Darum gehts
- SAC: 40 % der Gäste sagen Hüttenplatz ab
- Hüttenwarte hören oft Ausreden, zum Beispiel zu Todesfällen
- Eine Gebühr von 10 Franken soll Mehrfachbuchungen stoppen
Für Schweizer Hüttenwarte ist es ein ständiges Ärgernis: Das Essen ist bereits eingeplant, die Betten sind vergeben – doch dann sagen die Gäste kurzfristig ab. Auf die Schnelle findet sich in den Bergen kaum Ersatz. Für die Hütten bedeutet das einen spürbaren finanziellen Schaden.
Eine besonders makabre Ausrede hört Fabio Merzaghi, Hüttenwart der Motterasciohütte im Tessin, immer wieder. «Todesfälle sind der häufigste Grund», erzählt er in der SRF- Dokuserie «Hüttengeschichten». «Eigentlich tut es mir leid, vielleicht stimmt es ja sogar», sagt der Hüttenwart. Doch die schiere Masse macht ihn skeptisch: «An einem einzigen Tag hatte ich angeblich vier Todesfälle.»
Der Hüttenwart findet, dass oben auf der Berghütte dieselben Regeln gelten sollten wie unten im Tal: «Auch bei anderen Plattformen ist es ähnlich: Wenn man ein Hotel bucht, hinterlegt man auch die Kreditkarte, wenn man nicht zum Zahlen kommt. Wir müssen auch leben.»
Ausrede ist bekannt
Diese Tränendrüsen-Ausrede ist auch dem Schweizer Alpen-Club (SAC) von Schilderungen einzelner Hüttenteams bekannt, wie SAC-Sprecher Remo Schläpfer gegenüber Blick bestätigt. «Sie lassen sich aber nicht verallgemeinern», sagt er. Und beziffern lassen sich die Fälle nicht.
Was sich jedoch festhalten lässt: Das Buchungsverhalten der Bergsteiger hat sich verändert – zum Leid der Hüttenwarte. «Es werden mehrere Hütten oder Aktivitäten parallel reserviert, und erst kurzfristig wird entschieden, wo die Verhältnisse oder das Wetter am besten sind», so Schläpfer. Die Zahlen dazu sind brutal: «Die Annulationsquote beim SAC liegt bei rund 40 Prozent.» Ein weiteres Prozent der Gäste taucht als sogenannte No-Shows ganz ohne Absage gar nicht erst auf. «Das erschwert den Hüttenteams die Planung und führt zu finanziellen Ausfällen», betont der SAC-Sprecher.
Bis zu zehn Prozent der Einnahmen
Gäste, die frühzeitig reservieren und erst im letzten Moment oder gar nicht stornieren, sind für die Schweizer Berghütten seit Jahren ein Problem. Kein Wunder, bitten immer mehr Hütten solche Schwänzer zur Kasse. Und das lohnt sich: «Zehn Prozent unseres Einkommens stammen mittlerweile aus No-Show-Gebühren», berichtete Res Streiff, Hüttenwart der Urner Etzlihütte, im Februar dieses Jahres in der SRF-Dokuserie «Winterhüttengeschichten».
Ab 2027 greift der SAC grundsätzlich durch – und führt eine schweizweit einheitliche Reservationsgebühr ein: 10 Franken pro Gast und Nacht. Die Botschaft ist klar: Reservationen sollen wieder als verbindlich wahrgenommen werden. Das Ziel: Nicht nur späte Stornierungen und No-Shows einzudämmen, sondern auch der Unsitte ein Ende zu setzen, sicherheitshalber gleich auf mehreren Hütten gleichzeitig zu buchen. Dann sind auch keine dreisten Ausreden nötig.