Klaus-Michael Kühne ist im Alter von 89 Jahren verstorben. Dies berichtet das deutsche «Manager Magazin» unter Berufung auf sein familiäres Umfeld. Demnach hatte sich der Gesundheitszustand des deutschen Unternehmers bereits vor mehreren Tagen verschlechtert. Vor rund zehn Tagen war Kühne von Mallorca an seinen Wohnort in Schindellegi SZ zurückgekehrt. Dort soll er sich in ärztliche Behandlung begeben haben.
Der Schweizer Logistikkonzern Kühne+Nagel, mit dem Kühne bis zuletzt eng verbunden war, äussert sich am Montagmorgen in einer Mitteilung zum Tod des deutschen Unternehmers: «Der Verwaltungsrat, die Geschäftsleitung sowie die Mitarbeiter der Kühne+Nagel International AG trauern um Klaus-Michael Kühne», heisst es darin. «Mit dem Tod von Klaus-Michael ist ein Visionär, ein grosser Unternehmer und eine eindrucksvolle Persönlichkeit von uns gegangen», lässt sich Verwaltungsratspräsident Jörg Wolle (69) zitieren. «Der Verwaltungsrat und das gesamte Unternehmen werden Klaus-Michael Kühne ein hochehrendes Andenken bewahren.» Auch der derzeitige Kühne+Nagel-CEO Stefan Paul (57) kommt zu Wort: «Die Nachricht vom Tod von Klaus-Michael Kühne macht uns alle tief betroffen. Im Namen der Geschäftsleitung und der Mitarbeiter von Kühne+Nagel sprechen wir seinen Angehörigen unser tiefstes Mitgefühl aus.»
Vermögen von 21,5 Milliarden
Kühnes Vermögen wird von der «Bilanz» auf 21,5 Milliarden Franken geschätzt. Der in der Schweiz wohnhafte Unternehmer schaffte es damit im jüngsten Bilanz-Ranking der 300 Reichsten im Land auf Platz 6. Zu seinen Milliarden kam Kühne in erster Linie durch sein Mitwirken an Kühne+Nagel: 1958 trat er in das von seinem Grossvater mitgegründete Familienunternehmen ein und übernahm 1966 mit nur 29 Jahren die operative Führung. Im Mai 2026 wurde der Deutsche erneut in den Verwaltungsrat des Konzerns gewählt und hatte seit 2011 das Amt des Ehrenpräsidenten inne.
Noch relevanter als sein Verwaltungsratssitz ist aber Kühnes Rolle als Eigentümer: Seine Kühne Holding AG hielt Ende 2025 55,4 Prozent an Kühne+Nagel. Sämtliche Stimmrechte der Holding wurden direkt oder indirekt von Klaus-Michael Kühne gehalten. Damit kontrolliert er über die Holding die Mehrheit des Milliardenkonzerns. Zusätzlich hält die Kühne-Stiftung 4,7 Prozent am Schweizer Logistikkonzern. Im letzten Jahr setzte das an der Schweizer Börse SIX kotierte Unternehmen rund 28,1 Milliarden Franken um. Über seine Beteiligungsgesellschaft war Kühne mit Hapag-Lloyd auch bei einer der grössten Containerreedereien der Welt investiert. Daneben war Kühne auch grösster Einzelaktionär bei der Swiss-Mutter Lufthansa.
Seit 1975 lebte Kühne in der Schweiz. Sein Vater verlegte den Firmensitz von Kühne+Nagel einige Jahre zuvor ins Schwyzer Schindellegi. In einem Interview mit der «Bilanz» erklärte Kühne zu den Beweggründen seines Vater, die Verlegung sei «in erster Linie wegen der politischen Situation in Deutschland» erfolgt. Man habe die Entwicklung in Deutschland unter dem damaligen Kanzler Willy Brandt mit grosser Sorge verfolgt. Insbesondere die hohen Sozialabgaben und die stärkere Mitbestimmung der Arbeitnehmer seien Kühnes Vater missfallen. Auch die steuerlichen Vorteile spielten beim Umzug eine Rolle, was Kühne offen zugab.