Darum gehts
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Er hat Trikots organisiert, die wir im lokalen Fanshop abholen müssen, und so laufen wir forschen Schrittes durch die Altstadt von Lecce. Wir kommen aber trotzdem nur langsam voran, weil Boris Collardi hier offenbar jeden kennt und mal hier, mal dort ein Schwätzchen hält.
Das beginnt schon vor seinem Haus gerade beim Domplatz, wo wir uns treffen: Mit den Ladenbesitzern von gegenüber werden ein paar Worte gewechselt, auch die schwarzen Strassenhändler an ihrer Ecke kennt er und grüsst sie herzlich.
Dieser Artikel wurde im dem Magazin «Bilanz» veröffentlicht. Weitere spannende Artikel finden Sie unter www.bilanz.ch
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Ein paar Schritte weiter fährt ein Polizeiauto vorbei, Boris Collardi (52) winkt den Polizisten zu, sie halten mitten auf dem Platz, der Fahrer steigt aus, um etwas zu plaudern. Das sei der Chef der lokalen Polizei, erklärt Collardi, als wir weitergehen. Dieser sei zuständig für den Zentrumsbereich in der Altstadt, wo ja auch sein Haus stehe.
Da ist er daheim
Collardi ist fest in der Region verankert. Seine Familie stammt von hier, der Grossvater hatte etwas ausserhalb der Stadt einen kleinen Landwirtschaftsbetrieb. Er pflanzte Oliven und Weintrauben an, die er an die lokalen Kooperativen verkaufte. Es war ein Leben in einfachen Verhältnissen. Der Vater wanderte 27-jährig aus, in die Westschweiz, wo Boris Collardi 1974 geboren wurde. Er wuchs in Nyon auf. Sein Vater war rund 30 Jahre in Diensten der Schweizer Firma Messerli, als Verkaufsleiter für die Westschweiz. Der Sohn wurde nach der Matura und einem Ausbildungsprogramm bei der Credit Suisse, wo er seine ersten Karriereschritte machte, zu einem der bekanntesten Banker der Schweiz, als CEO der Bank Julius Bär von 2009 bis 2017 und von 2018 bis 2021 als Partner des noblen Genfer Geldhauses Pictet.
Als er ein Kind war, sei die Familie praktisch jedes Jahr hier in die Region in die Ferien gefahren, heute verbringe er selber mit seiner Familie im Sommer meist ein paar Wochen hier, erzählt der schweizerisch-italienische Doppelbürger. Dann werden Gäste eingeladen, gerne auf sehr italienische Weise auch mal ein Dutzend oder mehr, und auf der Dachterrasse mit Blick auf den Dom wird ausgiebig gespeist.
So ist es kein Wunder, dass auch der lokale Fussballclub US Lecce heute Teil seiner Welt ist. Zurück geht das Ganze im Grunde auf seine Wandlung vom Banker und Bankchef zum Investor.
Zäsur in seinem Leben
Das Jahr 2021 war für ihn eine Art Zäsur. Fast 20 Jahre hatte er in operativen Rollen gewirkt, war mit erst 34 Jahren als jüngster Bankchef der Schweiz zum CEO von Bär gekürt worden und hatte danach mit dem Wechsel zur Traditionsbank Pictet, quasi dem Goldstandard im Private Banking, im perfekten Karrierealter von Mitte 40 noch eins draufgesetzt.
Doch bei den noblen Banquiers privés wurde der quirlige und dynamische Collardi nie richtig heimisch, die strikt auf Konsens ausgerichteten und oft sehr langsamen Entscheidungsprozesse entsprachen nicht seinem Naturell. Er selbst hat es 2023 in einem Interview mit der «Financial Times» als «mangelnde kulturelle Passung» beschrieben.
Ein schwieriges Jahr
Er will darüber nicht viele Worte verlieren, das Ganze sei für ihn schon sehr weit weg. «Es war wie in einer Beziehung: Man merkt immer mehr, dass es für beide Seiten nicht mehr stimmt», sagt er heute dazu. Es sei für beide Seiten keine leichte Entscheidung gewesen, es gebe aber keine «bad feelings», er pflege auch heute noch gute Kontakte zu seinen ehemaligen Partnern.
2021 war auch sonst ein schwieriges Jahr: Im Januar hatte die Finanzmarktaufsicht (Finma) Collardi wegen Mängeln bei der Geldwäschereibekämpfung im Zusammenhang mit alten Fällen aus seiner Zeit bei Julius Bär gerügt, was breit durch die Presse ging. In seinen Zeiten bei Bär hatte er sich den Ruf erworben, vor allem an starkem Wachstum interessiert zu sein, die Compliance hinkte mitunter hinterher.
«Ich bin ein Optimist»
Auch wenn das damals andere Zeiten waren und, wie er selber betont, die Sache mit der Rüge endgültig erledigt war und die Finma bei seinem Abgang bei Pictet auch keine Rolle gespielt habe, soll ihm die geballte Kritik damals emotional stark zu schaffen gemacht haben, wie Vertraute erzählen.
Im September 2021, nach dem Abgang bei Pictet, «stand ich zum ersten Mal im Leben ohne etwas da», sagt er. Er war noch nicht einmal 50. Für ihn der Moment, in sich zu gehen. «Ich bin ein Optimist», sagt er, «und sehe auch in schwierigen Lagen zunächst die neuen Opportunitäten. Daraus schöpfe ich letztlich auch Kraft.»
Ein grundlegender Wandel
Er beschloss, das Ganze als Anlass für einen grundlegenden Wandel zu nehmen – für den Wechsel aus der Welt des operativen Managements in jene eines Unternehmers und privaten Investors. Und zwar zu einem bedeutenden Teil in einem Bereich, den er auch als Banker seinen wohlhabenden Privatkunden stets ans Herz gelegt hatte: Private Equity, also Anlagen in nicht an der Börse kotierte Gesellschaften.
Das Vehikel dazu hatte er schon: seine 2015 gegründete private Gesellschaft The Private Investment Office (TPIO), die ursprünglich nahe seinem damaligen Wohnsitz in Schindellegi SZ war und heute in Zug domiziliert ist. TPIO, quasi sein privates Family Office, nutzte er schon zu seiner aktiven Zeit bei Bär. So investierte er in den Impact-Investment-Pionier Blue Orchard, der 2019 an den britischen Vermögensverwalter Schroders verkauft wurde – «mit schönem Gewinn», wie Collardi sagt.
Einstieg bei EFG
Zunächst legte er aber noch im angestammten Bereich so richtig los. Im April 2022 kaufte er für rund 80 Millionen Franken 3,6 Prozent der Aktien der börsenkotierten Privatbank EFG. «Der Kauf ist zu 100 Prozent über mein privates Vermögen finanziert», sagte er damals zu BILANZ. Er habe die Familie Latsis, Grossaktionärin bei EFG, auf deren Initiative zu einem Mittagessen getroffen und selber die Idee aufgebracht, sich zu engagieren, sagt er. Sie habe sehr positiv auf seinen Vorschlag reagiert.
Im Oktober 2022 wurde er dann auch in den Verwaltungsrat von EFG gewählt, wo er seither in Schlüsselgremien wie dem Vergütungs- und dem Akquisitionskomitee wirkt und auch beratend fürs Asien-Geschäft tätig ist – als Chairman des Asia Advisory Board.
Ein 100-Millionen-Gewinn
Sein Investment war ein Volltreffer, wie sich bald zeigen sollte: Die EFG-Aktie hob in den Jahren darauf richtig ab, erst dieses Jahr wurde der fulminante Anstieg gebremst und die Aktie seit Jahresbeginn um rund 16 Prozent zurückgestutzt (Stand 22. Oktober). Insgesamt sind aus seinen investierten 80 Millionen rund 180 Millionen Franken geworden.
Im Mai 2022 folgte sein Einstieg bei der US Lecce. Es war eine Mischung aus Private-Equity-Investment und Herzensangelegenheit, wie Collardi beschreibt. Allerdings eine, die auch aus finanzieller Sicht aufgegangen ist. Collardi beteiligte sich zu zehn Prozent am Club. Dies im Konsortium mit zwei Freunden. Da ist einerseits Alvin Sariaatmadja, indonesischer Unternehmer und Präsident des Medien- und Technologiekonzerns Emtek. Sariaatmadja ist seit Jahren ein enger persönlicher Freund, bei seiner Hochzeit war Collardi Trauzeuge. Pascal Picci wiederum, den in der Schweiz viele aus seinen Tagen beim Formel-1-Team Sauber kennen, wo er eine Zeit lang Präsident war, stammt ebenfalls aus dem Salento.
Der Club steigt auf
Der Aufstieg des Clubs, der lange in der C- und B-Liga herumdümpelte, begann 2015, als eine Eigentümergruppe um den heutigen Präsidenten Saverio Sticchi Damiani, einen lokalen Rechtsanwalt und Professor für Verwaltungsrecht, das Ruder übernahm. Sticchi Damiani gilt als Architekt der Wiedererstarkung der US Lecce, heute hält er persönlich mit 54,6 Prozent die Mehrheit. Er stabilisierte die Führung, professionalisierte die Organisation und verordnete dem Club finanzielle Disziplin.
Wir treffen den Präsidenten zum Interview in jenem Hotel, in dem sich die Spieler vor den Heimspielen jeweils einfinden. Die Spieler essen dann zusammen, und danach geht es früh in die Zimmer, der Ausgang ist verboten, Freundinnen und Ehefrauen müssen aussen vor bleiben, die Spieler sollen sich auf den bevorstehenden Match konzentrieren.
Knapp in der Serie A
Collardi war 2022, kurz vor dem Wiederaufstieg der US Lecce in die Serie A, eingestiegen. Der lange kriselnde Club wurde damals auf einen Wert von rund 20 Millionen Euro geschätzt, das Trio um Collardi zahlte für seinen Anteil rund 2 Millionen. Heute werde der Wert auf 100 bis 120 Millionen geschätzt, womit sich dieses Investment rund versechsfacht hat.
Seit der Saison 2022/23 kann sich der Club nun schon ununterbrochen in der Serie A halten, und dies mit dem kleinsten Budget aller Clubs in dieser Liga, wie Sticchi Damiani betont. Dies allerdings stets nur knapp: In der letzten Saison konnte der Ligaerhalt erst im allerletzten Spiel gesichert werden.
Ein schweres Spiel
Bevor die Spieler in ihre Hotelzimmer verschwinden, stellt uns Collardi noch jene mit Schweizer Bezug vor, unter anderem den erst diesen August dazugestossenen Joël Almada Monteiro, einen Schweizer Nationalspieler mit portugiesischen Wurzeln, der vorher bei den Berner Young Boys war. Ein schweres Spiel steht an, aber die Jungs sind guten Mutes.
Bei unserem Besuch in Lecce steht das Spiel gegen Bologna auf dem Programm. Der Gegner, der noch in der Saison 2024/25 in der Champions League spielte, ist schlecht in die Saison gestartet, ist aber angesichts der gloriosen Vergangenheit natürlich besonders hungrig, zu zeigen, was im Team steckt.
Am Spieltag reihen wir uns in die Wagenkolonnen vor dem Stadio Via del Mare ein, 31 500 Zuschauer passen rein, das Stadion sei praktisch bei jedem Heimspiel ausverkauft, hat uns Sticchi Damiani am Vorabend erzählt: «Fussball ist hier so etwas wie eine Religion.» Das Einzugsgebiet des Clubs reiche weit in die Region Salento hinein, grob gerechnet ein Potenzial von rund 800 000 Personen. Wir dürfen mit Collardi in die Katakomben, die Spieler beider Mannschaften laufen an uns vorbei, sie nicken höchstens kurz, die Konzentration gilt dem anstehenden Match.
Kampf um den Platz
Das Wetter ist wechselhaft, wir werden einige heftige Regenschauer über uns ergehen lassen müssen, aber die Fans sind guten Mutes und feiern auf den Rängen. Das Spiel selber dann ist aus Lecce-Sicht durchzogen. Das Heimteam tritt zwar beherzt auf, aber Bologna wirkt gefährlicher und schiesst in der 17. Minute mit einem sehenswerten Fallrückzieher das 0:1.
Nach der Pause kommt Lecce energisch aus der Kabine zurück und kann in der 64. Minute ausgleichen. In der 75. Minute schiesst Bologna aber an der nachlässigen Lecce-Verteidigung vorbei das 1:2, was dann auch das Endresultat ist. Collardi nimmts gelassen, er weiss, dass sein Team in der Serie nicht zu den Favoriten gehört und wohl auch dieses Jahr um seinen Platz in der Serie A kämpfen muss.
Viele Investments in Italien
Sein Investment in die US Lecce ist nur eines seiner heutigen Private-Equity-Investments, von denen sich auffallend viele in Italien befinden. So ist er bei The Longevity Suite aus Mailand dabei, die eine Kette von Anti-Aging-Kliniken betreibt. Roboze aus Bari wiederum macht 3D-Drucker. Er investiere jeweils «eine tiefe einstellige Prozentzahl» in diese Firmen. Eine Ausnahme ist die Autodesign-Firma Ares aus Modena, wo er 20 Prozent halte. Aber auch in Frankreich ist er aktiv, so ist er bei der Luxus-Beratungsfirma Luxurynsight in Paris eingestiegen.
In der Schweiz ist es nebst seinem Engagement bei EFG vor allem das Weingut Bec d’Or in Rolle am Genfersee, wo er viel Zeit aufwendet. Er hat jüngst sogar die Winzerprüfung gemacht und bestanden, wie er erzählt. Die nicht eben leichte Fachprüfung gibt ihm wohl auch ein gutes Standing bei den lokalen Winzern, was ihm wichtig ist.
Auch Start-ups und Immobilien im Portfolio
Bei Start-ups wie Footbao, einer Fussballtalent-Plattform, die er mitgegründet hat, bringt er nebst seinem Geld auch seine Erfahrung im Beirat ein. Unter den Investoren und Beratern von Footbao ist auch der Schweizer Nati-Trainer Murat Yakin.
Einen immer wichtiger werdenden Teil stellen seine Immobilienprojekte dar. In Rolle hat er die Gelegenheit gepackt, direkt am See ein Gebäude mit Anbau zu kaufen, dessen Verkauf durch die Eigentümergemeinschaft lange blockiert war. Ebenfalls in Rolle und ganz in der Nähe seiner Weinberge baut er ein grosses, altes Gebäude zu sieben Wohnungen um. In Biel und Neuenburg hat er mehrere Wohnblöcke, «keine Spekulationsobjekte, sondern Wohnungen, die regelmässig und berechenbar Miete einbringen».
Seit diesem Jahr ist er auch im Verwaltungsrat der Schmuck- und Uhrenfirma Chopard. Die Familie Scheufele suchte gezielt nach einer etwas jüngeren Person, um das hohe Durchschnittsalter im Rat zu senken. Seine verschiedenen Tätigkeiten würden sich immer wieder auch gegenseitig befruchten, so hälfen ihm etwa seine Erfahrungen bei Luxurynsight auch bei Chopard und umgekehrt.
Bei der Managementschmiede IMD amtet er im Foundation Board, und auch der Kulturwelt ist er nahe; bei der Fondation Paulo Coelho, der Stiftung des lateinamerikanischen Schriftstellers (bekanntestes Werk: «Der Alchimist»), ist er ebenfalls im Board.
Der Familienvater
Und nicht zuletzt ist da natürlich noch seine Rolle als Familienvater. Er ist zum zweiten Mal verheiratet, seine zweite Frau Emily stammt aus Kanada, ist aber asiatischer Herkunft; ihre Eltern stammen aus Hongkong. Sie war ebenfalls lange Bankerin, war in Diensten der US-Bank Goldman Sachs.
Kennengelernt hat er sie an einem Branchenkongress in Luxemburg. Er hat drei Kinder, zwei Töchter im Alter von vierzehn und sieben Jahren und einen Sohn im Alter von drei Jahren. Die Adoptivtochter aus erster Ehe wurde ihm im Rahmen der Trennung zugesprochen, inzwischen ist sie von seiner zweiten Frau adoptiert.
Zehn-Millionen-Villa in Genf
Die Familie lebt in Genf und steht davor, in die Zehn-Millionen-Villa direkt am See in Bellevue bei Genf einzuziehen, die Collardi jüngst dem französischen Karikaturisten Philippe Chappuis abgekauft hat, wie in der Presse zu lesen war. Das Haus finanzierte er durch den Verkauf von 500 000 EFG-Aktien, wodurch sein Anteil leicht sank. Die Umbauarbeiten seien in vollem Gang. Er hat zudem ein Chalet in Crans-Montan a, wo sich die Familie oft übers Wochenende aufhält, gerade im Winter: Collardi ist ein begeisterter Skifahrer und Snowboarder und will diese Leidenschaft auch seinen Kindern vermitteln.
BILANZ schätzt das Gesamtvermögen von Collardi heute auf 200 bis 250 Millionen Franken. Seine Investments sind unterschiedlich erfolgreich. Als positive Beispiele in seinem Portfolio nennt er – wenig überraschend – das EFG-Engagement, aber auch The Longevity Suite, wo es gut laufe. Setzte die Anti-Aging-Kette bisher vor allem auf einfachere Sachen wie Massagen, Saftkuren und Kryotherapie, würden sich die Zentren derzeit immer mehr zu eigentlichen kleinen Kliniken entwickeln, mit Ärzten vor Ort. Luxushotels gehörten zunehmend zu den Kunden und zuletzt immer mehr auch grosse Yachten, wo die Superreichen direkt an Bord ihren vielfältigen Anti-Aging-Bedürfnissen nachgehen können.
Die Investments laufen gut
Gut stünden die Aussichten auch beim 3D-Drucker-Unternehmen Roboze, das kürzlich seinen Hauptsitz von Bari nach Houston verschoben hat. Grund dafür sei, dass die meisten Grosskunden in den USA seien. Jüngst wurde im Rahmen einer Finanzierungsrunde neues Kapital eingeschossen.
Weniger gut gelaufen ist das Investment in Ares. Sein erstes Investment musste er abschreiben, er gibt die Sache aber nicht auf und hat nochmals frisches Kapital eingeschossen und hält nun – entgegen seinen Grundsätzen eines einstelligen Prozentsatzes – 20 Prozent am neu als Ares Atelier firmierenden Unternehmen. Es seien ganz neue Leute an Bord, etwa der italienische Autoteilehersteller Proma Group unter CEO Luca Pino; daher glaube er an den Relaunch. Das seien alles hervorragende Kenner des Geschäfts
Sogar das englische Königshaus trinkt seinen Wein
Besonders stolz ist er auf sein Weingut. Die Weine von Bec d’Or erhalten von Weinkennern Bestnoten, zu seinen Kunden zählen edle Genfer Häuser wie das «Des Bergues» oder das «Mandarin Oriental», den Wein gibt es auch im berühmten Restaurant Hôtel de Ville in Crissier mit drei «Michelin»-Sternen. Sogar Vertreter des englischen Königshauses hätten schon von seinem Wein gekostet, erzählt er, und zwar bei einer Einladung von Bundesrat Guy Parmelin, der seinen Gästen ein paar feine heimische Tropfen kredenzte.
Lagen die Schwerpunkte der Aktivitäten seit der vollständigen Übernahme durch die Familie Collardi vor sechs Jahren auf dem Weinbau und der Kellertechnik, etwa der Umstellung auf biologischen Anbau, will er nun die historischen Betriebsgebäude umbauen und renovieren – das Hauptgut ist in die Jahre gekommen. Gläserne Decken und Böden, die den Blick auf die Holzfässer freigeben, gehören ebenso zum Plan wie der Einbau einiger Gästezimmer. Angesichts der Vorgaben des Denkmalschutzes und der Bauvorgaben in einer Landwirtschaftszone sei das alles natürlich eine sehr anspruchsvolle Sache, aber eine, die er mit viel Herzblut betreibe. Trotz der aktuellen Schwierigkeiten ist Collardi überzeugt, dass Schweizer Wein dank immer besserer Qualität Zukunft hat.
Er will kein Hamsterrad mehr
Seine Arbeitszeitaufteilung beschreibt er so: Rund die Hälfte seiner Zeit setzt er für EFG ein; auf die Engagements in Private Equity, das Weingut und die Immobilien verteilt sich die restliche Zeit. Er sei froh, aus dem Hamsterrad des Tagesgeschäftes einer Bank raus zu sein, seine vielfältigen Aktivitäten würden ihm viel Spass machen, «das ist natürlich auch ein grosses Plus an Lebensqualität».
Klar, es habe auch schwierige Zeiten in seiner Karriere gegeben, auch bei seinen Investments werde es wohl in Zukunft mal den einen oder anderen Rückschlag geben, räumt er ein. Aber er sei ein Optimist, «und als Optimist siehst du etwas nicht als Misserfolg. Du musst einfach einen Versuch mehr machen.»