Golfländer suchen jetzt Alternativen
Begräbt Trump mit dem Iran-Krieg den Petro-Dollar?

Seine Vorherrschaft hat der sogenannte Greenback unter anderem den Golfstaaten zu verdanken, die ihr Öl in Dollar verkaufen. Wenn sie sich aber nicht mehr von den USA geschützt fühlen, könnte diese Vereinbarung zusammenbrechen. Und mit ihr der Berg an Dollarschulden.
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Mit seinem Krieg gegen den Iran könnte Donald Trump die Grundfesten des US-Dollars bedrohen.
Foto: KEYSTONE

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Der US-Dollar steht wegen des Iran-Kriegs unter Druck
  • Golfstaaten wenden sich nun grossen Öl-Abnehmern wie China oder Indien zu
  • IWF-Daten: Dollar-Anteil an Devisenreserven sank 2025 auf 56,9 Prozent
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Myret Zaki

Ist die Dollar-Hegemonie durch die Folgen des US-Krieges gegen den Iran gefährdet? Der aktuelle Konflikt könnte das Petrodollar-Regime auf die Probe stellen.

Was für den Greenback – wie der Dollar auch genannt wird – auf dem Spiel steht, geht weit über die täglichen Schwankungen der Währung hinaus. Es geht um den Status des Dollars als Reservewährung. Dieser beruht weitgehend auf dem Petrodollar-Mechanismus. Der Krieg im Iran könnte diesen aber deutlich schwächen, da die Ölstaaten am Golf erkennen, dass Amerika ihren militärischen Schutz nicht garantieren kann. Die Frage lautet also: Lohnt sich das Petrodollar-System für die Golfstaaten noch? Diese Frage wurde in den letzten Tagen von Reuters und Marketwatch sowie in einer Analyse der Deutschen Bank untersucht. Blick hat den Überblick.

Was ist der Petrodollar-Mechanismus?

Weltweit wird Öl in Dollar notiert und gehandelt, in Dollar in Rechnung gestellt und bezahlt. Dieses System hat seinen Ursprung in einer Reihe von Vereinbarungen, die 1974 und 1975 zwischen US-Präsident Richard Nixon und Saudi-Arabien, vertreten durch dessen Ölminister Scheich Yamani, getroffen wurden. Die Parteien haben stillschweigend vereinbart, dass das Öl der Golfstaaten überwiegend in Dollar verkauft werden muss, wofür diese Länder im Gegenzug den militärischen Schutz der USA geniessen.

Die Folge: Die weltweite Nachfrage nach dem Dollar war gesichert, da grosse Öl-Abnehmer wie Japan oder Indien stets mit der US-Währung eingedeckt sein müssen, um das schwarze Gold kaufen zu können.

Dieses System sicherte dem Dollar jahrzehntelang seinen Status als Reservewährung, da die Abnehmerländer den Dollar in den Tresoren ihrer Zentralbanken horteten. Um in der dominierenden Währung, der Königswährung der Rohstoffe, Handel treiben zu können.

Die Ölförderländer ihrerseits, die ihre Einnahmen in Dollar erzielen, haben diese massiv in Dollar-Anlagen reinvestiert. Zum Beispiel in Staatsanleihen (also US-Schulden), aber auch in US-Rüstungsgüter, US-Aktien, künstliche Intelligenz oder Immobilien.

Dieses System hat seit nunmehr 52 Jahren eine günstige Finanzierung der US-Staatsverschuldung gewährleistet. Diese hat in den letzten 20 Jahren um 350 Prozent zugenommen und ist stark von der Existenz kaufwilliger Investoren abhängig. Valéry Giscard d'Estaing bezeichnet dies als «exorbitantes Privileg».

Könnte dieser Mechanismus ins Wanken geraten?

Der Petrodollar-Mechanismus stösst jetzt an seine Grenzen. Das US-Militär hat es nicht geschafft, alle Drohnen- und Raketenangriffe auf Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Kuwait, Katar, Bahrain und Oman abzuwehren. Diese Monarchien mussten Schäden an ihrer Infrastruktur hinnehmen und büssten ihren Ruf als stabile und prosperierende Oasen im Nahen Osten ein.

Der Schutz durch die Vereinigten Staaten ist jedoch der Teil des Vertrags, den diese erfüllen müssen, um ein bereits in die Jahre gekommenes Petrodollar-System zu rechtfertigen. Doch die teure und unzureichende US-Verteidigung war von den iranischen Angriffen überfordert. Kurz gesagt: Washingtons Verbündete erkennen derzeit, dass der amerikanische Schutz nicht absolut ist und ihnen keine vollständige Sicherheit garantieren kann.

Welche Faktoren bedrohen das Petrodollar-Regime?

Angesichts dessen könnten sich die Golfstaaten anderen Verbündeten wie China zuwenden. Peking ist der grösste Abnehmer von Öl aus den Golfstaaten und kauft viermal so viel Öl von ihnen wie die USA. Asien insgesamt ist mittlerweile mit Abstand der wichtigste Abnehmer der Golfregion. Die USA sind zwar die Beschützer, Asien ist aber ihr wichtigster wirtschaftlicher Kunde. 

Zwischen Riad und Peking finden bereits fortgeschrittene Gespräche über einen bilateralen Ölhandel in chinesischen Yuan statt. Der Verkauf von saudischem Öl in Yuan an China bleibt derzeit aber nur ein Gedankenspiel, da die chinesische Währung nicht vollständig konvertierbar ist. Zudem gibt es in China strenge Kapitalkontrollen und Beschränkungen für ausländische Investoren. Dennoch könnte langfristig «die Angleichung der Interessen zwischen Saudi-Arabien und China den Übergang zu Ölverkäufen in chinesischen Yuan erleichtern», schätzte bereits im August 2024 eine Analyse von S&P Global, einer in New York ansässigen Ratingagentur.

Zudem hat der Iran kürzlich eine Durchfahrtsgenehmigung durch die Strasse von Hormus ausschliesslich für Öl erteilt, das in chinesischen Yuan denominiert ist. Ein Vorfall, der von den Märkten genau beobachtet wird und langfristige Auswirkungen auf den Dollar haben könnte. Somit stellt China eine nicht zu unterschätzende Bedrohung für das Petrodollar-System dar. Das bisher kaum infrage gestellte Abkommen zwischen den USA und Saudi-Arabien ist nun deutlich geschwächt.

Steht der Petro-Dollar jetzt im Wettbewerb mit Petro-Yuan?

Das Petro-Dollar-System war bereits vor dem Krieg gegen den Iran im Niedergang, schätzt die Strategin der Deutschen Bank, Mallika Sachdeva, in einer Studie, die am 24. März veröffentlicht wurde. Dies liege daran, dass der Grossteil des Öls aus dem Nahen Osten mittlerweile nach Asien geliefert wird. Zudem wird das unter Sanktionen stehende iranische und russische Öl vermehrt ausserhalb des Dollar-Systems gehandelt (das macht 14 Prozent des weltweiten Verbrauchs aus). Und auch Saudi-Arabien testet Möglichkeiten zur Abwicklung von Ölgeschäften ausserhalb des Dollar-Systems.

Laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ist der Anteil des Dollars an den Devisenreserven der Zentralbanken weltweit von 65 Prozent im Jahr 2015 auf 56,9 Prozent im Jahr 2025 zurückgegangen. Angesichts des Krieges im Iran ist es nicht ausgeschlossen, dass die Karten neu gemischt werden und sich die Golfstaaten nach der Enttäuschung über die Grenzen des amerikanischen Militärschutzes noch stärker China, Indien und anderen Ölverbraucherländern annähern, schätzt Jim O'Neill, ehemaliger Ökonom bei Goldman Sachs und ehemaliger britischer Finanzminister.

Langfristig prognostiziert die Nachrichtenagentur Reuters eine Neuausrichtung von einer streng auf dem Petrodollar basierenden Welt hin zu einer Welt, in der auch Reserven aus «Petro-Yuan», «Petro-Rupie» und sogar «Petro-Euro» bestehen würden.

Sollte das Petrodollar-System seine Daseinsberechtigung verlieren, wären die Folgen für den US-Dollar verheerend. Ohne Petrodollars hätten die Zentralbanken weltweit weniger Gründe, Dollar zu halten. Der Status des Greenback als Reservewährung würde geschwächt.

Vor allem aber: Wenn weniger Öl in Dollar verkauft wird, würden weniger Dollar-Einnahmen in den Kauf von US-Staatsanleihen fliessen. Die Vereinigten Staaten würden dann ihr «exorbitantes Privileg» verlieren. Der Wert der Schulden würde aufgrund der sinkenden Nachfrage einbrechen. Neu emittierte Schulden hätten Mühe, staatliche Käufer zu finden. Die Zinssätze für die Schulden würden steigen, da der Wert der Anleihen sinken würde, und der US-Staat hätte Schwierigkeiten, die Zinsen für die Schulden zu bedienen. Eine Zinslast, die aktuell bereits das schwindelerregende Niveau von etwa 1000 Milliarden Dollar pro Jahr erreicht. 

Verwechseln Sie den Status nicht mit dem Wechselkurs!

Ein klassischer Irrtum: den vorübergehenden Anstieg einer Währung mit ihrer weltweiten Dominanz zu verwechseln. Derzeit legt der Dollar auf dem Devisenmarkt zu, begünstigt durch den Krieg im Iran. Dies veranlasst manche Analysten, von seiner «Vorherrschaft» zu sprechen. Dabei werden jedoch kurzfristige Wechselkursschwankungen mit seinem langfristigen Status als Reservewährung verwechselt. Als der Dollar zu Beginn des Krieges in der Ukraine an Wert gewann, sahen manche darin den Triumph des «Königs Dollar» und den Beweis für seine ungebrochene internationale Vorherrschaft.

Was stimmt: Seit dem 28. Februar wertet der Dollar auf, genau wie zu Beginn des Ukraine-Krieges. Was falsch ist: Aus einer blossen Aufwertung auf die Vorherrschaft oder den hegemonialen Status einer Währung zu schliessen.

Tatsächlich wertet der Dollar nur gegenüber den Währungen der Schwellenländer deutlich auf, die abwerten. Dies liegt daran, dass die asiatischen Volkswirtschaften stark vom Öl aus der Golfregion abhängig sind. Daher stossen Investoren diese Währungen massiv ab.

Gegenüber dem Schweizer Franken ist der Dollar seit Jahren gefallen. Im Januar hatte er seinen tiefsten Stand seit 2011 erreicht, als 1 Dollar nur noch 0.76 Franken wert war. Danach stieg er wieder leicht an. Gegenüber dem Euro steigt der Dollar seit dem 28. Februar, doch auch er war seit Oktober 2022 kontinuierlich gefallen, von 1,08 auf 0,84 Euro, kurz vor den Luftangriffen auf Teheran.

Der Hauptgrund für diesen jüngsten Anstieg des Dollars? Die Erwartung einer Anhebung der US-Zinsen. Die durch den Ölpreisanstieg verursachte Inflation lässt den Dollar automatisch steigen, da Investoren davon ausgehen, dass auf Dollar lautende Vermögenswerte, wie beispielsweise Anleihen, besser verzinst werden als Vermögenswerte in anderen wichtigen Währungen. Und tatsächlich sind die US-Zinsen mit 5,25 Prozent bereits am höchsten, verglichen mit 4 Prozent bei den europäischen Zinsen und dem sehr niedrigen Zinssatz von 1,5 Prozent beim Schweizer Franken.

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