Horrorjahr für Partners-Group-Gründer
Das Milliardenimperium von Fredy Gantner steckt in der Krise

Das Unternehmen war lange die erfolgreichste ­Gründerstory auf dem Finanzplatz. Doch 2026 wird zum ­Horrorjahr. Besonders gefordert: die Zugmaschine Fredy Gantner.
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Partners-Group-Co-Gründer Fredy Gantner.
Foto: ANTHONY ANEX

Darum gehts

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Dirk Schütz
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Das Comeback war nicht geplant. Eigentlich hatte Fredy Gantner, Co-Gründer des Zuger Private-Equity-Hauses Partners Group, die Investorenpflege längst hinter sich gelassen. Doch jetzt, nach dem dramatischen Kurssturz vom Frühjahr, traf er sich nach 15 Jahren wieder mit den Vertretern der Anlagewelt von Blackrock bis UBS. Gegen 40 Treffen absolvierte er zwischen New York, London und Zürich. Das Motto: Von Shareholder zu Shareholder – I share your pain.

Wie seine beiden Co-Gründer hält er noch immer mehr als 5 Prozent der Aktien, mehr als jeder andere Investor, und auch dieses Paket hatte 30 Prozent verloren – gegen 600 Millionen Franken.

Artikel aus der «Bilanz»

Dieser Artikel wurde im dem Magazin «Bilanz» veröffentlicht. Weitere spannende Artikel finden Sie unter www.bilanz.ch

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RMS

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Es lief gut. Nach dem Tiefpunkt Ende Juni von 640 Franken zog der Kurs über die heissen Sommerwochen wieder um 20 Prozent an. «Fredy’s Magic Touch», frohlockten die Mitarbeiter, viele mit satten Aktienpaketen ausgestattet.

Doch dann kam der 1. September, die Verkündung der Halbjahreszahlen – und die Aktie fiel wie ein Stein. Die Führung war ratlos. Gewiss, die Performance-Zahlen waren nicht gut, da hatte das Haus einmal mehr kommunikativ nicht geglänzt – angekündigt war noch Mitte Juli ein Ertragsanteil der Performance Fees «im unteren Bereich der kommunikativen Bandbreite von 25 bis 40 Prozent», neu wurde die Bandbreite gerade sechs Wochen später auf «20 bis 25 Prozent» gesenkt. Trotzdem waren selbst die Gründer überrascht von der Schärfe des Ausverkaufs. Die Aktie fiel auf den tiefsten Stand seit neun Jahren. Die Botschaft: Das ist keine normale Korrektur mehr. Es geht tiefer.

Die Aktie der Partners Group im Vergleich.
Foto: BILANZ

Zum ersten Mal spürt die erfolgsverwöhnte Mannschaft, wie hart es ist, wenn sich das Börsenmomentum gegen ihre Aktie dreht. Lange konnte die Partners Group nichts falsch machen. Jetzt kann sie nichts richtig machen. Gewiss, die gesamte Branche leidet. Die hohen Zinsen in den USA drücken, viele Assets wurden zu teuer gekauft, lukrative Exits sind schwierig. Aber die lange so erfolgsverwöhnte Partners Group leidet besonders. Im Horrorjahr 2026 ist sie mit einem Minus von mehr als 30 Prozent mit Abstand der schlechteste Wert im SMI. In diesem Jahrzehnt weist sie unter den grossen kotierten Private-Equity-Playern von Blackstone bis ICG die schlechteste Performance auf: Wer zu Beginn 2020 investierte, hat kein Geld verdient. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis, zentrale Kennziffer der Börsenwelt, befindet sich auf dem tiefsten Stand seit 2012.

«Stöckli» nennen sie im siebenstöckigen Hauptbau ihrer neuen Campus-Anlage in Baar die oberste Etage, auf der die drei Gründer, der VR-Präsident und der CEO ihre Büros haben. Der Terrassenbau ist luftig offen konzipiert und mit den zwei angrenzenden Backsteinbauten verbunden. «Built different to build differently», heisst es in grossen weissen Lettern über dem Haupteingang. Doch die Hierarchie ist noch sehr klassisch – die Chefs sitzen oben. Dass sie ein eigenes Restaurant haben, wie die bei den erfolgsverwöhnten Milliardären besonders gehässige Gerüchteküche wissen will, stimmt jedoch nicht – die «Greenery» ist eine Lounge, die von allen Teamleitern gebucht werden kann, was allerdings nicht so oft vorkommen soll.

Nimbus hat gelitten

Das Gebäude ist vor allem Gantners Werk: Von den drei Gründern hat er sich hier am stärksten eingebracht. Freude an Architektur hatte er schon immer, sein parkähnliches Anwesen auf 35’000 Quadratmetern in Meggen am Vierwaldstättersee gilt als beeindruckendste private Wohnstatt der Schweiz. Die niederländische Gartenbau-Koryphäe Piet Oudolf, Entwickler der Touristenattraktion «High Line» in New York, eines Stadtgartens auf einer Hochbahntrasse, konzipierte Gantners Park – und auch das künstlerische Grün-Konzept des Neubaus in Baar.

«Es ist mehr als ein Gebäude – es ist die physische Expression der Partners-Group-DNA», heisst es auf dem Deckel des Bildbandes, der am Empfang ausliegt. Die 40 Bäume für die Anlage suchte Gantner zusammen mit Oudolf persönlich aus – ein Foto zeigt ihn, wie er mit seinem Gürtel beim Umfang eines Baums genau Mass nimmt.

Der Partners-Group-Hauptsitz in Baar.
Foto: PR

Und hier, in seinem Büro mit weitem Blick über das Zugerland, kämpft der 58-Jährige um sein Lebenswerk. Im Büro hat er das BILANZ-Cover von 2021 stehen mit dem Titel «Big Fredy», seine Kinder haben es mit lobenden Zusprüchen verziert. Krisen hat er einige erlebt, von 2008 bis zur Pandemie, und auch jetzt gibt er sich gelassen-kämpferisch. Es ist keine Existenzkrise für seine Firma, dazu sind die Kennzahlen noch immer zu gut: Rekord-Neugeldzufluss, mehr als eine Milliarde Gewinn in diesem Jahr, eine rekordhohe Dividendenrendite von 7 Prozent. Und ja: Viele Jahre liefen die Aktien besser als die Konkurrenzpapiere, und Gantner hat wie seine Co-Gründer den Spitzenkurs von 1400 Franken, mehr als doppelt so viel wie heute, immer als Übertreibung taxiert. Unbestritten bleibt: Der Mann, aufgewachsen in einer Wohnung im fünften Stock eines 15-stöckigen Hochhauses im aargauischen Neuenhof in einem reformierten Elternhaus mit knapper Kasse, hat zusammen mit seinen beiden Co-Gründern Urs Wietlisbach und Marcel Erni die grösste Erfolgsstory der jüngeren Schweizer Wirtschaftsgeschichte geschrieben. Doch ums Geld geht es schon lange nicht mehr, in ihren Vermögenshöhen nördlich von zwei Milliarden Franken zählt nur eines: der Nimbus. Und der hat gelitten. Denn eines wollen die Partners-Group-Granden partout nicht: in der Finanzwelt als Loser dastehen.

So bleibt die grosse Frage: Warum hat es gerade ihre Firma so stark getroffen? Gegen 20 Prozent verloren die grossen Private-Equity-Firmen in diesem Jahr. Doch eben – bei der Partners Group waren es über 30 Prozent. Ein Grund: Das langjährige Erfolgsmodell ist massiv unter Druck geraten. Die Gründer, zuvor alle bei dem Zürcher Ableger von Goldman Sachs tätig, waren keine begnadeten Dealmaker wie die amerikanischen Private-Equity-Granden, sondern kamen aus dem Verkauf und der Anlageberatung. Sie machten aus der Not eine Tugend: Sie entwickelten eine Strategie, Private Equity für Privatinvestoren salonfähig zu machen. Das Besondere daran: Fonds, die schnell kündbar waren. Während die institutionellen Investoren ihre Private-Equity-Investments traditionell über mehrere Jahre nicht abziehen konnten, entwickelte die Partners Group Fonds mit schnellem Ausstieg – Evergreens hiessen die Produkte, mit denen sie in den USA bis zu zwei Dritteln des Retailmarkts für Private Equity dominierten. Dazu kam eine grosse Komplexität: Die verschiedenen Beteiligungen wurden individuell verpackt, um Kunden massgeschneiderte Lösungen zu bieten, heute betreut die Firma mehr als 350 Anlagevehikel, deutlich mehr als die Konkurrenz.

Das Problem: Die schnelle Kündbarkeit machte die Partners Group besonders anfällig, als die Performance absackte. Die ganze Industrie hat in den Jahren 2021 und 2022 zu hohe Preise bezahlt für ihre Investments, doch jetzt wurde die Firma für ihr deutlich grösseres Exposure in den Evergreen-Fonds – fast ein Drittel der 185 Milliarden Dollar an verwalteten Vermögen – besonders stark abgestraft. Es begann mit einem «Financial Times»-Artikel Anfang März («Partners loses its edge»), kritische Berichte bei Bloomberg folgten, und dass dann der Shortseller Grizzly die Partners Group Ende April mit der deutschen Pleitefirma Wirecard verglich, erhöhte den Druck.

Es war zweifellos eine Übertreibung – Wirecard hatte Luftbuchungen von fast zwei Milliarden Euro in der Bilanz, bei der Partners Group geht es primär um branchenübliche Bewertungsdifferenzen. Doch die schlechte Kommunikation tat ihr Übriges, die Medienabteilung war überfordert, die Chefin musste gehen. Zudem: Die Saga hört nicht auf. Die Deutsche Bank etwa stufte ihre Einschätzung noch Mitte August, fast sechs Monate nach Beginn des Kurseinbruchs, herunter, weil die «Erholung der Evergreen-Fonds länger dauert». Besonders symbolhaft ist da das Investment mit der grössten Strahlkraft: Breitling. Mit 4,2 Milliarden Franken bewertete die Partners Group die Uhrenfirma Ende 2022, Gantner investierte auch privat 100 Millionen, übernahm das Präsidium und unterzog sich einem Makeover: Er nahm massiv ab und kleidete sich neu casual-modisch. Zwar bestreitet er, dass Erni gegen das Investment war. Doch ein Fan war Gantners Mitstreiter kaum. «Er ist eben der Boss», soll er in kleinem Kreis gesagt haben. Gantner gab dann auch bei einer geschlossenen Veranstaltung offen zu, dass er zu viel für Breitling bezahlt hat.

Harte Zielmarke

Belastend für die Uhrenmarke: Sie wird ohne ihr Verschulden in den Strudel gezogen. Denn angesichts der Krise im mittleren Marktsegment hält sich Breitling gut, und mit den Marken Universal Genève und Gallet hat Firmenchef Georges Kern neue Wachstumstreiber kreiert. Er liefert – das Problem sind die harten Zielmarken der Private-Equity-Branche: das Zwei- bis Dreifache des Investments nach fünf bis sieben Jahren. Kann die Breitling-Gruppe gegen zehn Milliarden Franken wert sein?

Breitling-Duo: Georges Kern (l.) und Fredy Gantner.
Foto: @dancer_phot @breitling @partnersgroupglobal @georgeskern @fredygantner

Neben den Performance-Problemen gibt es aus Börsensicht ein weiteres Problem: die Struktur. Schon seit Jahren versuchen die Gründer, mit Gantner vorneweg, die Firmenführung als Teamleistung darzustellen. Das mag auf Arbeitsebene funktionieren, doch bei den grossen Entscheidungen liegt die Macht noch immer eindeutig bei den Gründern. «Sie entscheiden noch immer fast alles», sagt ein langjähriger Wegbegleiter. Nur vier der acht Verwaltungsräte gelten als unabhängig, die tiefste Quote im SMI – neben den drei Gründern amtet der ehemalige CEO Steffen Meister als VR-Präsident. Gantner und Erni sind beide Mitglied des zentralen Investment Oversight Committee, das die grossen Anlageentscheide absegnet. Erni kümmert sich dabei vorrangig um die Neuakquise, Gantner kontrolliert das bestehende Portfolio von gegen 100 Firmenbeteiligungen.

Da verblasst die Führungsriege. Dass der Abtritt des CEO David Layton mit der korrigierten Guidance am 1. September kommuniziert wurde, heizte die Spekulationen an, er sei am Kapitalmarkt nach dem Einbruch verbrannt. Die Wahrheit ist zwar weniger dramatisch: Der Rücktritt war seit Jahresbeginn geplant, die beiden – ebenfalls praktisch unbekannten – Nachfolger Juri Jenkner und Roberto Cagnati, beide seit 22 Jahren im Haus, standen in den Startlöchern. Aber einmal mehr: keine geglückte Kommunikation.

Unantastbar

Gesehen hat die heimische Öffentlichkeit den Amerikaner Layton ohnehin fast nie. Er führte die Firma von Denver aus, wo die Partners Group ihren US-Campus unterhält. Gewiss, in seinen acht Jahren an der Spitze verdoppelte er die Assets under Management. Doch die Performance-Probleme kamen vor allem aus den USA, und am Kapitalmarkt war er das Gesicht der Krise. Dennoch erhielt er als Chief Investment Officer eine neue Schlüsselrolle. Nach aussen wirkt Gantner oft hart bis ruppig. Aber die langjährigen Verbindungen tief in die Firma hinein fördern nicht immer eine scharfe Performance-Kultur. Intern umstritten ist zum Beispiel der Private-Equity-Chef Wolf-Henning Scheider, der frühere CEO des deutschen Autozulieferers ZF Friedrichshafen. Gantner ist begeistert von dem 64-Jährigen, zusammen mit der Infrastruktur-Chefin Esther Peiner kontrollieren sie die Performance. Doch im Mittelbau eckt Scheider oft an, der Ex-Ringier-CEO Christian Unger verliess etwa das Unternehmen, nachdem Scheider seinen Bereich übernommen hatte. Doch die «Friends of Fredy» sind intern unantastbar. Dass die formale Struktur – Gantner ist nur einfaches VR-Mitglied – nicht die wahre Machtstruktur abbildet, ist aus Börsensicht ein Malus.

Kommt hinzu: Gantner gilt zwar als starker Mann, aber ist derzeit an anderen Fronten gefordert wie nie. Zwar will er von einer angeblichen Ablenkung nichts wissen – 100 Prozent seiner Arbeitszeit widme er seiner Firma, betont er, fügt aber süffisant hinzu: gemäss Schweizer Arbeitspensum. Das heisst: Die Überzeit gehört den anderen Aktivitäten. Es ist ein sehr spezieller Mix. Er darf derzeit wohl als die umstrittenste, aber auch erfolgreichste Person der Schweizer Politik gelten. Mit viel Kraft und Geld mischt er sich mit seinen Mitstreitern in die Politik ein. Mit seiner Initiative «Kompass Europa» ist er der gewichtigste Gegenspieler des eingefahrenen Berner Politbetriebs. Er ist eine Art neuer Blocher, aber deutlich unberechenbarer. Auch der SVP-Übervater stieg als Milliardär in die Politik ein und investierte grosse Summen in seine Herzensanliegen. Doch er ging den institutionalisierten Weg: Parteiaufbau im Kanton, Nationalrat, Bundesrat. Gantner dagegen hält sich bewusst abseits der Institutionen, weil er sich mit seinen Positionen zwischen Mitte und SVP mit zuweilen sogar Anleihen bei der SP nicht parteipolitisch festlegen will, vor allem aber, weil die zähen Abläufe und taktischen Ränkespiele der Parteipolitik dem schnell getakteten Dealmaker zuwider sind. So bleibt er an der Seitenlinie, mit vielen Millionen und einer grossen Gefolgschaft, und verschreckt damit das Berner Establishment. Es ist die Schweizer Version der Oligarchen-Angst – Milliardäre kaufen die Politik. Der Bundesrat ist zwar beim EU-Vertragswerk zerstritten, tritt nach aussen aber für das Abkommen ein. Da ist der grosse Gegner Gantner mit seinem Leistungsausweis und seiner Gefolgschaft unheimlich.

Was die Lage noch vertrackter macht: Bundesbern braucht ihn. Es war eine sehr spezielle Volte, dass ausgerechnet Gantner nach dem Versagen der Politik den US-Zollstreit lösen musste. Die scheidende Seco-Chefin Helene Budliger meldete sich nach dem legendär entgleisten Telefonat von Finanzministerin Karin Keller-Sutter mit Trump bei Gantner, weil sie von dessen exzellenten US-Kontakten wusste, auch über den ehemaligen Berner US-Botschafter Ed McCullen, der in einer von der Partners Group kontrollierten Firma im Verwaltungsrat sitzt. Gantner entwarf mit seinem Mitstreiter Erni in kurzer Zeit eine Verhandlungsstrategie zur Reduzierung des Handelsdefizits. Das legendäre Oval-Office-Treffen vom 4. November 2025 kam dann nur als Notlösung zustande, Gantner war anfänglich dagegen. Das Problem war, dass Trump ein Treffen mit Keller-Sutter ablehnte, sich die Finanzministerin aber weigerte, ihrem Vize Guy Parmelin den Vortritt zu lassen (das Finanzdepartment bestreitet diese Darstellung). So blieben die Milliardäre – nur sie akzeptierte Trump auf Augenhöhe.

Sie planten den Auftritt minutiös, inklusive der Goldbarren- und Rolex-Geschenke, die sie genau absprachen, mit Regierungskreisen, inklusive den von Stäben Parmelin. Die Bestechungsvorwürfe gehen deshalb ins Leere, dennoch gab es eine Strafanzeige von zwei grünen Nationalräten wegen Korruption, die Untersuchung läuft noch. Er kämpfte für sein Land – und am Ende steht eine Strafanzeige. Noch heute stellt er die Kontakte zu den US-Spitzen her – für den Finanzminister Scott Bessent, Finanzmilliardär wie Gantner, ist er angeblich der erste Ansprechpartner.

Legendäres Treffen im Oval Office.
Foto: MSC; ROLEX; PARTNERS GROUP; MERC

Auch zum Handelsbeauftragten Jamieson Greer ist der Draht eng: Sie kannten sich vor den Verhandlungen nicht persönlich, aber Greer ist wie Gantner Mormone. Der Partners-Group-Gründer wurde mit 21 Jahren von seinem Schwager an den mormonischen Glauben herangeführt und traf in seiner neuen Kirche in Wettingen AG auf Cornelia Bose, die seit Kindesbeinen den Glauben praktizierte. Sie studierten in den USA und heirateten. Heute sind die fünf erwachsenen Kinder ausgezogen. Gebetet wird noch immer jeden Tag, sonntags leistet das Paar in der Gemeinschaft Bibelstunde. Ein gemeinsamer Bekannter gleichen Glaubens stellte die Nähe zu Greer her. Derartige Kontakte zu der Oligarchen-Regierung im Weissen Haus hat in der Schweiz niemand.

Aber eben: All das absorbiert Zeit. «Bei der Partners Group brennt die Hütte, und die drei Gründer springen anderswo herum», kritisiert ein Firmenchef, der Gantner und Wietlisbach gut kennt. Wietlisbach provozierte im April einen Eklat, als er als Gastgeber im Auditorium des Hauptsitzes die Zuger FDP-Spitze mit dem Ständerat Matthias Michel und auch Bundesrat Ignazio Cassis scharf angriff, «unflätig» waren noch die positiveren Einschätzungen.

Der dritte Gründer Erni, der die Öffentlichkeit am stärksten meidet, trat Ende Mai vor 1700 Anhängern an einer «Kompass Europa»-Veranstaltung in Dübendorf auf und nannte die Demonstranten vor Ort «huere Clowns», das Abkommen mit der EU sei ein «Scheissvertrag». Es ist das Selbstbewusstsein von Männern, die im Leben alles erreicht haben – fast eine trumpsche Milliardärslogik, betont ein Firmenchef, der eng mit Partners Group zusammenarbeitet. «Du bist entweder für oder gegen sie, dazwischen gibt es für sie nichts.»

An der Veranstaltung in Dübendorf reagierte Gantner staatsmännisch, als ein Demonstrant ihn mit «Hey, Gantner, du bist Milliardär» beschimpfte. «Meine Frau und ich haben 90 Prozent unseres Vermögens an Stiftungen vermacht», erwiderte Gantner. Es war das erste Mal, dass er sich so offen zu dieser Frage äusserte. «Und ich kann nicht für alle Milliardäre reden, aber ich versuche als engagierter Bürger, etwas zurückzugeben von dem vielen Glück, das ich gehabt habe im Leben.»

Kaufgelegenheit

Seine Firma wird auch diese Krise überstehen, dazu ist das Fundament zu solide. «Die Investoren wenden einen speziell starken Risiko-Abschlag auf die Partners-Group-Aktie an», befanden unlängst die ZKB-Analysten in einer grossen Studie, in der sie aufzeigten, dass Branchenprobleme die Firma zuletzt deutlich stärker trafen als die Konkurrenz. Dafür gebe es «keine fundamentale Rechtfertigung».

So sieht es auch Gantner. Der tiefe Kurs seines Lebenswerks ist für ihn vor allem eines: eine Kaufgelegenheit.

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