Budget von Coop-Verkäuferin
«Ich zahle 1045 Franken Leasing für meinen Mercedes»

Sara Pal ist vor neun Jahren aus Indien in die Schweiz zurückgekehrt. Heute arbeiten sie und ihr zweiter Ehemann bei Coop. Für die Beobachter-Serie legt die Familie ihr Budget offen.
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Sara Pal (Name geändert) arbeitet 100 Prozent bei Coop, ihr Mann 80 Prozent im Stundenlohn. Gemeinsam haben sie ein Nettoeinkommen von 6840 Franken (Symbolbild).
Foto: Keystone

Darum gehts

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Katrin Reichmuth
Beobachter

Als Sara Pal drei Jahre alt war, wanderten ihre Eltern nach Indien aus. Dort gründete ihr Vater eine Stiftung für mittellose Menschen. Sara Pal wurde Sozialarbeiterin, heiratete jung und bekam fünf Söhne, die heute zwischen 17 und 25 Jahre alt sind.

Nachdem ihr Ehemann vor neun Jahren an einer Krankheit gestorben war, wandte die heute 45-Jährige Indien den Rücken zu. «In Indien ist man als Witwe nur noch ein halber Mensch», sagt Pal, die in Wirklichkeit anders heisst. Ihre Mutter ist Schweizerin, ihr inzwischen verstorbener Vater war Inder. Pal besitzt sowohl den Schweizer als auch den indischen Pass.

Artikel aus dem «Beobachter»

Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.

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In der Schweiz arbeitete sie zuerst als Au-pair, um die Sprache zu lernen. Seit acht Jahren ist sie als Verkäuferin bei Coop tätig. 

Vor fünf Jahren hat Pal wieder geheiratet – einen früheren Kollegen ihres verstorbenen Mannes, der ebenfalls bei Coop arbeitet. Zusammen mit dem 43-jährigen gebürtigen Inder lebt sie in einem kleinen Dorf im Thurgau. Dorthin will sie auch ihre Kinder aus erster Ehe holen. Ein Sohn wohnt bereits mit seiner Ehefrau in der Nachbarschaft. 

In der Beobachter-Serie «Die Abrechnung» zeigt Sara Pal ihren Kontoauszug und erzählt, wie ihr Mann und sie mit ihrem Budget leben. Wie viel Geld steht ihnen zur Verfügung? Wofür geben sie es aus? 

Einnahmen

Ich arbeite 100 Prozent und verdiene netto 3730 Franken, das 13-mal im Jahr. Zudem flicke ich Kleider von Freundinnen und Bekannten. Je nach Aufwand verrechne ich zwischen 2 und 10 Franken pro Kleidungsstück. Dafür nehme ich etwa 100 Franken pro Jahr ein. 

Mein Mann arbeitet 80 Prozent im Stundenlohn. Das sind zirka 30 Stunden pro Woche. Er verdient 24 Franken in der Stunde, was im Schnitt einen Nettolohn von 2800 Franken ergibt. 

Wir haben monatlich somit ein Nettoeinkommen von 6840 Franken.

Ausgaben

Wohnen: Wir wohnen in einer 3,5-Zimmer-Wohnung mit eher älterem Ausbaustandard. Auf 59 Quadratmetern hat sie aber alles, was wir brauchen: Geschirrspüler, einen kleinen Balkon, und sie ist zentral gelegen. Wir sind innert weniger Minuten am Bahnhof. Der monatliche Mietzins inklusive Nebenkosten beträgt 1175 Franken. 

Vom regionalen Elektrizitätswerk erhalten wir alle drei Monate eine Stromrechnung in der Höhe von 200 Franken. 

Die Serafe-Gebühr macht jedes Jahr 335 Franken.

Unterstützungszahlungen: Ich überweise jeden Monat 750 Franken an meine Schwiegertochter in Indien. Sie bezahlt damit die Studiengebühren, das ÖV-Abo und das Essen für meine beiden jüngsten Söhne, die bei ihr leben. Sie sind in einer Privatschule.

Telefon, Internet und Abos: Wir haben beide je zwei Abos, die wir bezahlen. Wir haben beide ein neues Handy gekauft, das inklusive Abo deutlich günstiger war. Die alten Abos laufen aber noch. So zahlen wir beide 22 Franken für das Handyabo bei Coop Mobile und nochmals knapp 10 Franken respektive 34 Franken bei Yallo. Sobald die Kinder aus Indien kommen, können sie unsere Handys mit den Abos übernehmen. 

Das Internetabo kostet monatlich 20 Franken. Wir schauen nicht fern, sondern hören lieber Musik, vor allem beim Bügeln. Dafür benutzen wir Youtube, die Gratisversion.

Versicherungen: Wir haben keine Hausrat- oder Privathaftpflichtversicherung. Weil wir kaum gefährliche Sachen machen, können wir zurzeit darauf verzichten.

Gesundheit: Unsere Krankenkassenprämien für die Grund- und die Zusatzversicherung wären monatlich 776 Franken, aber wir bekommen eine Prämienverbilligung und zahlen zusammen monatlich 208 Franken. Das mit der höchsten Franchise. 

Seit ich in der Schweiz bin, war ich noch nie beim Gynäkologen. Wenn wir krank sind, Fieber haben oder eine Grippe, gehen wir in die Apotheke, holen Medikamente und trinken Tee. Oder wir versuchen alternative Medizin wie TCM. 

Für Gesundheitskosten, die wir selber tragen, budgetiere ich pro Jahr 2500 Franken. 

Ich habe zudem eine Lesebrille, die ich letztes Jahr für 200 Franken bei Fielmann gekauft habe.

Mobilität: Wir arbeiten beide im Kanton Zürich und nehmen für den Arbeitsweg den Zug. Jeder von uns hat ein Halbtaxabo und ein Jahresabo, um an den Arbeitsort zu gelangen. Das kostet zusammen 1600 Franken. 

Hin und wieder machen wir mit dem Zug einen Ausflug, dann kaufen wir eine Tageskarte für zwei, das kostet bei den SBB ungefähr 78 Franken für beide. Oder wir nehmen eine Tageskarte bei der Gemeinde, pro Person macht das dann 46 Franken. 

Insgesamt zahlen wir jedes Jahr 3516 Franken für öffentliche Verkehrsmittel.

Bis vor einem Jahr waren wir nur mit dem ÖV unterwegs. Seit mein Mann den Führerschein hat, leisten wir uns jetzt ein Auto. Wir leasen einen Mercedes-Benz Van, damit wir Ausflüge mit Übernachtungen machen können. Die monatlichen Leasingraten betragen 1045 Franken. In diesem Betrag ist die Versicherung dazugerechnet. Der Parkplatz in der Tiefgarage macht nochmals 120 Franken pro Monat.

Haushalt: Ich kaufe immer bei meinem Arbeitgeber ein und habe 10 Prozent Rabatt. So kann ich monatlich etwa für 50 Franken mit Superpunkten einkaufen.

Ich koche viel indisch, aber genauso viel auch andere Dinge wie Pasta oder Pizza. Monatlich gebe ich ungefähr 500 Franken für Lebensmittel, Putz- und Waschmittel aus. 

Mein Mann geht einmal im Monat zum Coiffeur. Nicht immer zum gleichen. In Winterthur gibt er 47 Franken aus, bei uns im Dorf 27 Franken. Ich schneide meine mittellangen Haare selber und färbe sie auch. Ich nehme immer Produkte von L’Oréal und warte, bis sie zum Aktionspreis erhältlich sind. Für Körperpflegeprodukte und Coiffeur geben wir monatlich zirka 80 Franken aus.

Verpflegung ausser Haus: Wenn ich keine Lust zum Kochen habe oder wir am Mittag nichts zum Mitnehmen haben, gehen wir ins Restaurant, das zur Firmengruppe meines Arbeitgebers gehört. Das kommt so ein-, zweimal pro Woche vor. 

Ein Mittagessen für zwei kostet dann ungefähr 30 Franken, das mit 20 Prozent Mitarbeiterrabatt. 

Ansonsten gehen wir selten auswärts essen. Nur wenn wir einen Ausflug machen oder jemand Geburtstag hat.

Im Schnitt geben wir monatlich 270 Franken fürs Auswärtsessen aus.

Kleidung und Schuhe: Das ist schwierig zu sagen. Ich schätze, im Jahr sind das etwa 2000 Franken. Ich kaufe jedes Jahr neue Unterwäsche für mich und meinen Mann. Das ist mir wichtig.

Meine Lieblingsmarke ist Cecil. Blusen und Tops kaufe ich im Coop City für etwa 40 Franken pro Stück. Zudem kaufe ich uns beiden auch sehr gern Kleider und Accessoires bei Manor. Bei Chicorée kaufe ich meistens Hosen für die Arbeit. Dort kostet eine Jeans 20 Franken. Mein Mann kauft seine Hosen am liebsten in Indien. 

Unsere Schuhe kaufen wir bei Dosenbach. Ich trage entweder Turnschuhe oder Sandalen und habe meine Auswahl genau aufgeteilt: Zwei Paar Schuhe habe ich für den Ausgang, eines für den Alltag, eines für schlechtes Wetter und eines für die Arbeit, plus zwei Paar Sandalen. Mein Mann hat insgesamt vier Paar: zwei für den Ausgang, eines für die Arbeit und ein Paar Sandalen. 

Freizeit: In unserer Freizeit gehen wir gern spazieren. 

Ich spiele Gitarre und Vina, ein klassisches indisches Instrument. Ausserdem bin ich in einem Chor, in dem wir Popsongs wie «This Is Me» von Keala Settle singen. Der Mitgliederbeitrag ist 400 Franken pro Jahr.

Ferien und Ausflüge: Wir haben fünf Wochen Ferien jedes Jahr. Drei Wochen davon gehen wir nach Indien. Die Flüge kosten pro Person meistens 1000 Franken und alles andere wie Essen nochmals 1000 Franken. 

Die restlichen zwei Wochen bleiben wir zu Hause und machen Ausflüge oder besuchen Verwandte im Berner Seeland. Letzten Herbst sind wir zwei Tage nach Grindelwald gegangen mit Freunden. Für vier Personen haben wir alle zusammen 500 Franken gezahlt. 

Alles in allem schätze ich unsere jährlichen Ausgaben für Ferien und Ausflüge auf 3500 Franken.

Geschenke: Meine fünf Söhne bekommen je 200 Franken von mir auf ihren Geburtstag. 

Ich bin eine Person, die gern anderen Menschen eine Freude bereitet und sie beschenkt. Meine Freundinnen bekommen zum Geburtstag meistens Schokolade oder sonst eine kleine Aufmerksamkeit. Auch wenn wir nach Indien gehen, bringen wir unseren Verwandten und Freunden Schokolade oder andere Kleinigkeiten mit.

Ich gebe pro Jahr 1500 Franken dafür aus.

Altersvorsorge: Eine dritte Säule haben wir nicht. Letztes Jahr habe ich mich mal informiert und überlegt, das zu machen, aber unser finanzielles Polster ist momentan zu dünn. 

Spenden: Ich spende immer mal wieder kleinere Beträge, insgesamt sind es etwas über 200 Franken pro Jahr. Zum Beispiel 30 Franken ans Rote Kreuz oder 50 Franken an die Coop-Patenschaft für Berggebiete.

Steuern: Wir haben letztes Jahr insgesamt 2100 Franken gezahlt.

Sparen und Vermögen: Wir können monatlich ungefähr 1000 Franken auf die Seite legen. Unser Notgroschen ist 10’000 Franken.

Unser grösster Luxus

Das Auto. Mein Mann wollte unbedingt eines. Die Autoprüfung mit allem Drum und Dran hat 2000 Franken gekostet.

So fühlen wir uns

Wir haben genug. Wenn ich mehr hätte, könnte ich anderen helfen oder spenden. Ich würde dann meiner Mutter Geld nach Indien schicken, damit sie es über die Stiftung Menschen geben kann, die es brauchen können. 

Logisch wäre eine grössere Wohnung toll, aber die Wohnungen sind teuer geworden. 

Aufgezeichnet von Katrin Reichmuth. 

Hier finden Sie die bisherigen Folgen der Rubrik «Die Abrechnung». 

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