Darum gehts
- Lucerne Dialogue diskutiert seit 2014 Europas Zukunft und Schweiz-EU-Beziehungen in Luzern
- Europa muss Innovation fördern, nicht nur regulieren, um global wettbewerbsfähig zu bleiben
- Schweiz zählt zu Top-Innovatoren, aber USA und China sind entscheidender schneller
Herr Odier, was hat Sie motiviert, in den Beirat des Lucerne Dialogue einzutreten?
Patrick Odier (PO): Zunächst einmal ist das Thema Europa für mich zentral. Und das schon sehr lange. Seit 2014 führt die Schweiz die Verhandlungen mit Europa und es sollte jetzt Priorität haben, dass wir diese Verhandlungen zu einem erfolgreichen Ende bringen. Der Lucerne Dialogue bietet die grossartige Möglichkeit, mit verschiedenen Persönlichkeiten aus Europa die wichtigsten Themen zu diskutieren.
Herr Stalder, welches Ziel hat der Lucerne Dialogue konkret?
Marcel Stalder (MS): Wir verstehen uns als europäische Wirtschaftskonferenz. Dabei geht es um die Frage, wie wir Europa und die Schweiz, aber auch die Beziehungen zwischen der Schweiz und Europa stärken können. Im Zentrum steht immer die künftige Prosperität, also wirtschaftliche Überlegungen, und aus diesem Nukleus heraus kommt die Vernetzung zu Politik, Wissenschaft und Gesellschaft, die natürlich immer in Wechselwirkung zur Wirtschaft stehen.
Das EEF wird von der Initiative Lucerne Dialogue organisiert, präsidiert von Marcel Stalder und geleitet von Direktor Dominik Isler.
Unter dem Motto «Proof of Concept» bringt das EEF 2026 am 25. und 26. November im KKL Luzern über 700 Entscheider:innen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft zusammen. In den kommenden Jahren muss Europa den Beweis antreten, dass die eingeschlagenen Strategien tragen. Wie behaupten sich europäische Unternehmen im multipolaren Wettbewerb? Welche Modelle funktionieren?
Das EEF bietet wegweisende Impulse von Europas Vordenker:innen, und den Raum, um disziplin-, generationen- und länderübergreifend konkrete Antworten zu entwickeln.
Das EEF wird von der Initiative Lucerne Dialogue organisiert, präsidiert von Marcel Stalder und geleitet von Direktor Dominik Isler.
Unter dem Motto «Proof of Concept» bringt das EEF 2026 am 25. und 26. November im KKL Luzern über 700 Entscheider:innen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft zusammen. In den kommenden Jahren muss Europa den Beweis antreten, dass die eingeschlagenen Strategien tragen. Wie behaupten sich europäische Unternehmen im multipolaren Wettbewerb? Welche Modelle funktionieren?
Das EEF bietet wegweisende Impulse von Europas Vordenker:innen, und den Raum, um disziplin-, generationen- und länderübergreifend konkrete Antworten zu entwickeln.
Welche Themen sollten für Europa ganz oben auf der Agenda stehen?
(MS) Das erste wichtige Thema ist: Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir geopolitisch am Ende des Multilateralismus angelangt sind. Wir haben es zunehmend mit einer bipolaren Welt zu tun, in der China und die Vereinigten Staaten die beiden Pole bilden. Und die Frage ist daher: Wo positioniert sich Europa in Zukunft, sowohl geopolitisch, aber vor allem wirtschaftlich und auch gesellschaftlich?
Bleibt die Frage, ob Europa bereit ist, mit einer Stimme zu sprechen.
(MS) Das ist die erste grosse Frage. Die Europäische Union (EU) wurde ursprünglich als Friedensprojekt gegründet und nach innen so organisiert, dass keine Konflikte innerhalb der EU-Staaten aufkommen. Sie ist bisher nicht dafür konstruiert, sich auch nach aussen zu positionieren.
Was sie jetzt aber mit dem von Russland angezettelten Krieg zwangsläufig muss.
(MS) Die EU braucht für die Zukunft eine Transformation. Dazu gehört eine EU-Sicherheitspolitik mit einer klaren geopolitischen Positionierung. Von kleineren Störfeuern – beispielsweise aus Ungarn – abgesehen, ist dies der EU im Ukraine-Konflikt schon sehr gut gelungen. Das war ein wichtiger Entwicklungsschritt.
Welches Thema ist noch wichtig für Europa?
(MS) Es ist ganz wichtig, dass sich Europa nicht nur auf die wirtschaftliche Regulierung konzentriert, sondern auch auf Innovationen. Wir können es nicht dabei belassen, dass die Amerikaner die Innovationen vorantreiben und wir stattdessen versuchen, alles zu regulieren. Davon müssen wir ganz schnell wegkommen. Europa muss dringend über Investitionen in die Bildung, aber auch zentrale Technologien nachdenken, um so die Innovationskraft in der Schweiz und in Europa zu stärken. Noch ist die Schweiz sehr gut aufgestellt, aber wie können wir die Schweiz und Europa so stärken, damit in Zukunft wieder ein oder zwei europäische Unternehmen zu den zwanzig grössten und wichtigsten Unternehmen der Welt gehören? Heute sind es nur noch amerikanische und chinesische Technologieunternehmen; das war vor einigen Jahren einmal anders, und da müssen wir wieder hinkommen.
Wir haben in Europa doch hervorragende Universitäten, vor allem in der Schweiz, und sehr innovative Startups. Was ist das Problem?
(PO) Leider gibt es dafür mehrere Gründe. Ein entscheidender Punkt ist, dass der Entscheidungsprozess in den USA und China oft einfacher und schneller ist, um Programme zu starten und Innovationen zu fördern. Es gibt in Europa verschiedene Prioritäten in den verschiedenen Ländern, und das macht es schwierig, effizient voranzukommen. Wir erleben derzeit grundlegende Veränderungen in der Wirtschaft, in der Industrie und auch im Finanzsektor, die uns nicht nur in den nächsten Jahren, sondern langfristig betreffen werden. In diesem Sinne müssen wir uns sowohl in der Schweiz als auch in Europa darauf vorbereiten, dass die Führung dieser Themen nicht nur bei den Akteuren in Amerika oder China liegt, sondern auch von uns in Europa geteilt wird.
Welche Veränderungen meinen Sie?
(PO) Ich denke vor allem an die Digitalisierung. Es besteht kein Zweifel, dass wir noch innovativer sein und dies auch mehr fördern müssen. Ich denke dabei natürlich vor allem an die generative künstliche Intelligenz (KI). Aber ich denke auch an die Nachhaltigkeit und die Folgen dieser Veränderungen für die Arbeitswelt und die Gesellschaft. Es gibt wohl keinen einzigen Wirtschaftszweig auf der Welt, der sich nicht damit beschäftigt, nachhaltiger zu werden. In diesem Zusammenhang sollten wir nicht nur Hindernisse, sondern auch ein grosses Potenzial sehen.
Dieser Artikel wurde erstmals am 4.11.2024 in der Handelszeitung publiziert.