Investmentbanker stellen Champagner kalt!
Bonus-Explosion an der Wall Street

An der Wall Street klettern die Gewinne auf Rekordhöhen. Davon profitieren Tausende Banker, die mit enormen Bonuszahlungen rechnen können. Auch die UBS-Top-Shots dürften kräftig mitverdienen.
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Michael Douglas spielt den skrupellosen Investmentbanker Gordon Gekko im Film «Wall Street» von Oliver Stone aus dem Jahr 1987.
Foto: imago images/Mary Evans
Beat Schmid, Ringier
Beat SchmidWirtschaftsredaktor

Dieses Jahr könnte zum absoluten Rekordjahr für die Wall Street werden. Gemäss einer Schätzung des Rechnungsprüfers des Bundesstaats New York könnte die Wertschriftenbranche in diesem Jahr einen Gewinn von über 90 Milliarden Dollar erwirtschaften. Das wäre ein neuer Rekord und entspräche einer Steigerung von rund 38 Prozent gegenüber 2025. Damals verdienten Wall-Street-Firmen kumuliert 65,1 Milliarden Dollar.

Thomas DiNapoli (72), so heisst der sogenannte Comptroller des US-Bundesstaats New York, veröffentlichte diese Prognose vergangene Woche auf seiner Website. Er stützt seine Einschätzung auf die brummenden Geschäfte im laufenden Jahr: Bis Mitte Jahr hat die Wertschriftenbranche 45,9 Milliarden Dollar eingenommen, ein Plus von 51,3 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode. «Sollte sich das derzeitige Wachstumstempo fortsetzen, könnten die Jahresgewinne 2026 die Marke von 90 Milliarden Dollar überschreiten», schreibt DiNapoli.

Er rechnet deshalb auch mit sprudelnden Steuereinnahmen. Die Wall Street ist für die öffentlichen Finanzen New Yorks von enormer Bedeutung. Die Wertschriftenbranche spülte 2025/26 rund 34 Milliarden Dollar in die Kassen des Bundesstaats und der Stadt New York. Jeder fünfte Steuerdollar des Bundesstaats stammt inzwischen aus der Geldbranche.

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Besonders einträglich: die Einkommenssteuern der Banker. Laut DiNapoli belaufen sich diese auf 28 Milliarden Dollar.

Einen enormen Anteil daran haben die Boni. Der gesamte Bonuspool aller Wall-Street-Banker kletterte 2025 auf die Rekordmarke von 49 Milliarden Dollar. Angesichts des anhaltenden Booms rechnet der Rechnungsprüfer DiNapoli mit einem weiteren Anschwellen im laufenden Jahr. Ein Anstieg um 10 Prozent auf 55 Milliarden Dollar oder mehr wäre keine grosse Überraschung.

Auch die UBS dürfte profitieren

Die UBS als letzte Grossbank der Schweiz beschäftigt im Herzen des amerikanischen Kapitalismus ebenfalls Tausende Mitarbeiter. Auch sie dürften von den guten Geschäften profitieren. Ein Mediensprecher will sich zu möglichen Bonuszahlungen für 2026 nicht äussern und verweist darauf, dass die Zahlen erst mit dem nächsten Geschäftsbericht im März 2027 veröffentlicht werden.

Ein Blick in die Quartalsberichte des laufenden Jahres stützt jedoch die Annahme, dass der Bonustopf der UBS wie schon in den letzten Jahren grösser ausfallen könnte. Im ersten Halbjahr steigerte die Grossbank ihren Reingewinn um 43 Prozent auf 5,84 Milliarden Dollar. In der Investmentbank, die stark im US-Geschäft aktiv ist, stiegen die Erträge im zweiten Quartal um 31 Prozent. Gleichzeitig erhöhten sich die bereinigten Kosten um 14 Prozent auf 5,2 Milliarden Dollar, hauptsächlich wegen höherer Personalkosten.

Am 28. Oktober wird die Bank ihre Zahlen für das dritte Quartal veröffentlichen. Die Analysten gehen von weiterhin guten Geschäften aus. Für das Gesamtjahr kursieren Gewinnschätzungen von über 11 Milliarden Dollar. Sollte die UBS dieses Niveau erreichen, wäre es der erste zweistellige Milliardengewinn seit der Übernahme der Credit Suisse, wenn man den ausserordentlichen Buchgewinn aus dem Jahr 2023 ausklammert. Zuvor hat die UBS nur ein einziges Mal zweistellig verdient: Kurz vor dem Kollaps im Jahr 2006 waren es 11,5 Milliarden Franken.

Für 2025 schüttete die Bank total 5,15 Milliarden Dollar an Boni an die Mitarbeiter aus, ein Plus von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Sollte der Bonustopf 2026 nochmals um 10 Prozent wachsen, würde er auf rund 5,7 Milliarden Dollar steigen.

Allerdings sind die Boni sehr unterschiedlich verteilt. Während viele Angestellte in der Schweiz nur begrenzt davon profitieren, können Kaderleute im Wealth Management und vor allem im Investmentbanking deutlich mehr verdienen. Sogenannte Key Risk Takers der UBS – dazu gehören 755 Angestellte – erhielten Boni von insgesamt 1,066 Milliarden Dollar oder durchschnittlich rund 1,41 Millionen Dollar pro Person. Rechnet man den Grundlohn dazu, sind es 2 Millionen Dollar pro Kopf.

Wie viel die UBS tatsächlich ausschütten wird, legt die Bank gegen Ende des Jahres fest. Wie jedes Unternehmen, das Gewinne schreibt, muss der Verwaltungsrat entscheiden, wie viel Geld im Unternehmen verbleibt, wie viel an die Aktionäre ausgeschüttet wird und wie viel in Form von Boni an die Mitarbeiter fliesst.

Interessant bei der UBS ist: Die Grossbank verteilt mehr Boni an ihre Mitarbeiter als Dividenden an die Aktionäre. Im vergangenen Jahr standen dem Bonuspool von 5,15 Milliarden Dollar Dividendenzahlungen von 3,4 Milliarden Dollar gegenüber. Das entspricht ungefähr einer Verteilung von 60 Prozent Boni zu 40 Prozent Dividenden.

Goldman Sachs verteilt 500 Millionen an 20 Top Shots

In den letzten Jahren stand die Wall Street im Schatten des Silicon Valley. Die Techbros verdienten dank des Booms mit künstlicher Intelligenz Unsummen. Elon Musk wurde zum ersten Billionär der Geschichte. Jetzt scheint das alte Kapital an der amerikanischen Ostküste wieder aufzuholen.

Goldman Sachs, die vielleicht ikonischste Wall-Street-Bank, sorgte diese Woche mit einem Sonderbonus von mehr als 500 Millionen Dollar für Schlagzeilen. Das Geld wird auf rund 20 Spitzenmanager verteilt. Allein über 100 Millionen Dollar soll Konzernchef David Solomon (64) erhalten. Der Millionenbooster geht auf ein langfristiges Aktienprogramm aus dem Jahr 2021 zurück.

In der UBS-Chefetage fallen die Bezüge «bescheidener» aus. CEO Sergio Ermotti (66) erhielt nach seiner Rückkehr nach der CS-Übernahme im Jahr 2023 ebenfalls langfristige, aktienbasierte Vergütungen. Deren endgültiger Wert hängt von der Geschäftsentwicklung, der Aktienperformance und den Bedingungen der jeweiligen Vergütungsprogramme ab. Die erste Tranche davon wird 2027 fällig.

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