Darum gehts
- Kalbfleischgehalt in Kalbsbratwürsten im Schweizer Kühlregal schwankt stark zwischen 29 und 62 Prozent
- Laut Detailhändler ist Schweinefleisch und Speck in der Kalbsbratwurst üblich
- Der Verkaufspreis – besonders bei teureren Bio-Produkten – hänge laut Coop nicht nur vom Fleischanteil ab
In der Kalbsbratwurst steckt viel weniger Kalbfleisch, als man aufgrund des Namens erwartet. Eine Untersuchung des Konsumentenschutzes bringt es an den Tag: Bei den analysierten Würsten schwankt der Kalbfleischgehalt zwischen 29 und 62 Prozent. Aber warum ist das so? Und weshalb zahlt man für eine Bio-Wurst oft deutlich mehr, obwohl weniger vom teuren Kalbfleisch enthalten ist? Blick hat bei den Schweizer Detailhändlern nachgefragt, was hinter den Zahlen steckt.
Die Qualité-Suisse-Kalbsbratwurst von Lidl weist mit nur 29 Prozent den geringsten Kalbfleischanteil auf. Wie kann das sein? «Wir halten uns strikt an sämtliche Vorgaben des Schweizer Lebensmittelrechts», sagt Lidl-Sprecherin Nicole Graf zu Blick. Man halte sich eng an die Schweizer Branchenstandards und Qualitätsleitsätze, so Graf. «Unser Ziel ist es, unseren Kundinnen und Kunden qualitativ hochwertige und schmackhafte Produkte zu einem attraktiven Preis anzubieten.» Der Preis der Lidl-Kalbsbratwurst: 83 Rappen. Damit ist sie die günstigste im Vergleich.
Schweinefleisch bringt den Geschmack
In der Blick-Kommentarspalte ist die Haltung der Leserinnen und Leser klar: Schweinefleisch und Speck gehören in eine echte Kalbsbratwurst. Tatsächlich ist das sogar Tradition: Bei der kultigen St. Galler Bratwurst (AOP) ist streng geregelt, dass sie Kalbfleisch und Schweinefleisch sowie Speck enthalten muss. Dazu kommen noch Kalbskopfblock oder Schwarte, Milch und Gewürze.
Auch Lidl, Coop, Migros und Aldi Suisse bestätigen auf Anfrage von Blick, dass Schweinefleisch und Speck übliche Zutaten für eine Kalbsbratwurst sind. Migros-Sprecher Tristan Cerf erklärt den Grund: «Die Verwendung von Schweinefleisch in Kalbsbratwürsten trägt zur typischen Textur und zum Geschmack bei.»
Tierwohl macht die Bio-Wurst teurer
Wer glaubt, dass teurere Würste automatisch auch mehr Kalbfleisch enthalten, der liegt falsch. Der Preis basiert laut den Detailhändlern auf vielen unterschiedlichen Faktoren. Auch Coop bestätigt das. Ihre Bio-Kalbs-Chipollata kostet satte 4.13 Franken, weist aber mit 36 Prozent den zweitgeringsten Kalbfleischanteil auf. «Premium- und Bio-Produkte werden nicht ausschliesslich über den Anteil einer einzelnen Zutat definiert. Massgebend sind die Herkunft der Rohstoffe, höhere Tierwohl-Standards sowie die Gesamtkomposition des Produkts», sagt eine Coop-Sprecherin zu Blick.
Den Vorwurf, dass die Fleischanteile unzureichend gekennzeichnet seien, weisen die Detailhändler zurück. «Die enthaltenen Fleischsorten sind bei unseren Eigenmarken klar ausgewiesen – zum Beispiel in Form von Piktogrammen», betont Aldi Suisse. Auch Coop und Lidl lösen das so.