das Problem. Die Industrie sucht eine klare Definition.
Wie bitte? KI als reines Marketingtool?
Die Autobranche will nicht abseitsstehen beim KI-Hype. Entweder wird KI etwa ins Infotainment oder in Assistenzsysteme gepackt. Oder, deutlich radikaler, das Auto wird als kleiner Teil eines riesigen physischen KI-Systems verstanden. Es geht um eine zentrale Plattform – Computer, Software, Daten –, auf der dann Autos, Roboter oder gar Flugtaxis aufgebaut werden. Das sehen wir in China bei Herstellern wie Xpeng oder auch bei Tesla.
Dieser Artikel wurde im dem Magazin «Bilanz» veröffentlicht. Weitere spannende Artikel finden Sie unter www.bilanz.ch
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Ersteres scheint mässig innovativ.
Das kommt darauf an. Hier geht es vor allem um Funktionen. Der Fahrer trägt zum Beispiel eine Jacke, im Auto ist es heiss. Das Auto erkennt das über eine Innenraumkamera und fragt proaktiv, ob es die Temperatur senken soll. Oder bei der Fahrerassistenz: Algorithmen ermöglichen autonomes Fahren auf Level 2+, auf dem man die Hände auf gewissen Strecken zeitweise vom Lenkrad nehmen darf. Damit lässt sich Geld verdienen.
Durch Abo-Modelle?
Ja, das versucht Tesla, aber auch chinesische Hersteller. Funktionen der im Auto integrierten Hardware werden gegen Bezahlung freigeschaltet. Das ist wie bei Nespresso: günstige Kapselmaschine, teure Kapseln.
Wer gewinnt das KI-Rennen?
In Europa ist im Vergleich zu China erstaunlich wenig KI im Einsatz. Auch im Bereich der Fahrerassistenzsysteme zieht China vorbei. Chinesische Autos nach Europa zu bringen, ist aber auch nicht so einfach.
Weshalb?
Die Cloud-Infrastruktur, auf der die KI-Dienste in China laufen, lässt sich in Europa oft gar nicht nutzen. Zudem sind Europäer nicht bereit, Unsummen für solche Systeme zu bezahlen.
Was sind die Folgen für europäische Autobauer und Zulieferer?
Früher haben Autobauer ihre Assistenzsysteme etwa bei Bosch gekauft, heute wenden sie sich direkt an Chiphersteller wie Qualcomm und holen sich die Kontrolle über die Systeme zurück. Zulieferer werden zwar weiterhin für die Industrialisierung der Systeme gebraucht, müssen aber neue KI-Kompetenzen aufbauen und in ihre Prozesse und Produkte integrieren.