Darum gehts
- Kryptowährungsschwindel in San Pedro betrifft fast ein Drittel der Einwohner
- Argentinische Justiz ermittelt gegen das Schneeballsystem
- Betrugssumme könnte 49 Millionen Dollar hoch sein
Ein schier unglaublicher Betrug spielt sich im argentinischen San Pedro ab. Fast ein Drittel der 70'000 Einwohner wurde Opfer eines Kryptowährungsschwindels. So fielen die Anlegerinnen und Anleger auf eine Investment-App herein, die bis zu zwei Prozent tägliche Rendite versprach. Verschiedene argentinische Medien berichten über den Vorfall.
Die Aussichten für die angeschlagenen argentinischen Bürger waren zu schön, um wahr zu sein. Denn die Plattform entspricht keiner Rechtsform. Sie operiert über Promoter, die in der ganzen Stadt verstreut sind und die Einwohner ermutigen, ihr Geld zu investieren. Die einzige Bedingung: Um Gewinn zu machen, müssen die Anleger lediglich selber neue Teilnehmer rekrutieren. Der klassische Mechanismus eines Schneeballsystems.
Argentiniens Rezession
Die Verlockung war bei der Bevölkerung offensichtlich gross. Und das aus gutem Grund, denn Argentinien steckt in einer massiven Krise. Durch eine der höchsten Inflationsraten der Welt können sich die Bürger schlicht nichts mehr leisten. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt inzwischen unterhalb der Armutsgrenze.
So tönte ein Versprechen mit bis zu zwei Prozent Zinsen pro Tag natürlich wie ein Geschenk vom Himmel. Den Anlegern wurde zudem eingeflüstert, dass sie ihr Geld jederzeit auszahlen könnten. Die Agentur verlangt dann eine Provision von nur fünf Prozent.
Zwei Schauspieler unter Verdacht
Die argentinische Justiz hat Ermittlungen gegen das Schneeballsystem eingeleitet. Verdächtigt werden unter anderem die zwei polnischen Schauspieler Maurycy Lyczko und Filip Wałcerz. Eine Agentur soll die beiden angeheuert haben, um die gerissenen Geldgeber zu spielen. Nach den ersten Gerüchten, dass es sich bei der Investment-App um einen Betrug handeln soll, haben die beiden auf einem Event die Agentur vertreten. Anlegerinnen und Anleger sollten da beruhigt werden.
Der Schwindel nimmt eine schier unvorstellbare Grösse an. Ein Anwalt, der über hundert mutmassliche Opfer vertritt, bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass sie einen Betrug im Wert von 49 Millionen Dollar untersuchen. Für die 15'000 bis 20'000 Menschen, die gemäss dem Bürgermeister von San Pedro betroffen sind, bleibt eine noch härtere Realität.