Darum gehts
- Privatjetflüge auf bestimmten Routen 2025 um 65 Prozent gestiegen
- Riad-Dschidda mit 269 Prozent Wachstum als stärkster Anstieg weltweit
- 2025: Weltweit 3,9 Mio. Privatjetflüge, ein Plus von 4,6 Prozent gegenüber 2024
Reisen mit Privatjets sind im Aufwind. Beliebte Routen zeigen die Wichtigkeit aufstrebender Finanzzentren und wie wohlhabende Menschen ihre Zeit zwischen mehreren Wohnsitzen aufteilen. So lässt sich am sprunghaften Anstieg von Privatjetflügen auf einigen Strecken im vergangenen Jahr eine neue Verteilung des globalen Reichtums ablesen.
Konkret stieg der Privatjetverkehr im vergangenen Jahr auf elf Strecken um mindestens 65 Prozent, wie aus dem jährlichen Vermögensbericht der Beratungsfirma Knight Frank hervorgeht. Dieser enthält auch Daten des Privatluftfahrtunternehmens VistaJet.
4,6 Prozent mehr Privatjets unterwegs als im Vorjahr
Manche Reiseziele, wie die Insel Nantucket im US-Bundesstaat Massachusetts, sind seit langem bei wohlhabenden Reisenden beliebt. Der Anstieg der Privatflüge lässt sich auf das insgesamt gestiegene Passagieraufkommen in diesem Segment zurückführen. Laut Daten des Analyseunternehmens WingX, die Anfang des Jahres veröffentlicht wurden, gab es im vergangenen Jahr 3,9 Millionen Privatjetflüge – ein Anstieg von 4,6 Prozent gegenüber 2024.
Andere Routen, wie etwa von Abu Dhabi nach London, spiegeln derweil die aktuellen Marktbedingungen und Veränderungen auf dem Immobilienmarkt wider: «Wir beobachten, dass das globale Vermögen zunehmend mobil wird, da unsere Kunden in mehreren Städten und Kontinenten leben», sagt Ian Moore, Chief Commercial Officer von VistaJet, in einer Erklärung.
Der Krieg im Iran könnte mit Blick auf das Jahr 2026 den Verkehr mit Privatjets verändern. Wegen des Kriegs verlangsamt sich der Reiseverkehr über und zu den Drehkreuzen im Nahen Osten merklich.
Dschidda – Riad: +269 Prozent
Das dreistellige Wachstum auf dieser Inlandsroute zwischen der saudischen Hauptstadt Riad und der Hafenstadt Dschidda spiegelt Saudi-Arabiens Wandel zu einem globalen Zentrum des Reichtums wider.
Laut einem Bericht von Knight Frank wird sich die Zahl der Milliardäre im Land in den nächsten fünf Jahren fast verdreifachen, und die Preise für Luxusimmobilien in Riad sind zwischen 2020 und 2025 um 78 Prozent gestiegen.
Abu Dhabi – London: +238 Prozent
Die Investitionen in Abu Dhabi haben in den letzten fünf Jahren rasant zugenommen. Unter anderem haben der Private-Equity-Fonds KKR und der legendäre Hedgefonds-Investor Ray Dalio dort neue Büros eröffnet.
Da die britischen Steuervorschriften verschärft werden, verlagern wohlhabende Londoner ihr Kapital zunehmend aus der Stadt, und Abu Dhabi hat begonnen, mit Dubai als Finanzzentrum der Vereinigten Arabischen Emirate zu konkurrieren.
Nantucket – New York: +192 Prozent
Nantucket war schon immer ein beliebtes Urlaubsziel für die Superreichen, darunter Milliardäre wie der ehemalige Google-CEO Eric Schmidt und Charles Schwab.
Der Anstieg der Flüge zwischen New York und Nantucket «unterstreicht die zunehmende Verbreitung des Zweitwohnsitzes in den USA», heisst es im Knight-Frank-Bericht. Anstatt ein oder zwei Wochen im Sommer auf der Insel zu verbringen, pendeln Wohlhabende immer häufiger zwischen ihrem Haupt- und Zweitwohnsitz hin und her.
Nizza – Palma: +137 Prozent
Diese Mittelmeerroute zwischen Nizza in Frankreich und Palma auf Mallorca in Spanien zeigt die beliebten Sommerreiseziele für die Reichen mit Superyachten.
Im vergangenen Sommer lag die Yacht von David Geffen vor der Küste Mallorcas vor Anker und beherbergte Oprah Winfrey, Gayle King und Kris Jenner, während die Superyacht Koru von Amazon-Gründer Jeff Bezos an der französischen Riviera entlangfuhr.
London – Samedan: +137 Prozent
Der Privatjetverkehr zwischen dem Flughafen Farnborough bei London und dem Flughafen Samedan GR, in der Nähe des Luxusskigebiets St. Moritz, hat mit der Entwicklung des Multi-Location-Lebens zugenommen.
Doch es geht nicht nur um Freizeit. Angesichts eines restriktiveren Steuersystems in Grossbritannien verlagern einige vermögende Privatpersonen ihr Kapital in die Schweiz, die günstigere Steuerbedingungen bietet.
Washington – White Plains: +107 Prozent
Die Route zwischen der US-Hauptstadt Washington D.C. und White Plains, einem Vorort von New York, bildet das ab, was der Bericht als «Regierungs- und Finanzkorridor» bezeichnet.
Cannes – Paris: +100 Prozent
Internationale Festivals und Veranstaltungen wie die Filmfestspiele von Cannes und die Cannes Lions locken jedes Jahr Prominente und Geschäftsleute in die südfranzösische Stadt. Cannes verzeichnete im Sommer einen starken Anstieg des Privatjetverkehrs, da die Reichen zu den luxuriösen Resorts und Superyachten entlang der Küste reisen.
Boca Raton – New York: +70 Prozent
Boca Raton hat, wie viele andere Orte in Südflorida, einen Kapitalzufluss erlebt. Mit der zunehmenden Beliebtheit des «Dual-Location-Lifestyles» hat auch die Anzahl der Flüge in die Stadt im Palm Beach zugenommen.
Mumbai – Neu Delhi: +66 Prozent
Ähnlich wie in Saudi-Arabien hat die wachsende Wirtschaftskraft Indiens zu einer Zunahme von Inlandsflügen zwischen wichtigen Drehkreuzen geführt.
Neben den USA und China zählt Indien seit fünf Jahren zu den Haupttreibern des globalen Vermögenswachstums – und eine Verlangsamung ist nicht in Sicht. Laut dem Bericht wird die Zahl der Milliardäre im Land in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich um 51 Prozent steigen, wobei sich insbesondere Mumbai zu einem Zentrum des Reichtums entwickelt.
Mailand – Paris: +66 Prozent
Die Zahl der Flüge zwischen Mailand und Paris – den Modehauptstädten der Welt – hat aufgrund der engen Verbindungen der Branche zum Kapital zugenommen.
Auch wohlhabende Europäer zieht es zunehmend nach Mailand, das dank des italienischen Pauschalsteuersystems als Steueroase gilt.
Hongkong – Tokio
Der private Flugverkehr zwischen Hongkong und Tokio, zwei der reichsten Städte Asiens, hat ebenfalls zugenommen.
Laut dem Bericht hat insbesondere Tokio ein stark gestiegenes Interesse bei den Wohlhabenden erlebt, was sich in einem Anstieg der Preise für luxuriöse Wohnimmobilien um 58,5 Prozent zwischen 2024 und 2025 widerspiegelt.
Dieser Artikel erschien zuerst auf Business Insider Polska. Das polnische Branchenmagazin gehört wie Blick zum Ringier-Verlag.