Darum gehts
- Bernina verlagert Produktion aus Steckborn TG nach Thailand
- Kostenreduktion in zweistelliger Millionenhöhe durch Produktionsverlagerung nach Thailand
- 334 Mitarbeiter in Steckborn, bis zu 40 Arbeitsplätze auf der Kippe
Der Nähmaschinenhersteller Bernina verlagert die letzte Produktion in der Schweiz nach Thailand, wie die «SonntagsZeitung» berichtet. Das Unternehmen startete am 11. Januar ein Konsultationsverfahren. Dieses läuft zwar noch zum 18. Februar*. Doch Aussagen des Geschäftsführers in der «Sonntagszeitung» zeigen nun: Für einen Fortbestand der Produktion besteht keine Hoffnung mehr.
Er sei überhaupt nicht glücklich, diesen Entscheid vertreten zu müssen, sagt Geschäftsführer Kai Hillebrandt (57) zur Zeitung. «Doch das ist mein Job. Genauso ist es mein Job, die Zukunft der Firma zu sichern.» Bernina geht davon aus, dass bis zu 40 Angestellte von der Verlagerung betroffen sind. Er tue alles, um den Schaden für die Kolleginnen und Kollegen möglichst gering zu ahlten, so der Chef. Neben einem Sozialplan soll es weitere Sonderlösungen geben.
Fast drei Viertel des Umsatzes in den USA
Dem Schweizer Traditionsbetrieb machte im letzten Jahr der Zollhammer von US-Präsident Donald Trump (79) zu schaffen. Bernina sei 2025 unter starken wirtschaftlichen Druck geraten. Die Bernina Textilgruppe erwirtschafte fast drei Viertel ihres Umsatzes in den USA, davon rund 70 Prozent im Kerngeschäft mit Näh- und Stickmaschinen.
Gemäss der «SonntagsZeitung» dürfte das Unternehmen durch die Verlagerung Kosten in zweistelliger Millionenhöhe einsparen.
Starker Franken als Problem
Das Unternehmen litt neben den US-Zöllen in den letzten Jahren auch unter dem starken Franken. Allein im letzten Jahr büsste der Dollar gegenüber dem Franken gut 12 Prozent ein. Der Abwärtstrend der US-Währung hält auch 2026 an.
Am Hauptsitz in Steckborn sind derzeit 334 Personen bei Bernina tätig. Weltweit werden 1246 Angestellte gezählt. In Steckborn sollen der Prototypenbau sowie das Logistikzentrum für Zubehör und Ersatzteile bleiben. Das Werk in Thailand wurde 1990 gegründet. Es befindet sich im Besitz der Bernina Textilgruppe und steht unter Schweizer Leitung.
Weitere Massenentlassungen in dieser Woche
Zuletzt haben mehrere Arbeitgeber einen grösseren Abbau in der Schweiz kommuniziert – in dieser Woche unter anderem in Solothurn. Bei der Industriefirma IHI Bernex AG kommt es am Hauptsitz in Olten SO zu Massenentlassungen. 35 Jobs stehen auf der Kippe. Damit würden praktisch alle der insgesamt 42 Stellen wegfallen. Nur ein kleines Team aus Forschung und Entwicklung soll bleiben, die anderen Jobs will Bernex an den niederländischen Standort des japanischen Mutterhauses auslagern.
Vor drei Tagen gab auch der Telekomanbieter Sunrise den definitiven Abbau von 147 Jobs bekannt. Vor dem Start des Konsultationsverfahrens war gar ein Abbau von 190 Stellen geplant.
*In einer ersten Fassung stand, dass das Konsultationsverfahren bereits abgeschlossen ist