Darum gehts
- Schweizer Einkaufstourismus steigt trotz tieferer Wertfreigrenze von 150 Franken
- Kreative Methoden zur Umgehung der Zollgrenze werden genutzt
- Kundenbesuche aus der Schweiz stiegen um 20 Prozent, Warenwert sank um 25 Prozent
Schweizerinnen und Schweizer strömen immer mehr ins nahe gelegene Ausland, um ennet der Grenze günstig einzukaufen. Seit April 2024 ist das Volumen auf hohem Niveau verharrt, jetzt deuten die Zahlen vom zweiten Quartal 2025 auf ein noch stärkeres Wachstum von 6 Prozent hin. Für den Schweizer Detailhandel ist das eine schlechte Nachricht.
Die Einkaufstouristen scheinen sich von der neu tieferen Wertfreigrenze von 150 Franken nicht beirren zu lassen. Sie werden kreativ, um die Zollgrenze umgehen zu können, erklärt Simon Kühn, Chef des Päcklidienstes Mypaketshop, gegenüber «20 Minuten». Seine Firma ist im deutschen Bad Säckingen beheimatet, knapp zwei Kilometer von der deutsch-schweizerischen Grenze beim Kanton Aargau. Kühn nimmt Pakete für über 30'000 Kunden aus der Schweiz entgegen.
Mehr Kundenbesuche, kleinerer Warenwert
Sein Geschäftsmodell ist simpel: Die Schweizer Kundschaft spart sich die teureren Versandgebühren für Päckli aus der EU, da der Versand nach Deutschland erfolgt. Sie holen die Sendungen dann persönlich ab und müssen auf die gleichen Zollregeln achten wie die klassischen Einkaufstouristen.
Kühn beobachtet täglich, wie sich das Einkaufsverhalten verändert hat. Die Anzahl Kundenbesuche aus der Schweiz ist seit 2025 um einen Fünftel gestiegen. Gleichzeitig bestellen die Deutschland-Shopper einen um 25 Prozent tieferen Warenwert. «Ein Stammkunde erzählte uns erst letzte Woche, dass er seine Wocheneinkäufe jetzt auf drei Abholungen verteile», meint Kühn zur Pendlerzeitung. So schaffen es die Einkaufstouristen, die 150-Franken-Grenze konstant auszutricksen.
Das hat aber auch negative Folgen. «Wir haben nun eine Vielzahl kleiner Einzelabholungen», so Kühn. «Kleinere, aber häufigere Einkaufsfahrten bedeuten einen erhöhten Verkehr und zusätzliche Umweltbelastungen.»