ZÜRICH – Heute ist es soweit: Der mächtige Rainer E. Gut tritt von der Schweizer Wirtschaftsbühne ab. Experten ziehen auf Blick Online den Hut vor Gut. Und kritisieren ihn heftig.Der Mann ist eine Eminenz, ein Starbanker, ein Leader. Grau, gross, genial. Heute Nachmittag geht seine Ära zu Ende. Der 72-jährige Rainer E. Gut tritt an der GV von Nestlé in Lausanne als Verwaltungsratspräsident zurück. Die Altersguillotine in den Statuten zwingt ihn dazu.Rainer E. Gut! Das ist nicht irgendein Broker von der Bahnhofstrasse. Sondern Credit-Suisse-Ehrenpräsident. Schlichter im Streit um die Holocaust-Gelder. Swissair-Strippenzieher. Swiss-Starthelfer. GC-Mäzen. Nestlé-Präsident. Und vieles mehr (siehe Box).In der Bevölkerung geniesst er mächtiges Ansehen. Doch wie schätzen Experten das Lebenswerk von Rainer E. Gut ein? Blick Online hat bei Preisüberwacher Rudolf Strahm (SP) sowie Finanzanalyst und Nationalrat Hans Kaufmann (SVP) nachgefragt. Rudolf StrahmTop: «Er war ein Meister von Filz und Vernetzung. Beim Streit um die Holocaust-Gelder hat er dank seinem Netz sehr gut vermittelt. Zum Wohle der Schweiz. Und natürlich auch, um Schadensbegrenzung für seine Bank zu erreichen.»Flop: «Sein fatalster Fehler war, den späteren Chef Lukas Mühlemann in die Credit Suisse zu holen. Das ist einer der grössten Flops in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte. Der hatte schlicht das Format nicht und richtete bei Credit Suisse, Winterthur und Swissair riesige Schäden an.»Hans KaufmannTop: «Im Chiasso-Skandal hat er der Credit Suisse sehr geholfen. Und als Netzwerker war er top.»Flop: «Für mich hat er die Lorbeeren als grosser Schweizer Wirtschaftsmann nicht verdient. Denn er hat mit seiner Geschäftspolitik viele, viele Millionen verlocht. Die Anleger verloren riesige Summen. Einer hat am Schluss jedoch immer verdient. Und das war Rainer E. Gut! Zudem änderte seine Rechnungsauslegung ständig. Ein deutliches Indiz, dass da ein Hund begraben liegt. Und ich frage mich: Hat er bei Nestlé wirklich das Maximum an Gewinn herausgeholt? Diese erfolgreiche Firma ist ja eigentlich ein Selbstläufer und äusserst einfach zu führen.»