Darum gehts
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Nach der Elefantenhochzeit der Versicherungen Helvetia und Baloise ist der grösste Allbranchenversicherer der Schweiz entstanden. Die Geschicke der Helvetia Schweiz leitet CEO Martin Jara (54), der sein ganzes Berufsleben dieser Branche gewidmet hat. Er verantwortet rund 7000 Mitarbeitende – davon 1700 Aussendienstler – an 150 Standorten. «Die Standorte werden bleiben. Wir haben über zwei Millionen Kundinnen und Kunden, etwa ein Drittel der Haushalte ist bei uns versichert, ebenso jedes dritte KMU.»
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!
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Herr Jara, Helvetia ist neu Presenting Partner der Baloise Session. Ihre Beziehung zum Festival?
Martin Jara: Ich war schon mehrfach hier zu Gast. Ich finde die Nähe faszinierend. Man sitzt mitten im Geschehen. Das ist sehr speziell und gefällt mir sehr. Dass wir nun Presenting Partner sind und ich die Opening Night mit Mark Forster und zwei weitere Konzertabende hier erleben durfte, freut mich besonders.
Ist Musik wichtig für Sie?
Ja! Musik bringt Menschen zusammen, schafft Gemeinschaft, unabhängig davon, was der eigene Background ist.
Wieso wurden Sie Versicherungsmanager? Das ist doch langweilig.
Nein, überhaupt nicht, es ist superspannend. Ich wollte immer in diese Branche, habe mich im Studium auf Versicherungswirtschaft und Risikomanagement spezialisiert. Wenn Sie etwas erreichen, irgendwo im Leben hinwollen, dann ist das immer mit Risiken verbunden. Unsere Aufgabe als Versicherung ist es, diese Risiken möglichst so abzusichern, dass Menschen voranschreiten können. Versicherungen spielen gesellschaftlich eine wichtige Rolle.
Der 54-Jährige ist Dr. oec. HSG. Er ist schweizerisch-österreichischer Doppelbürger, verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Töchtern. Jara wohnt in Illnau-Effretikon ZH und Basel. Als Sohn der Trainerlegende Kurt Jara liebt er Fussball und ist Fan des FC Winterthur.
Der 54-Jährige ist Dr. oec. HSG. Er ist schweizerisch-österreichischer Doppelbürger, verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Töchtern. Jara wohnt in Illnau-Effretikon ZH und Basel. Als Sohn der Trainerlegende Kurt Jara liebt er Fussball und ist Fan des FC Winterthur.
Welche Versicherungen brauchts unbedingt?
Mit Haftpflicht-, Unfall- und Todesfalldeckungen hat man die existenziellen Risiken abgedeckt. Wichtig für junge Menschen in Ausbildung finde ich zudem das Bewusstsein, dass sich eine Erwerbsausfallversicherung lohnt. Denn bei einem Unfall mit folgender Erwerbsunfähigkeit bleibt sonst oft nur eine nicht ausreichende IV-Rente. Dies sollten Familien unbedingt besprechen.
Und die Altersvorsorge?
Sie muss flexibel im Ansparen und im Bezug der angesparten Gelder sein. Früher war klar, dass es drei Phasen gibt: Ausbildung, Erwerbsphase und Ruhestand. Heutige Lebensläufe hingegen sind flexibel. Wir orientieren uns im Beruf um, machen Pausen in der Erwerbsarbeit, steigen wieder ein, arbeiten Teilzeit. Der Ruhestand dauert zudem glücklicherweise immer länger. Darauf muss man sich einstellen. Vorsorgelösungen müssen sich den Lebensläufen der Menschen anpassen – nicht umgekehrt. Mein Tipp: sich so früh wie möglich damit auseinandersetzen.
Wir stimmen über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer für die 13. AHV-Rente ab …
Wir haben mit AHV, 2. und 3. Säule ein sehr gut ausbalanciertes System. Wir müssen aber in allen drei Säulen dafür sorgen, dass sie zukunftsfähig bleiben, eben auch wegen der flexiblen Lebensläufe. Wir haben Anpassungsbedarf in allen Säulen. Die Demografie verschiebt sich, und Niedrigzinsphasen schmälern die Erträge. Wir haben eine gute Ausgangslage, aber wenn man eine Säule ausbaut, wie jetzt die AHV mit der 13. Monatsrente, muss man auch dafür sorgen, dass das bezahlt wird.
Politisch streiten sich Linke und Bürgerliche, wie es mit den verschiedenen Säulen weitergehen soll.
Die Altersvorsorge ist zu wichtig, als dass man eine Lagerdiskussion daraus machen dürfte. Sie hängt davon ab, wie viel ich bezahle, wie lange ich einzahle, wie das Kapital verzinst wird, wie hoch die Lebenserwartung ist. Das kann man alles berechnen. Wir müssen Sorge tragen, dass wir die Altersvorsorge nicht zum politischen Streitpunkt machen, sondern auf Basis der Fakten nach Lösungen suchen.
Die Helvetia ist auch grosse Immobilienbesitzerin. In der Schweiz hält sie 845 Liegenschaften und rund 30'000 Wohnungen. Sind Sie mitschuldig an den steigenden Mieten?
Steigende Mieten sind für viele Menschen eine grosse Belastung. Ausschlaggebend für die Entwicklung von Mieten ist das Angebot. Wir tun gut daran, Wohnraum zu bauen und zu verdichten. Um dies zu tun, sollten wir dafür sorgen, dass wir bei den Bewilligungsverfahren schneller vorankommen.
Bei den Mieten könnten Sie sofort handeln.
Wichtig ist zu verstehen, dass wir nicht als private Investorin bauen. Was wir an Mieten einnehmen, dient vor allem dazu, die Vorsorgegelder unserer Versicherten zu verzinsen. Wir haben eine zweiseitige Verantwortung: gegenüber den Menschen, die uns ihre Vorsorgegelder anvertrauen, und gegenüber den Mieterinnen und Mietern. Wir wollen Wohnraum verantwortungsvoll entwickeln und ihn bezahlbar machen. Ein Beispiel dafür ist die Siedlung Frohburg in Zürich-Oerlikon. Im Dialog mit Mieterschaft und Stadt können wir einen Teil der Wohnungen mit Vorzugskonditionen für diejenigen anbieten, die länger dort wohnen. Den Umbau haben wir so gestaffelt, dass während der Bauphase die meisten Bewohnerinnen und Bewohner weiter in der Liegenschaft wohnen können.
Wegen der Fusion müssen Sie in der Schweiz 1800 Mitarbeitende entlassen und gruppenweit 650 Millionen Franken pro Jahr einsparen.
Eine wichtige Zahl fehlt: 2028. Es sind 1000 bis 1200 Stellen, die wir im Schweizer Markt bis Ende 2028 abbauen werden. Der dreijährige Zeithorizont zur Bereinigung von Doppelspurigkeiten erlaubt es uns, Pensionierungen und reguläre Stellenwechsel zu nutzen. Die Entlassungen werden deutlich unter diesen Zahlen liegen. Wir nehmen unsere Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitenden wahr und gestalten den notwendigen Stellenabbau so sozialverträglich wie möglich.
Versicherungen sind prädestiniert für KI-Anwendungen. Führt das zu weiteren Stellenkürzungen?
Ich bin davon überzeugt, dass KI einen grossen Einfluss auf uns alle haben wird. Auch auf Helvetia als Versicherung. Wir arbeiten intern vor allem mit Daten, da kann uns KI viel abnehmen. Unsere Mitarbeitenden werden mehr Zeit für den Kundenkontakt haben. Beratung von Mensch zu Mensch wird es auch in 20 Jahren noch geben. Da bin ich mir sicher – wahrscheinlich aber unterstützt durch entsprechende technologische Instrumente.
Prämien für Hausrat- und Autoversicherungen steigen stetig. Wieso eigentlich?
Die Prämien reflektieren in erster Linie die Kosten für die Schäden, die unsere Kundinnen und Kunden erleiden. Die Reparatur- und Ersatzkosten sind in den letzten Jahren deutlich stärker gestiegen als die allgemeinen Konsumentenpreise. Wichtige Treiber sind Kosten für Ersatzteile und der technische Fortschritt. Bei Autos ist das sehr klar spürbar. Die ganze Elektronik und Sensorik in neuen Autos führt im Schadenfall zu hohen Kosten. Eine Frontscheibe hat heute zum Beispiel eine Vielzahl von Sensoren und kostet oftmals 4000 Franken oder sogar noch mehr. Wird eine solche Scheibe ersetzt, muss das ganze Auto neu kalibriert werden, weil vieles an den Sensormessungen der Frontscheibe hängt.
Haben Sie schon eine Zwischenbilanz des diesjährigen Schadensjahres?
Bis zum Halbjahr war unsere Kundschaft zum Glück nicht stark von grösseren Schadenereignissen betroffen. Dann kam der 28. August mit dem Hagelzug übers Mittelland. An diesem einen Tag erhielten wir über 4000 Anrufe, insgesamt sind über 16'000 Schadenereignisse bei Helvetia und Smile eingetreten.
Die grössten Risiken der nächsten Jahre?
Naturereignisse werden infolge des Klimawandels wohl zunehmen. In der alpinen Schweiz sind wir davon stark betroffen, das sehen wir auch in unseren Schadendaten.
Wie stark waren Sie in Blatten involviert, wo 2025 ein ganzes Dorf verschüttet wurde?
Wir haben sehr viele Versicherte im Wallis. Mit dem Schweizerischen Elementarschadenpool haben wir sehr schnell entschieden, unkompliziert 75 Prozent der Gebäudeschadenssummen auszuzahlen. Das hat vielen Menschen sicher geholfen. Die Versicherungswirtschaft hat in Blatten bewiesen, dass wir als Branche für unsere Kundinnen und Kunden handlungsfähig sind.