Historisches Überbleibsel
In Winterthur ZH steht ein Chalet zum Verkauf – für 950'000 Franken

Auf Immobilienportalen ist derzeit ein Chalet mit Baujahr 1913 ausgeschrieben – mitten in Winterthur, für 950'000 Franken. Die Annonce wirbt zwar mit «spannendem Entwicklungspotenzial». Einen Haken gibt es aber.
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Dieses Chalet steht derzeit in der Stadt Winterthur zum Verkauf.
Foto: Immoscout

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ein 1913 erbautes Chalet in Winterthur ZH wird für 950'000 Franken verkauft
  • Denkmalschutzauflagen dürften potenzielle Umbauten erschweren
  • Schweizer Chalets waren im 19. Jahrhundert ein Exportschlager
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Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Bei einem klassischen, rustikalen Chalet denkt man typischerweise an Bergkantone wie das Wallis oder Graubünden. Derzeit steht aber auch eine rare Chalet-Perle im Unterland zum Verkauf: Ein freistehendes Haus im berühmten Alpen-Stil, über 100 Jahre alt – mitten in der Stadt Winterthur im Kanton Zürich. 

Die Liegenschaft sei Teil der Chalet-Siedlung in Winterthur Wolfensberg, heisst es in der Annonce. Die insgesamt fünf Häuser wurden um 1900 als Werksiedlung für die Arbeiter der lokalen Bier-Brauerei Haldengut errichtet. 

Zugegeben: Ein Luxusbau ist das Häuschen nicht. «Der bestehende Ausbau entspricht in weiten Teilen nicht mehr heutigen Standards», schreiben die Verkäufer im Inserat. Dafür stimmt der Preis: Gerade einmal 950'000 Franken sind für das Fünf-Zimmer-Haus mit 112 Quadratmeter Wohnfläche ausgerufen. «Wer hier einzieht, sucht nicht das Gewöhnliche, sondern ein Zuhause mit Geschichte, Seele und Charme», heisst es weiter.

Tiefer Preis hat einen Haken

Was neben der veralteten Infrastruktur auch den Preis drücken dürfte: Das historische Haus gehört zum Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS). Ausserdem ist das Objekt im lokalen Denkmalinventar der Stadt Winterthur gelistet. Das bedeutet: Änderungen oder Abrisse der Liegenschaft brauchen Genehmigungen. Diese zu bekommen, ist oft ein schwieriges Unterfangen. 

Trotzdem sprechen die Verkäufer von «spannendem Renovations- und Gestaltungspotenzial». Käufer hätten die Chance, «das Objekt nach eigenen Vorstellungen neu zu interpretieren» – dies muss aber «unter Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Rahmenbedingungen geschehen». Wie diese genau aussehen, schreiben die Inserenten nicht.

Chalet-Boom im Unterland

Aber wieso trifft man die Berghäuser aus den Alpen auch im Schweizer Flachland an? Das hat historische Gründe: Bei ihren Reisen in die Schweiz fanden insbesondere die Engländer im 18. Jahrhundert gefallen an den herzigen, hübsch verzierten Chalets. Begeistert von der alpinen Idylle bauten sich die wohlbetuchten Briten ähnliche Häuser nach.

Hierzulande blieb die Chalet-Popularität im Ausland nicht unbemerkt. Schweizer Fabrikanten witterten das grosse Geschäft. Chalets – oder besser gesagt Teile davon – wurden als Massenprodukte hergestellt und ins Ausland exportiert. Gegenüber SRF erklärt der Kunsthistoriker Stephan Steger: «Auf dem Höhepunkt gab es in der Schweiz 24 verschiedene Chalet-Fabriken, die nicht nur den einheimischen Markt bedient haben.» Das Chalet sei damit das erste Fertighaus in der Geschichte der Menschheit. 

Erst später, um 1900, sei es wieder in die Schweiz zurückgekehrt, sagt Steger. Er spricht von einem «Reimport». Und in dieser Zeit schossen die Holzbauten nicht nur in den Alpen, sondern auch im Unterland wie Pilze aus dem Boden. Schweizer Städte wuchsen zur Zeit der Industrialisierung rapide. Und Chalets wurden als Rückzugsorte in Vororten und Stadtquartieren beliebt. Ein Überbleibsel aus dieser Zeit dürfte auch das 1913 erbaute Chalet in Winterthur sein.

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