Darum gehts
- Auf einem Gewerbedach in Baden AG entstehen ab 2027 acht Minihäuser
- Jedes Wikkelhouse kostet ab 200'000 CHF, plus Transport- und Montagekosten
- Investor Schoop plant weitere Projekte, darunter Sanierungen historischer Hotels
Wohnraum ist knapp in der Schweiz, bezahlbarer sowieso. Verdichtetes Bauen ist eine der möglichen Lösungen des Problems, reicht alleine aber nicht. Auch unkonventionelle Ansätze sind gefragt. Warum nicht all die Dachflächen von Gewerbeliegenschaften zum Wohnen nutzen, die in der Schweiz brachliegen? Der Vorteil: Die Liegenschaften sind komplett erschlossen, liegen meist verkehrsgünstig – und benötigen kein zusätzliches Bauland.
Ähnliche Überlegungen hat sich wohl auch Immobilieninvestor Christoph Schoop gemacht. Er plant in Baden AG auf dem Dach eines Gewerbegebäudes mit McDonald's und Spar-Filiale eine kleine Siedlung, wie die «Aargauer Zeitung» berichtet. Auf dem Dach der nüchternen Gewerbeliegenschaft will er eine kleine Siedlung mit Holzhäusern bauen. Acht sogenannte «Wikkelhouses» sollen schon ab 2027 dort stehen.
Jedes Häuschen hat eine eigene Terrasse
Geplant sind acht 1,5-Zimmer-Häuser mit 30 bis 35 Quadratmetern Wohnfläche – sie richten sich vor allem an Menschen, die wenig Wohnfläche benötigen und gerne minimalistisch leben. Vor allem an Singles oder Paare ohne Kinder. Dank hoher Decken von bis zu 3,5 Metern sollen die Holzhäuschen innen aber trotzdem grosszügig wirken. Jedes Haus erhält zudem eine eigene Terrasse. Praktisch und kostensparend: Zu den Häuschen gehts über das bestehende Treppenhaus und den Lift des Gewerbehauses.
Gebaut werden die Minihäuser nicht vor Ort, sondern in der Tiny-House-Fabrik von Schoop in Flüelen UR am Ufer des Vierwaldstättersees. Dort entstehen die modularen Holzbauten grösstenteils aus Schweizer Holz. Ein Wikkelhouse gibts ab Werk für 200’000 Franken, dazu kommen noch die Kosten für Transport und Montage.
Derzeit liegt eine Bauanfrage für das Projekt bei der Stadt Baden. Gibt sie grünes Licht, wird zuerst das Gebäude saniert. Dann sollen die Minihäuser aufgebaut werden. Läuft alles glatt, zügeln schon 2027 die ersten Bewohner aufs Dach. Das Interesse ist gross, weiss die «Aargauer Zeitung». Es gibt bereits eine Warteliste.
Investor mit Faible für historische Bauten
Der umtriebige Investor Schoop fällt immer wieder mit baulichen Visionen auf, die für Aufsehen sorgen. Zuletzt ebenfalls in Baden, wo er sich für den Verenahof interessiert. Das historische Hotel verlottert, 30 Millionen Franken hat die Besitzerin bereits verlocht. Schoops Vision für den Verenahof: Der historische Gebäudekomplex soll ein Ort für Kunst werden, inklusive Wohnungen und Hotel.
Mitte 2025 hat Schoop, der ein Faible für historische Liegenschaften und für Kultur hat, das Hotel Furkablick gekauft. Das imposante Gebäude kurz vor der Furka-Passhöhe stammt aus dem Jahr 1893. Für mehrere Millionen Franken will der Immobilienentwickler das Relikt aus den Anfängen des Schweizer Tourismus sanieren. Er plant ein alpines Kulturzentrum und will das Restaurant wiedereröffnen.
Auch auf der Rigi hat Schoop seine Finger im Spiel. Er baut das seit 20 Jahren leerstehende Hotel des Alpes um. Derzeit wird es auf Hochtouren zu Wohnungen umgewandelt. Die ersten Einheiten sollen noch diesen Sommer fertig sein.