Die Plattenspieler drehen wieder
Die Schallplatte feiert ihr Comeback

Vinyl steht heute für bewusstes Hören und erlebt seit gut zehn Jahren eine Wiederauferstehung. Eine Zeit lang sah es um den Fortbestand des Tonträgers aber düster aus.
Kommentieren
Einen Moment stand die Schallplatte vor dem Aus – dann kam die Renaissance.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
Die Zusammenfassung von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.
RMS_Portrait_AUTOR_484.JPG
Olivia Ruffiner
Handelszeitung

Die Entwicklung der Vinylschallplatte ist eng mit dem Wettrennen zwischen Thomas Edison und Emil Berliner verbunden. Beide versuchten, einen Weg zu finden, um Klänge aufzuzeichnen und wiederzugeben. Edison erfand 1877 den Phonographen. Dieser spielte Aufnahmen über das Kurbeln einer Walze ab.

Rund zehn Jahre später stellte Berliner das Grammophon vor. Bei diesem wird eine Hartgummi- oder Schellackplatte aufgelegt, die zuvor mit Einkerbungen versehen wurde. Die Nadel des Grammophons folgt diesen Einkerbungen, wodurch Töne erzeugt werden. Es war der Vorläufer des Plattenspielers.

Peter Carl Goldmark revolutionierte mit der Erfindung der Langspielplatte die Tonträgerindustrie.
Foto: IMAGO/United Archives Keystone

Die heutige Langspielplatte (LP) hat der Physiker Peter Carl Goldmark 1948 für das Musiklabel Columbia Records entwickelt. Sie ermöglicht dank Mikrorillen und dem Material Polyvinylchlorid längere Spielzeiten und eine bessere Klangqualität. Die LP läuft mit 33⅓ U/min (Umdrehungen pro Minute). Kurz darauf brachte RCA Victor die Single mit 45 U/min auf den Markt.

Wie wird eine Schallplatte gemacht?

Bei der Vinylschallplatte wird Musik analog aufgezeichnet. Mikrofone wandeln den Schall in elektrische Signale um, die einen Schneidkopf steuern. Dieser graviert die Musik als durchgehende, spiralförmige Rille in eine Kupferplatte, auch Mutter genannt. Aus ihr entstehen Negativformen – Söhne oder Stamper im Jargon –, die in die Pressmaschinen eingesetzt werden.

Artikel aus der «Handelszeitung»

Dieser Artikel wurde erstmals im Angebot von handelszeitung.ch veröffentlicht. Weitere spannende Artikel findest du unter www.handelszeitung.ch.

Dieser Artikel wurde erstmals im Angebot von handelszeitung.ch veröffentlicht. Weitere spannende Artikel findest du unter www.handelszeitung.ch.

Beide Seiten der Schallplatte werden in einem Pressgang erstellt, indem geschmolzenes Vinylgranulat in die Stamper gedrückt wird. Vinyl war bis 1980 weltweit der dominierende Tonträger der Musikindustrie. Der Höhepunkt der Single erfolgte 1974 mit über zweihundert Millionen verkauften Exemplaren in den USA.

Und dann kam die CD

Die Compact Disc (CD) setzte der goldenen Ära der Schallplatte ein jähes Ende. Der Sensationseffekt war gross: Von der Formatgrösse über die glänzende Beschichtung bis zum Aufnahmeverfahren war alles topmodern. Das erste Album, das gezielt für das CD-Format produziert wurde, war «Brothers in Arms» von Dire Straits.

«Brothers in Arms» von Dire Straits wurde als erstes Album spezifisch für das Medium Compact Disc (CD) aufgenommen.
Foto: ZVG

Der analoge Ton wird in elektrische Signale umgewandelt und danach in eine Abfolge digitaler Werte übersetzt und in Zahlen gespeichert. Auf der CD sind diese Daten als mikroskopisch kleine Vertiefungen codiert, die ein Laser berührungslos liest. Anders als bei Vinyl entsteht hier kein mechanischer Kontakt. «Plötzlich war da ein Medium, das beim Abspielen nicht beschädigt wurde und immer reinen Klang abspielte», sagt Thomas Breitinger, Musikliebhaber und Vorstandsmitglied der Analogue Audio Association Switzerland.

Das Knistern, das heute Vinylenthusiasten so begeistert, wurde der Schallplatte zum Verhängnis. Viele Menschen trennten sich von ihrer Vinylsammlung und ersetzten sie mit CDs.

Totgesagte leben länger

Vinyl war tot – oder fast tot. Im Jahr 2001 wurden in Deutschland mit 600'000 so wenig Vinylplatten wie noch nie gepresst. Knapp 15 Jahre zuvor waren es noch 71,1 Millionen. Die Renaissance von Vinyl begann 2010. Einerseits seien es nostalgische Faktoren, die in diese Retroliebe einfliessen, meint Breitinger. Andererseits seien die Haptik und der künstlerische Eindruck der Hülle nicht zu unterschätzen – zum Beispiel das Bild von Andy Warhol auf dem Album von The Velvet Underground. «In einer Zeit, in der Musik über Knopfdruck abgespielt wird, ist die LP etwas, das man bewusst und aufmerksam geniesst.» Getrieben von jungen Vinylenthusiasten, beginnt es in den Presswerken wieder zu rattern.

Digitec Galaxus und Musik Hug bestätigen auf Anfrage die Beliebtheit. «Wir sehen vermehrt jüngere Kundschaft, die sich bewusst die Alben ihrer grossen Idole auf Vinyl gönnt», heisst es von Musik Hug, die dieses Jahr die Vinyl Station in Zürich eröffnete. Ein Beispiel ist Taylor Swift: Die Sängerin hat mit ihrem neuen Album «The Life of a Showgirl» in der ersten Woche 1,3 Millionen Exemplare auf Vinyl verkauft.

Dass es Vinylplatten überhaupt noch gibt, ist unter anderem den Discjockeys, kurz DJs, zu verdanken. Vinyl war für sie lange ein unverzichtbares Arbeitsmittel, sodass die Presswerke ihren Betrieb nie vollständig einstellten. Parallel dazu haben Sammlerinnen, Audiophile und Indie-Labels dazu beigetragen, dass Vinyl als Liebhaber- und Kultobjekt am Leben blieb – und nun von der jungen Generation genossen werden kann.

Was sagst du dazu?
Liebe Leserin, Lieber Leser
Der Kommentarbereich von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast. Noch kein Blick+-Abo? Finde unsere Angebote hier:
Hast du bereits ein Abo?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen