Das höchste Gebäude der Schweiz
Dieser Turm spaltet die Zermatter

Der Zermatter Hotelier Heinz Julen (62) plant einen 260 Meter hohen Wolkenkratzer mit über 500 Wohnungen, um die Wohnungsnot im Bergdorf zu lindern. Doch sein Projekt stösst auf Widerstand. Es fehlen 250 Unterschriften.
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Hotelier und Architekt Heinz Julen will das Problem auf Zermatter Boden lösen und das Dorf entlasten.
Foto: zVg

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Martin SchmidtRedaktor Wirtschaft

Zermatt leidet wie eine Grossstadt unter Wohnungsnot. Wie in den Ballungszentren liegt die Lösung auch im mondänen Bergdorf im Bauen in die Höhe. Das zumindest glaubt der Hotelier, Künstler und Architekt Heinz Julen (62).

Der Zermatter will 800 Meter vor dem Dorf einen 260 Meter hohen Wolkenkratzer mit über 500 Wohnungen bauen – den Lina Peak. Derzeit ist der Roche-Turm mit 205 Meter das höchste Gebäude der Schweiz. «Die Wohnungsnot in Zermatt ist ein riesiges Problem. Einheimische Familien werden verdrängt.» Zudem fehlten Wohnungen für Saisonniers. «Ich kann deshalb gewisse Betriebe gar nicht oder nur zeitlich beschränkt öffnen», führt Julen aus.

Es fehlen 250 Unterschriften

Nur: Seine Idee will in Zermatt nicht so richtig zünden. Seit November sammelt Julen Unterschriften für die Abstimmung zur Umzonung des Areals von der Landwirtschaftszone in eine Bauzone. Es läuft harzig: «600 Unterschriften sind nötig, 350 haben wir bisher zusammen», sagt er. 

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Das Problem auf dem Zermatter Immobilienmarkt: Preise wie in Zürich, doch Walliser Löhne.
Foto: Getty Images

Dabei ist das Problem gross: Die prekäre Situation auf dem Wohnungsmarkt hat sich in den letzten Jahren weiter verschärft. Die Gründe: Der Platz im Bergtal ist begrenzt, Zermatt reitet touristisch auf der Erfolgswelle und die Immobilienpreise sind in den Himmel emporgestiegen. 

Halb so teuer wie Wohnungen in Zermatt

Sozialer Wohnungsbau à la Zermatt: Von den über 500 Wohnungen muss die Hälfte bezahlbarer Wohnraum bleiben. Die Wohnungen in der oberen Hälfte des 62 Etagen hohen Turms werden auf dem freien Markt verkauft und subventionieren so den günstigeren Wohnraum weiter unten quer. «Einheimische hätten damit die Möglichkeit, zum halben Preis des aktuellen Marktniveaus in Zermatt eine Wohnung zu kaufen», so Julen. 

Damit die Wohnungen günstig bleiben, soll die maximal erlaubte Preissteigerung bei einem Wiederverkauf auf 2 Prozent pro Jahr gedeckelt werden. «Damit wird die Spekulation verhindert.» 

Auf den ersten Blick besticht der Vorschlag von Julen: Das Projekt sieht eine Gondelverbindung ins Skigebiet sowie eine Event-, Sport- und Konzerthalle und ein öffentliches Hallenbad vor. Julen will auch die umliegenden Gemeinden entlasten, die viele Arbeitskräfte aus Zermatt aufnehmen müssen. «Mit Lina Peak könnten wir das Problem auf Zermatter Boden lösen», sagt er. 

Immobilieneigentümer fürchten Wertverlust

Trotzdem gibt es Widerstand, die Bevölkerung ist zwiegespalten. Bedenken lösen unter anderem die Höhe des Turms aus. Aber auch, dass wegen der Anpassung des Raumplanungsgesetzes Bauland in die Reservezone zurückgestuft werden muss. Für Lina Peak soll dagegen eine grosse Fläche massiv aufgewertet werden. Das passt nicht allen. «Die Bodeneigentümer würden ihre Parzellen kostenlos in die Aktiengesellschaft einbringen», sagt Julen dazu. Der Mehrwert, der durch die Umzonung entsteht, fliesse den Einheimischen und Angestellten zu, die sich einmieten oder Wohneigentum kaufen können. 

Den Hauptgrund für die Zurückhaltung im Dorf macht er jedoch andernorts aus. Von den rund 6000 Einwohnerinnen und Einwohnern sind nur knapp 2700 unterschriftsberechtigt, so Julen. «Und unter diesen gibt es viele Immobilieneigentümer, die befürchten, dass ihre Wohnungen wegen der über 500 neuen Wohneinheiten an Wert verlieren könnten.»

Behörden geben sich neutral

Zermatt lebt nicht nur vom Tourismus alleine. Auch im Immobiliensektor werden Millionen gescheffelt. Die vielen Profiteure der Immobiliengeschäfte erklären auch die grosse Zurückhaltung im Dorf, sich öffentlich zum Projekt zu äussern. Ein Positionsbezug zu Lina Peak ist in Zermatt hochpolitisch. 

Aufseiten der Munizipal- und Burgergemeinde will man zudem das Ergebnis einer eigenen Studie zur Wohnungsnot abwarten. «Wir müssen zuerst wissen, wie gross der Bedarf an neuen Wohnungen genau ist», sagt Burgerpräsident Leo Schuler (68) zu Blick. Deshalb sage man derzeit weder Ja noch Nein zu Lina Peak. 

«Falls die Gemeinde eine andere Lösung für das Problem findet, bin ich natürlich offen dafür», so Julen. Er kämpft weiter darum, die fehlenden Unterschriften zusammenzukriegen.

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