Geld bedeutet Macht
Selbst Reiche finden, dass Gerechtigkeit käuflich ist

Vor dem Gesetz sind alle gleich? Das glaubt heute fast niemand mehr: Eine überwältigende Mehrheit sieht den Zugang zum Recht nur noch für Wohlhabende gesichert. Ein alarmierendes Signal für unseren Rechtsstaat.
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Justitia trägt eine Augenbinde, und vor Gericht sind alle gleich? Nicht ganz, wenn man die Teilnehmenden fragt.
Foto: IMAGO/Panama Pictures

Darum gehts

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Jasmine Helbling und Daniel Benz
Beobachter

Justitia, die Göttin der Gerechtigkeit, trägt eine Augenbinde. Sie soll nicht sehen, wen sie vor sich hat, um unabhängig und neutral zu richten. Eine schöne Symbolik – die aber von den Schweizerinnen und Schweizern zunehmend infrage gestellt wird.

Zum Gerechtigkeitsbarometer

Mit dem Gerechtigkeitsbarometer ermittelt der Beobachter in Kooperation mit Coop Rechtsschutz seit 2024 ein Stimmungsbild, wie fair sich unterschiedliche Bevölkerungsgruppen behandelt fühlen und welche systematischen Ungerechtigkeiten es gibt. Für die aktuelle Erhebung hat das Forschungsinstitut GFS Bern rund 2000 Personen ab 16 Jahren befragt.

Das sind die Resultate der diesjährigen Untersuchung:

Zum Vergleich: Die Resultate der ersten Erhebung 2024:

Mit dem Gerechtigkeitsbarometer ermittelt der Beobachter in Kooperation mit Coop Rechtsschutz seit 2024 ein Stimmungsbild, wie fair sich unterschiedliche Bevölkerungsgruppen behandelt fühlen und welche systematischen Ungerechtigkeiten es gibt. Für die aktuelle Erhebung hat das Forschungsinstitut GFS Bern rund 2000 Personen ab 16 Jahren befragt.

Das sind die Resultate der diesjährigen Untersuchung:

Zum Vergleich: Die Resultate der ersten Erhebung 2024:

«Mehr Geld erhöht die Chancen auf Zugang und Erfolg vor Gericht»: Dieses Statement erhielt den tiefsten Gerechtigkeitswert der gesamten Barometer-Befragung. Wuchtige 81 Prozent empfinden es als unfair, dass die hohen Prozess- und Anwaltskosten mitentscheiden, ob jemand einen Rechtsstreit vor Gericht ausfechten kann oder nicht. Auf einer Skala von –5 («sehr ungerecht») bis +5 («sehr gerecht») wurde dieser Punkt mit einem Mittelwert von –3,1 stark negativ bewertet. In der Kernaussage ist diese Kritik keine Überraschung, im Ausmass jedoch ein alarmierendes Signal für das schwindende Vertrauen in die Justiz.

Artikel aus dem «Beobachter»

Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.

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Auch die Vermögenden finden es ungerecht

Die Vorbehalte werden auch von jenen geteilt, die von der Situation profitieren könnten: den Menschen, die genügend Geld haben. Selbst in der höchsten Einkommensklasse mit über 13’000 Franken im Monat finden es 31 Prozent «sehr ungerecht», dass Erfolg vor Gericht käuflich ist. Dieser Wert steigt, je knapper die finanziellen Reserven sind. Schon im mittleren Bereich mit einem Haushaltseinkommen von 7000 bis 9000 Franken sind es 42 Prozent, im tiefsten Segment mit monatlich weniger als 3000 Franken sind es 61 Prozent.

Einschätzung von Cloé Jans, Politikwissenschaftlerin bei GFS Bern

«Die sogenannte dritte Gewalt geniesst in der Schweiz weiterhin grosses Vertrauen – sogar mehr als Bundesrat und Parlament. Das Problem sind nicht die Urteile, sondern der Weg dorthin. Lange Verfahren und hohe Hürden erschweren den Zugang zum Recht. Entscheidend ist somit nicht nur, dass gerecht entschieden wird, sondern dass Gerechtigkeit überhaupt erreichbar bleibt.»

«Die sogenannte dritte Gewalt geniesst in der Schweiz weiterhin grosses Vertrauen – sogar mehr als Bundesrat und Parlament. Das Problem sind nicht die Urteile, sondern der Weg dorthin. Lange Verfahren und hohe Hürden erschweren den Zugang zum Recht. Entscheidend ist somit nicht nur, dass gerecht entschieden wird, sondern dass Gerechtigkeit überhaupt erreichbar bleibt.»

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