VA Menschen warten vor Belvoirpark
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Vor dem Start der Liquidation:Dutzende Menschen warten vor dem Eingang

Belvoirpark-Liquidation in Zürich läuft
Schnäppchenjäger und Nostalgiker kämpfen um die besten Stücke

Das historische Restaurant Belvoirpark in Zürich zieht zum Start der Liquidation Menschenmassen an. Blick verrät dir, auf welche Stücke es Schnäppchenjäger besonders abgesehen haben.
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Die Liquidation im Belvoirpark zieht viele Schnäppchenjäger an.
Foto: Sven Schumann

Darum gehts

  • Grosser Andrang bei Zürcher Belvoirpark-Liquidation
  • Besonders Profi-Geräte für Gastronomen waren schnell verkauft
  • In der alten Villa war bis 2022 die Zürcher Hotelfachschule zu Hause
Sven Schumann
Sven SchumannRedaktor Wirtschaft

Es ist nasskalt und herbstlich draussen, dafür gehts drinnen heiss zu und her: Die grosse Belvoirpark-Liquidation läuft seit Freitagmorgen. Noch bis am Samstag können sich Schnäppchenjäger die begehrten Stücke aus dem Inventar des traditionsreichen Restaurants sichern, das bis 2022 von der Hotelfachschule Zürich betrieben wurde. Dafür sind viele von ihnen schon früh angereist: Bereits eine halbe Stunde vor Türöffnung um 10 Uhr hat sich eine Menschentraube mit rund 150 Leuten vor dem Eingang der alten Escher-Villa gebildet. Der kleine Parkplatz ist längst voll.

«Ich hoffe, dass ich hier gutes Geschirr oder schöne Kristallgläser finde», erzählt Carla Capaul (58) beim Warten auf den Einlass. Sie ist morgens um 7 Uhr aus dem Bündner Val Lumnezia losgefahren, um bei der Liquidation dabei zu sein. Heute führt sie die Pensiun Alpina in Lumbrein GR. Die verkauften Gegenstände sind für sie heute aber zweitrangig, vielmehr geht es ihr um die Erinnerung an die Hotelfachschule, die sie hier vor 36 Jahren besucht hat.

Carla Capaul führt ihr eigenes Hotel mit Restaurant. Früher hat sie im Belvoirpark studiert.
Foto: Sven Schumann

Erfahren hat sie von der Liquidation an einem Klassentreffen mit ihren alten Belvoirpark-Gspänli. «Da wusste ich, dass ich mir das nicht entgehen lassen darf», so die Bündnerin. Auch ihre Freundin Brigitte ist dabei und sucht am Freitagmorgen ein schönes Erinnerungsstück für ihren Bruder. «Er ist Gastronom und hat hier vor langer Zeit sein Handwerk gelernt», erzählt sie. «Leider konnte er nicht selber vorbeikommen», fügt sie an.

Ansturm der Gastronomen

Um dem grossen Andrang Herr zu werden, lassen Liquidator Thomas Karger (53) und sein Team die Wartenden nur tröpfchenweise ins Haus. Bis es alle Angereisten in die alte Villa geschafft haben, vergeht eine ganze Stunde. Die besten Stücke sind da längst weg.

«Hier können Gastronomen Profigeräte, die neu 8000 Franken kosten und kaum gebraucht sind, für 1500 Franken erstehen», erklärte Karger am Tag vor der Liquidation gegenüber Blick. Viele Gastroprofis haben solche Liquidationen deshalb auf dem Schirm. Und der erfahrene Liquidator sollte recht behalten: Innert weniger Minuten sind alle grossen Kühlschränke und Heissluftöfen mit einem roten Zettel versehen – verkauft!

Blick konnte mit mehreren jungen Gastronomen vor Ort sprechen, die sich bald mit einem eigenen Restaurant selbständig machen wollen. Sie versprechen sich hier, das eine oder andere Schnäppchen für ihren jungen Betrieb zu finden.

Des einen Freud, des anderen Leid

Eine erfolgreiche Schnäppchenjagd hatte auch Pascal F.* (33). Erst kürzlich hat er mit seiner Familie das Ferienhaus renoviert. «Ein altes französisches Landhaus, das wir nun komplett neu ausstatten und einräumen», schwärmt der Zürcher. Vor allem die Küche dürfte bald schon bereit für die Nutzung sein: Drei volle Kisten mit Geschirr trägt F. aus der alten Villa.

Weniger Glück hatte Giuseppe G.*. Mit einem grossen Koffer ist er aus Bülach angefahren, um eine neue Pfanne zu ergattern. Doch er ist zu spät – die guten Stücke sind schon weg. «Obwohl ich einer der ersten hier war, habe ich leider nichts mehr gefunden», ist der ehemalige Gastronom enttäuscht. Immerhin: «Meine Frau wird nicht unglücklich sein, dass ich nichts Neues mehr anschleppe», meint er lapidar, bevor er sich verabschiedet.

Giuseppe G. fährt mit leerem Koffer wieder nach Hause. Seine Wunschgegenstände waren schon vergriffen.
Foto: Sven Schumann

200 Jahre alte Escher-Villa

Der Unternehmer Heinrich Escher (1776–1858) liess die Villa um 1830 im damals noch privaten und deutlich grösseren Park erbauen. Sein Sohn, der Eisenbahnpionier und Mitgründer der Schweizerischen Kreditanstalt (später CS) Alfred Escher (1819–1882), verbrachte praktisch sein ganzes Leben hier.

Nach dessen Tod ging das Anwesen an die Tochter Lydia Welti-Escher (1858–1891) über, eine der damals bedeutendsten und reichsten Frauen der Schweiz. Sie nahm sich wenige Jahre später das Leben. 1901 übernahm die Stadt Zürich das Anwesen samt Villa.

Von 1925 bis 2022 bildete der Verband Gastrosuisse im Restaurant Belvoirpark Fachkräfte aus. Zuletzt hat die Kramer Gastro-Gruppe das Restaurant Belvoirpark betrieben, bis sie im Sommer den Stecker gezogen hat. Was bei der Liquidation nicht wegkommt, wird an eine wohltätige Organisation abgegeben oder entsorgt.

*Name der Redaktion bekannt

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