Darum gehts
- Die Bäckerei Juliette in Erlenbach ZH schliesst nach drei Jahren
- Hohe Preise und fehlende Kundschaft während der Woche führten zur Schliessung
- Ein Croissant kostete 3.50 CHF, Kaffee 6.50 CHF, neues Lokal im Seefeld
Die Goldküstengemeinde Erlenbach ZH verliert einen Beck. Nach drei Jahren schliesst die Bäckerei Juliette ihre Türen für immer. «Juliette – pain d’amour» – so der volle Name – ist eine junge, schnell wachsende Zürcher Bäckereikette, die sich ganz auf französische Backwaren spezialisiert hat. Statt Gipfeli, Weggli und Pfünderli gibts französische Baguettes, Buttercroissants, Éclairs und Pâtisserie. Zu gesalzenen Preisen: Ein Croissant kostet 3.50 Franken, ein Baguette 5.50 Franken. Den Kaffee gibts für 6.50 Franken.
Das ist viel Geld, auch für eine Gemeinde wie Erlenbach mit ihren vielen gut verdienenden Expats. In den Google-Rezensionen werden die Preise denn auch immer wieder kritisiert. «Der Kaffee für 6.50 Franken kommt aus einer Automatenmaschine und war komplett wässrig», beschwert sich eine Kundin. Eine andere meckert: «Der Preis von 14 Franken für zwei Croissants und zwei Pains au Chocolat ist selbst für Zürcher Verhältnisse übertrieben.»
«Alle arbeiten in der Stadt»
Kurz nach der Gründung Anfang 2023 wurde Juliette gefeiert. «Das Baguette ist aussen knusprig und innen luftig und weich. Und aus französischem Mehl gefertigt. Eigentlich ein simples Produkt, besteht es doch nur aus Wasser, Mehl, Salz und Hefe sowie Sauerteig. Und doch ist ein richtig gutes Baguette nicht an jeder Ecke erhältlich», lobte etwa das Gastroportal GaultMillau. Jetzt schliesst der Standort am rechten Zürichseeufer.
Hat sich Juliette verkalkuliert und zu hohe Preise verlangt? Blick fragt beim Co-Gründer Nicolao Colombo (51) nach. Der ist erfrischend offen und räumt ein: «Wir geben den Standort auf, weil er in den drei Jahren nicht rentiert hat», sagt er. Die Konkurrenzsituation – in Erlenbach gibts noch die alteingesessene Confiserie Honold an der Seestrasse, nur 50 Meter entfernt – sei nicht schuld am Aus. «Unter der Woche hatten wir nicht genug Kundschaft, da dann alle Leute in der Stadt Zürich arbeiten», sagt Colombo.
Immerhin: Erlenbach verliert zwar einen Beck, die Angestellten aber nicht ihren Job. Denn Juliette hat im Oktober im Zürcher Seefeld ein neues Lokal eröffnet – also dort, wo viele Erlenbacherinnen und Erlenbacher arbeiten. «Wir hatten die Gelegenheit, eine Filiale an gut frequentierter Lage zu eröffnen», sagt Nicolao Colombo zu Blick. Das Personal aus Erlenbach arbeitet nun im Seefeld. «Weil wir im neuen Laden länger offen haben, mussten wir sogar zusätzliches Personal einstellen.»