Darum gehts
Olivia Bühler, die in Wirklichkeit anders heisst, ist 36 und lebt mit ihrem gleichaltrigen Partner und den beiden Kindern, 3 und 4, in der Nähe von Basel. Sie studierte Psychologie, arbeitete danach in verschiedenen Institutionen und schloss nebenbei die Ausbildung zur Psychotherapeutin ab. Vor zwei Jahren wagte sie den Schritt in die Selbständigkeit.
Bühlers Partner hat eine Lehre absolviert und arbeitet im Bauwesen. Er ist in einem 80-Prozent-Pensum angestellt, verteilt dieses aber auf fünf Tage in der Woche, sodass er das Mittagessen kochen und die Kinder abholen kann. Aus steuertechnischen Gründen – eine Heirat käme sie jährlich 8000 Franken zusätzlich zu stehen – lebt das Paar im Konkubinat. Bühler und ihr Partner haben jedoch je eine Lebensversicherung abgeschlossen, ein Testament sowie einen Vorsorgeauftrag verfasst und sich bei der Säule 3a sowie der Pensionskasse gegenseitig begünstigt.
Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.
Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.
Beide verdienen in etwa gleich viel und sind sehr um eine faire Verteilung der Finanzen bemüht. Ihr Budget prüfen sie halbjährlich und passen es situativ an, etwa als Bühler in der Vergangenheit weniger arbeitete. Dabei hat jede Person feste Posten, die sie übernimmt. Bühler bezahlt beispielsweise die Kita sowie die Krankenkassenprämien für sich und die Kinder. Ihr Partner kommt für die Hypothekarzinsen und die Rückstellungen für Umbaukosten auf. Die vorliegende Abrechnung bezieht sich daher ausschliesslich auf das, was Olivia Bühler bezahlt. Da sie eine Einzelfirma führt, werden in ihrem Budget die geschäftlichen und privaten Finanzen nicht getrennt ausgewiesen.
In der Beobachter-Serie «Die Abrechnung» zeigt sie ihren Kontoauszug und erzählt, wie sie mit ihrem Budget lebt. Wie viel Geld steht ihr zur Verfügung? Wofür gibt sie es aus?
Einnahmen
Mein Einstiegslohn als Psychotherapeutin in einer Universitätsklinik lag einst bei 5000 Franken netto für ein 80-Prozent-Pensum. Heute arbeite ich in einem Pensum von 45 Prozent, das ich auf vier Tage in der Woche verteile. Das macht etwa vier Stunden pro Arbeitstag. Damit erziele ich ein Nettoeinkommen von 74’100 Franken pro Jahr, was im Schnitt 6175 Franken pro Monat entspricht. Bereits abgezogen sind unter anderem die Beiträge an die AHV, das sind pro Monat ungefähr 530 Franken.
Zusätzlich habe ich Geld angelegt, das jährlich ungefähr 1600 Franken Gewinn abwirft. Dieses Geld lege ich direkt wieder an. Bereits vor der Geburt unserer Kinder habe ich regelmässig investiert.
Ausgaben
Wohnen: Mein Partner und ich haben gemeinsam ein 5,5-Zimmer-Haus aus den 1980er-Jahren gekauft und mit einer Hypothek von 1 Million Franken finanziert. Meinen Anteil von 250’000 Franken konnte ich teils durch einen Erbvorbezug und teils durch mein angespartes Vermögen decken. Das Haus ist renovierungsbedürftig. Die Küche hat beispielsweise schon 20 Jahre auf dem Buckel. Wir halten genau fest, wer wie viel an die Erneuerungen zahlt. Anfang dieses Jahres haben wir für 10’000 Franken neue Fenster einbauen lassen. Diese Kosten habe ich komplett aus meinem Ersparten beglichen.
Mein Partner übernimmt mit seinem Lohn alle restlichen laufenden Hauskosten inklusive Hypothekarzins, weshalb ich selbst nichts in das Wohnkonto einzahle.
Für meine Arbeit miete ich ein Zimmer in einer Gemeinschaftspraxis. Für Miete und Parkplatz zahle ich monatlich 395 Franken.
Telefon, Internet und Abos: Mein Handyabo kostet mich monatlich 25 Franken, für Spotify gebe ich für meinen Partner und mich weitere 22 Franken aus.
Das Internet für unser Zuhause und den Streamingdienst Disney Plus bezahlen wir über das Haushaltskonto, das kostet monatlich 17 Franken.
Externe Kinderbetreuung: Die Kita kostet uns aktuell knapp 2000 Franken im Monat für zwei ganze Tage. Sobald die Kinder in den Kindergarten kommen und nur noch halbtags betreut werden müssen, werden diese Kosten um etwa 1000 Franken sinken.
Versicherungen: Für die Berufshaftpflicht meiner Firma zahle ich 35 Franken pro Monat.
Die Prämien für die Gebäude-, Hausrat- und Haftpflichtversicherung werden jeweils am Jahresende fällig und mit dem 13. Monatslohn meines Partners bezahlt.
Gesundheit: Die monatlichen Krankenkassenprämien für die Grund- und Zusatzversicherung für meine Kinder und mich belaufen sich monatlich auf 586 Franken. Mein Anteil macht dabei 394 Franken aus, da ich die höchstmögliche Franchise gewählt habe. Für die Kinder zahle ich zusammen 192 Franken.
Für die Franchisen und Selbstbehalte sowie Zahnarzt, Gynäkologin und Dentalhygiene fielen letztes Jahr 2593 Franken an. Da ich Brillenträgerin bin, brauche ich regelmässig neue Gläser. Diese haben beim letzten Optikerbesuch 440 Franken gekostet, wobei ein Teil von meiner Zusatzversicherung gedeckt wurde.
Mobilität: Da wir auf dem Land leben, bin ich jeden Tag mit dem Auto unterwegs. Der Weg zu meiner Praxis dauert 20 Minuten. Jeder von uns nutzt eines unserer beiden Autos. Das Familienauto, das 36’000 Franken gekostet hat, haben wir hälftig aus unseren jeweiligen Ersparnissen finanziert. Zudem konnten wir das alte Auto meiner Mutter übernehmen. Monatlich zahlt jeder 200 Franken auf unser Autokonto ein, womit wir die Motorhaftpflicht und Motorfahrzeugsteuern decken.
Benzin bezahlt jeder separat. Ich schätze, das macht bei mir zwischen 60 und 80 Franken aus.
Für den öffentlichen Verkehr, darunter ein Halbtax-Abo und gelegentliche Ausflüge nach Basel und Zürich, gebe ich rund 400 Franken pro Jahr aus.
Haushalt: Jeden Monat überweise ich 1500 Franken in unsere gemeinsame Haushaltskasse, mein Partner steuert 1000 Franken bei.
Davon bezahlen wir Lebensmittel, Badi-Eintritte und alles andere, was für die Kinder anfällt. Auch Kleider für die Kinder werden übers Haushaltskonto bezahlt. Schuhe kaufen wir meist neu, die Schuhmarke Pepino hat sich bewährt, Stiefel holen wir aus der Landi. Die Kleider erwerben wir oft auf Ricardo oder Flohmärkten. Ich bin froh, wenn die Giftstoffe bereits herausgewaschen wurden.
Für den Wocheneinkauf in der Migros rechne ich mit etwa 200 Franken, wobei mir auffällt, dass alles teurer wird. Wir kochen sehr viel selbst, essen viel Teigwaren und grillieren im Sommer oft. Einmal wöchentlich steht Fleisch auf dem Speiseplan, abends gibt es oft auch eine kalte Mahlzeit.
Etwa zweimal im Monat kommt eine Reinigungskraft für drei Stunden, die putzt und die Betten frisch bezieht. Das kostet rund 180 Franken monatlich, wird vom Haushaltskonto beglichen und bringt uns enorme Lebensqualität und Entlastung. Zudem müssen wir so nicht über Ämtli streiten.
Für Körperpflege, Kosmetik und Coiffeur budgetiere ich 500 Franken im Jahr. Dreimal jährlich lasse ich mir beim Coiffeur für jeweils 80 Franken die Spitzen schneiden. Die Kinder gehen alle fünf Monate für 20 Franken zum Haareschneiden. Ich selbst nutze kaum Schminke und bestelle Shampoo oder Deo online.
Verpflegung ausser Haus: Mein tägliches Mittagessen, meist ein Sandwich oder ein Salat, kostet mich rund 8 Franken.
Etwa einmal pro Monat gehen wir als Familie auswärts in ein thailändisches Restaurant oder eine Pizzeria essen, und einmal monatlich treffe ich mich mit meinem Partner zum Mittagessen. Insgesamt macht das rund 200 Franken pro Monat.
Kleidung und Schuhe: Für meine Kleidung und Schuhe gebe ich etwa 500 Franken im Jahr aus. Meinen Stil beschreibe ich als sportlich und praktisch. Bei der Arbeit trage ich am liebsten Sneakers. Mode hat mich noch nie gross interessiert. Neue Hosen kaufe ich gern bei H&M, da mir der Schnitt passt. Kürzlich waren es kurze Hosen für 20 Franken. Meistens bestelle ich jedoch online und suche gezielt nach reduzierten Artikeln, die mir gefallen. Diesen Sommer habe ich mir ausnahmsweise ein schwarzes Badekleid mit rosaroten Punkten für 70 Franken gegönnt.
Freizeit: Wir müssen nicht ständig Leute treffen und geniessen die Zeit am liebsten zu viert zu Hause oder mit unseren Familien.
Als abendliche Herausforderung habe ich begonnen, Pullover für mich zu stricken. Da die Wolle teuer ist, kostet mich dieses Hobby 70 Franken im Monat. Zudem lese ich sehr viel und tausche mich mit Freunden ehrlich über die Hürden des Elternseins aus. Für Fachliteratur und Bücher, etwa von meiner derzeitigen Lieblingsautorin Nora Imlau, gebe ich jährlich 450 Franken aus. Ihre Plädoyers, sanfter mit sich als Eltern umzugehen, schätze ich sehr.
Verbandsbeiträge, Mitgliedschaften: Für meine Berufsverbände und die Abrechnungsplattform meiner Rechnungen zahle ich monatlich 100 Franken. Das hilft mir bei der Interessenvertretung, bietet ein Qualitätssiegel, Rechtsauskunft und vernetzt mich als Psychotherapeutin.
Zudem haben wir eine Familienmitgliedschaft bei der Schweizer Paraplegiker-Stiftung für 90 Franken und sind Gönner bei der Rega. Zusammen macht das 170 Franken pro Jahr.
Ferien und Ausflüge: Wir nehmen uns viel freie Zeit als Familie, mit je zwei Wochen Ferien an Weihnachten, im Sommer und im Herbst. Einmal im Jahr fahren wir mit dem Auto ans Meer oder mieten ein Haus auf einem Campingplatz. Diesen Herbst reisen wir ins Wallis, wo wir für sehr günstige 350 Franken pro Woche das Ferienhaus von Bekannten mieten können.
Die restliche Ferienzeit verbringen wir gern daheim mit Tagesausflügen. Wir fliegen grundsätzlich nicht mehr – der Umwelt zuliebe und weil wir uns zu Hause am wohlsten fühlen. Ich erinnere mich noch gut an die ersten gemeinsamen Ferien mit meinem Partner auf Teneriffa, lange vor den Kindern: Damals wollten wir am liebsten schon nach einer Woche wieder nach Hause.
Die Ferientrips und Ausflüge decken wir mit 250 Franken monatlich ab.
Geschenke: Mein Partner und ich beschenken uns gegenseitig nicht. Für die Kinder haben wir ein Sparkonto eingerichtet, auf das wir – genau wie die Grosseltern – regelmässig Beträge einzahlen. Zum Geburtstag meiner Nichten und Neffen gibt es Geschenke, und für meine beiden Gottikinder zahle ich monatlich je 5 Franken ein. Insgesamt budgetiere ich für Geschenke ungefähr 50 Franken im Monat.
Spenden: Ich spende jährlich 150 Franken an ein Kinderhospiz.
Steuern: Meine Steuerrechnung beläuft sich auf 7701 Franken pro Jahr. Für die Buchhaltung meiner Firma sowie das Ausfüllen der Steuererklärung zahle ich einem Treuhänder 540 Franken jährlich.
Altersvorsorge: Als die Kinder noch Babys waren und ich weniger arbeitete, hat mein Partner den Mindestbetrag an die AHV für mich bezahlt. Als Selbständigerwerbende kann ich nun bis zu 20 Prozent meines Erwerbseinkommens in die Säule 3a einzahlen.
Letztes Jahr waren es knapp 14’000 Franken. Zur zusätzlichen Absicherung, falls er stirbt oder invalid wird, hat mein Partner eine Lebensversicherung abgeschlossen.
Sparen und Vermögen: Auf der hohen Kante habe ich rund 100’000 Franken, was teilweise auf Schenkungen zurückzuführen ist. Mein Partner hat noch etwas mehr Geld beiseitegelegt.
Ich habe jeden Monat ein Minus von 1600 Franken. Um dieses finanzielle Loch zu stopfen, nehme ich das benötigte Geld von meinen Ersparnissen.
Mein grösster Luxus
Beim Einkaufen oder auf dem Markt nicht jeden Rappen umdrehen zu müssen. Es ist ein Privileg, spontan nach Lust und Laune einkaufen zu können. Dafür bin ich unendlich dankbar.
Auch die Einrichtung meines Büros habe ich mir etwas kosten lassen: Ich habe drei neue Sessel für 1700 Franken gekauft. Sie waren nicht reduziert.
So fühle ich mich
Ich fühle mich extrem privilegiert und schäme mich manchmal fast dafür, dass ich für so viel Geld vergleichsweise wenig arbeiten muss und meine Arbeitszeiten frei einteilen kann.
Gleichzeitig habe ich jedoch oft das Gefühl, dass das Geld knapp ist. Da unser gesamtes Einkommen über Daueraufträge direkt wieder abfliesst, staune ich immer wieder darüber, wie wenig uns am Monatsende effektiv übrig bleibt. Oft frage ich mich, wie Familien das machen, die nur ein einziges Einkommen haben. Ich hätte gern einen grösseren Puffer für gesundheitliche Notfälle, weil mein Partner in dieser Hinsicht wesentlich unbeschwerter durchs Leben geht. Dennoch bin ich stolz, dass ich als Mutter von kleinen Kindern zum Haushaltseinkommen beitrage, gut fürs Alter vorsorge und weiss, dass ich uns im Ernstfall auch ohne Partner finanzieren könnte. Diese finanzielle Unabhängigkeit schenkt mir eine wertvolle Freiheit, die vielen Müttern verwehrt bleibt, da sie nach wie vor stark vom Partner abhängig sind.