Darum gehts
Wird ein neues Auto auf den Schweizer Strassen zugelassen, dürfen seine Emissionen einen gewissen CO2-Wert nicht überschreiten. Passiert dies trotzdem, werden Sanktionszahlungen fällig. Und das nicht zu knapp. Rund 98 Millionen Franken sind es für 2025, wie das Bundesamt für Energie (BFE) Ende Juni kommunizierte. Das ist der zweithöchste Wert seit Einführung der CO2-Emissions-Vorschriften 2012. Die Strafzahlung wäre gar doppelt so hoch ausgefallen, hätte das Amt die Berechnungsformel wegen des schleppenden Absatzes der E-Autos nicht angepasst. Berappen müssen das die Schweizer Importeure.
Tief in die Kasse greifen muss die Amag. Rund 66’000 Autos hat die Marktleaderin im vergangenen Jahr auf die Strasse gebracht – und die Vorgaben nicht erfüllt. Für die Importeurin der Autos aus dem VW-Konzern werden daher stattliche 54 Millionen Franken fällig. Ob die Amag dies selbst bezahlt oder mit dem Hersteller teilt, will weder die grösste Autohändlerin in der Schweiz noch der VW-Konzern mitteilen.
Amag-Chef Helmut Ruhl stinken die Abgaben jedoch gewaltig. «Die CO2-Lenkungsabgaben in der Schweiz betragen für den Zeitraum 2012 bis 2025 rund 500 Millionen Franken und im fast fünfzig Mal grösseren EU-Automarkt 510 Millionen Franken für denselben Zeitraum», so Ruhl, der auch die Bussen für leichte Nutzfahrzeuge einrechnet.
Gleichzeitig seien die Mehrwertsteuerausfälle wegen der schwachen Entwicklung des Neuwagenmarkts in den letzten Jahren mehr als doppelt so hoch wie die CO2-Lenkungsabgaben, und beim alten Fahrzeugbestand würden die CO2-Emissionen viel weniger schnell sinken als bei den Neuwagen. Mit anderen Worten: Der behördliche Markteingriff zielt ins Leere.
14 Schweizer Importeure sanktioniert
Von den insgesamt 56 registrierten Importeuren wurden 2025 allerdings nur 14 sanktioniert. Emil Frey, Europas grösste Autohändlerin, brachte fast 38’000 Fahrzeuge auf die Schweizer Strassen und hielt die Zielvorgaben dank der Flottenmischung ein. Resultat: sanktionsfrei.
In der Branche ist das Sanktionsregime jedoch verpönt. Über die Bussen werde de facto das Angebot behördlich gesteuert, sagt ein Händler: Bestimmte Modelle und Verbrenner fielen aus dem Sortiment, weil deren Import die Flottenziele zu stark belastet. Für die Importeure läuft es auf eine simple ökonomische Abwägung hinaus: Was kommt günstiger? Die Sanktionen in Kauf nehmen, um im Gegenzug margenstarke, gefragte Verbrennermodelle auf den Markt zu bringen und die Werkstätten auszulasten – oder das Angebot zugunsten der E-Autos beschneiden und Umsatzverluste riskieren? Amag hat sich offenbar für Ersteres entschieden.