Darum gehts
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Justitia, die Göttin der Gerechtigkeit, trägt eine Augenbinde. Sie soll nicht sehen, wen sie vor sich hat, um unabhängig und neutral zu richten. Eine schöne Symbolik – die aber von den Schweizerinnen und Schweizern zunehmend infrage gestellt wird.
«Mehr Geld erhöht die Chancen auf Zugang und Erfolg vor Gericht»: Dieses Statement erhielt den tiefsten Gerechtigkeitswert der gesamten Barometer-Befragung. Wuchtige 81 Prozent empfinden es als unfair, dass die hohen Prozess- und Anwaltskosten mitentscheiden, ob jemand einen Rechtsstreit vor Gericht ausfechten kann oder nicht. Auf einer Skala von –5 («sehr ungerecht») bis +5 («sehr gerecht») wurde dieser Punkt mit einem Mittelwert von –3,1 stark negativ bewertet. In der Kernaussage ist diese Kritik keine Überraschung, im Ausmass jedoch ein alarmierendes Signal für das schwindende Vertrauen in die Justiz.
Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.
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Auch die Vermögenden finden es ungerecht
Die Vorbehalte werden auch von jenen geteilt, die von der Situation profitieren könnten: den Menschen, die genügend Geld haben. Selbst in der höchsten Einkommensklasse mit über 13’000 Franken im Monat finden es 31 Prozent «sehr ungerecht», dass Erfolg vor Gericht käuflich ist. Dieser Wert steigt, je knapper die finanziellen Reserven sind. Schon im mittleren Bereich mit einem Haushaltseinkommen von 7000 bis 9000 Franken sind es 42 Prozent, im tiefsten Segment mit monatlich weniger als 3000 Franken sind es 61 Prozent.
«Die sogenannte dritte Gewalt geniesst in der Schweiz weiterhin grosses Vertrauen – sogar mehr als Bundesrat und Parlament. Das Problem sind nicht die Urteile, sondern der Weg dorthin. Lange Verfahren und hohe Hürden erschweren den Zugang zum Recht. Entscheidend ist somit nicht nur, dass gerecht entschieden wird, sondern dass Gerechtigkeit überhaupt erreichbar bleibt.»
«Die sogenannte dritte Gewalt geniesst in der Schweiz weiterhin grosses Vertrauen – sogar mehr als Bundesrat und Parlament. Das Problem sind nicht die Urteile, sondern der Weg dorthin. Lange Verfahren und hohe Hürden erschweren den Zugang zum Recht. Entscheidend ist somit nicht nur, dass gerecht entschieden wird, sondern dass Gerechtigkeit überhaupt erreichbar bleibt.»