Darum gehts
- Aus Binance-Wallets sollen 3,3 Mrd. Dollar abgeflossen sein
- CZ vermutet einen Hack; offiziell bestätigt ist er nicht
- Fast 1,8 Mrd. sind eingefroren, gesamter Krypto-Markt gibt nach
Am Donnerstagabend sollen rund 3,3 Milliarden Dollar aus Wallets der weltgrössten Kryptobörse Binance abgeflossen sein. Gründer Changpeng Zhao (49), auch «CZ» genannt, spricht von einem mutmasslichen Hack – die Kurse sacken ab.
Laut Blockchain-Daten, die Krypto-Analysten auswerten, begann es um 21.24 Uhr Schweizer Zeit: Aus der Wallet «Binance 14» sollen rund 167'500 Ether, 1,6 Milliarden Dollar in der Digitalwährung USDT und über 60 weitere Token auf eine neue Adresse geflossen sein. Kurz darauf sollen 780 Millionen Dollar in USDC aus einer zweiten Binance-Wallet gefolgt sein. Die auslösende Adresse wurde offenbar über Tornado Cash finanziert – einen Dienst, der die Herkunft von Kryptogeld verschleiert.
«Sieht tatsächlich nach einem Hack aus»
Nun meldet sich Binance-Gründer Changpeng Zhao, genannt CZ, auf X: «Es sieht tatsächlich nach einem Hack auf Binance aus.» Er bedankt sich bei den Stablecoin-Herausgebern Tether und Circle für das schnelle Einfrieren von rund 971 beziehungsweise 823 Millionen Dollar – zusammen fast 1,8 Milliarden. Und er beruhigt: «Die Gelder der Nutzer sind sicher!»
CZ leitet Binance allerdings nicht mehr, wie er selbst betont. Als Aktionär erwarte er, dass alle Kundengelder vollständig gedeckt würden. Von der Börse selbst gibt es bis Redaktionsschluss keine offizielle Bestätigung. Erst am Dienstag hatte Binance mitgeteilt, mehrere Cyberangriffe mit Verbindung nach Nordkorea abgewehrt zu haben.
Kunden konnten nach dem Hack vorübergehend keine Vermögenswerte von Binance abheben. Das Unternehmen bat um Geduld und erklärte auf X, Bezüge würden nach Sicherheitsprüfungen wieder ermöglicht.
Grösster Krypto-Raub der Geschichte?
Panik am Markt: Innerhalb einer Stunde wurden Wetten auf steigende Kurse über 600 Millionen Dollar zwangsaufgelöst. Der Bitcoin rutschte unter 80'000 Dollar, der Binance Coin BNB verlor besonders stark.
Sollte sich der Verdacht bestätigen, wäre es der grösste Krypto-Raub der Geschichte. Den bisherigen Rekord hält die Börse Bybit: Ihr wurden im Februar 2025 rund 1,4 Milliarden Dollar gestohlen – mutmasslich von nordkoreanischen Hackern.
Auch rabenschwarzer Börsentag
Auch sonst ist es ein rabenschwarzer Tag für Anleger. Die Google-Mutter Alphabet brach nach enttäuschenden Zahlen um knapp 13 Prozent ein – rund 500 Milliarden Dollar Börsenwert lösten sich in Luft auf.
Nachbörslich erwischte es Intel (minus 18 Prozent) wegen eines schwachen Ausblicks und Amazon (minus 7 Prozent) wegen hoher KI-Ausgaben.
Die Tech-Börse Nasdaq schloss 1,4 Prozent tiefer. Dazu kommt Zinsangst: Die US-Inflation stieg im September auf 3,6 Prozent.