Drogenkonsum steigt rasant
In diesen Jobs wird am meisten gekokst

Abwasseranalysen zeigen: Schweizer Städte konsumieren im Schnitt mehr Kokain als europäische Metropolen. Besonders betroffen sind Gastronomie und Bau. Stress und Gruppendruck treiben den Konsum – Experten warnen vor der Normalisierung der Droge im Berufsalltag.
Kommentieren
1/5
Der Kokainkonsum steigt in der Schweiz – und bestimmte Berufsgruppen trifft es am meisten.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Kokainkonsum in der Schweiz steigt
  • Gastronomie und Bauindustrie besonders gefährdet
  • Stress, Arbeitsbedingungen und Leistungsdruck treiben Konsum
Bernadette_Hogg_Journalistin Wirtschaftsdesk_Ringier Medien Schweiz_1.jpg
Bernadette HoggRedaktorin Wirtschaft

Kokain boomt in der Schweiz. Das «weisse Pulver» ist nach Cannabis die am weitesten verbreitete illegale Substanz. Der Konsum der Droge steigt seit Beginn der 2000er stetig – seit etwa 2015 gar rasant. Offizielle Statistiken bergen eine grosse Dunkelziffer. Abwasseranalysen zeigen aber, dass sowohl grössere als auch kleinere Schweizer Städte im Schnitt mehr konsumieren als europäische Grossstädte. Eine neue Studie von Sucht Schweiz zeigt, in welchen Branchen am häufigsten eine Linie gezogen wird:

  • Gastronomie
  • Bauindustrie
  • Kunst und Unterhaltung
  • Lkw-Fahrer
  • Wirtschafts- und Finanzberufe
  • Rechtswesen
  • Fachkräfte im Bereich IT und Kommunikationstechnologie

Besonders die Gastronomie und die Bauindustrie hebt der Bericht hervor. Bei der Gastronomie sollen lange Schichten, Nachtarbeit, die Nähe zu der Partyszene und eine hohe soziale Dynamik zum Kokainkonsum verleiten. Bei den Bauarbeitenden sind es die körperliche Belastung, der Leistungsdruck, die Gruppenatmosphäre und projektbezogene Arbeitsbedingungen, die den erhöhten Gebrauch der Droge stützen.

Koksen wird zum Alltag

Experten sagen, der Konsum gehört bei manchen längst zum Alltag. Besonders Berufs- und Sozialmilieus können dazu verleiten, so die Studie. Männlich dominierte Gruppen sind noch anfälliger: Sie konsumieren deutlich häufiger als Frauen. Wer noch dazu jung ist, ist zusätzlich gefährdet. Erwachsene zwischen 18 und 34 konsumieren gehäuft. 

Gastronomie und Baubranche weisen grad mehrere dieser Risikofaktoren vor: Sie beschäftigen oft junge, männliche Arbeitskräfte, die unter Stress stehen und lange Arbeitszeiten haben. Sie koksen, um länger wach zu bleiben, selbstbewusster zu werden und länger durchzuhalten.

Was den Sucht-Forschern noch aufgefallen ist: Konsumierende sind oft gebildet. Sie haben fast ausschliesslich eine abgeschlossene Berufsausbildung oder einen tertiären Bildungsabschluss. Auch ihre Wohnsituation ist oft stabil. Fast 8 von 10 Befragten, die zwischen 2019 und 2023 wegen des Konsums von Kokain in Behandlung gingen, hatten ein fixes Zuhause.

Gerade weil sie berufstätig und sozial integrierten sind, ist es schwierig, rechtzeitig zu helfen, sagen die Experten. Deswegen ist gezielte Präventionsarbeit in den gefährdeten Berufsgruppen wichtig.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen