Stillstand in der Tourismusbranche: Das Coronavirus hat die Wirtschaft in der Hotellerie und im Gastgewerbe innert Tagen abgewürgt. Niemand weiss, wie lange der bundesrätliche Lockdown noch andauert. Derweil geht den Betrieben langsam das Geld aus. «Nicht einmal der starke Franken hat der Branche derart zugesetzt wie das Coronavirus», sagt Andreas Züllig (61), Präsident des Branchenverbands Hotelleriesuisse. Die Lage sei ernst.
BLICK: Herr Züllig, Sie sind selber Hotelier in der Lenzerheide, beschäftigen 120 Angestellte. Nun liegt der Tourismus am Boden. Wie ist das Befinden?
Andreas Züllig: Wir waren auf dem Weg zur besten Wintersaison in unserer 30-jährigen Geschichte. Dann kam das Virus. Erst wollten wir den Betrieb noch aufrechterhalten, mussten dann aber einsehen, dass es nicht mehr geht. Mit dem bundesrätlichen Lockdown ging unser Winter zu Ende und damit 20 Prozent unseres Umsatzes den Bach runter. Wir sprechen hier von 1,2 Millionen Franken, die ich abschreiben musste.
Wie dramatisch ist die Situation in der Branche?
Der Tourismus steht still. Wir dürfen zwar noch Kunden beherbergen, die aus wirtschaftlichen Gründen unterwegs sind. Ingenieure oder Maschinenbauer, die arbeiten müssen. Das reicht jedoch bei weitem nicht aus, um die laufenden Kosten zu decken. Den Hotels geht das Geld aus. 50 Prozent der Betriebe werden Mühe haben, Ende April ihre Rechnungen zu begleichen. Die Existenzängste sind gross.
Hotels, die schlecht geführt wurden, werden mit grösster Sicherheit eingehen. Aber was ist mit den gesunden?
Vergessen Sie nicht: Wir haben eben erst den Euro-Schock überwunden, mussten unsere Preise drücken, um im Vergleich mit dem nahen Ausland konkurrenzfähig zu bleiben. Das hat dazu geführt, dass die Margen wegbrachen. In dieser Zeit konnten viele Hotels keine Reserven anlegen. Und diejenigen, die etwas auf der hohe Kante hatten, haben es investiert. Jetzt fehlt das Geld. Das ist auch für gesunde Betriebe nur schwer zu verkraften.
Wie lange kann sich die Branche das leisten?
Eigentlich gar nicht. Internationale Gäste werden wir in diesem Jahr kaum noch sehen. Die Hoffnung ruht nun auf den einheimischen Gästen. Aber auch sie werden die verlorenen Umsätze nicht mehr zurückbringen. Zudem wird der Tourismus auch nach einer Lockerung des Lockdowns nur langsam wieder in die Gänge kommen. Wir gehen davon aus, dass wir erst wieder in einem Jahr auf Normalbetrieb umschalten können.
Helfen die vom Bund ergriffenen Massnahmen aus Ihrer Sicht?
Der Bund hat gute Arbeit geleistet. Kurzarbeit hilft uns den grössten Kostenblock zu decken – nämlich die Löhne. Kredite und Darlehen sind nötig, um die Liquidität der Betriebe sicherzustellen. Gleichzeitig stellen die Betriebe Investitionen zurück, die es unbedingt bräuchte. Es ist ein Teufelskreis. Das Hilfspaket des Bundes ist gut – es wird aber nicht reichen.
Rechnen Sie mit Kündigungen?
Wenn wir keine Arbeit haben, müssen wir abbauen. Bislang war dies noch nicht der Fall. Ich will zuversichtlich bleiben. Wir haben viele Stammgäste, die wieder kommen, wenn die Krise vorbei ist. Das gibt uns die nötige Stabilität. Doch nicht alle Hotels, gerade solche in strukturschwachen Randregionen, haben diesen Vorteil. Für die wird es eng.