Beben im Bären-Reich
Der bisher grösste Skandal der Bankiersfamilie Bär

Die Familie Bär galt einst als der Zürcher Bankadel. Nun herrscht Entsetzen: Die Finma hat Mike Bärs Bank MBaer aus dem Verkehr gezogen.
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Die Familie und ihr schwarzes Schaf: Die Liquidation der Bank von Mike Bär hat die Mitglieder der Bär-Dynastie aufgeschreckt.
Foto: baerpro AG

Darum gehts

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Erik Nolmans
Bilanz

Banking zusammen mit dem Namen Bär – das hat schon was. Das mag sich auch Mike Bär gedacht haben, als er wenige Jahre nach seinem Abgang aus der Führungsetage der von seinem Urgrossvater Julius Bär gegründeten Bank sein eigenes Ding machen und seinen Familiennamen für seine Finanzfirma einsetzen wollte.

Baer Capital Partners hiess seine Vermögensverwaltungsfirma, die er umgehend als Marke einzutragen versuchte. Dagegen klagte die Bank Julius Bär – mit Erfolg: Das Institut für Geistiges Eigentum (IGE) sah eine Verwechslungsgefahr und sagte Njet. In den Medien zeigte sich Mike Bär enttäuscht: «Bär ist mein Familienname, auf den ich meiner Meinung nach auch im Geschäftsleben ein Anrecht habe.»

Michael (Mike) Bär, der Ramponierte: 2018 gründete er seine MBaer Merchant Bank, die jetzt von der Finanzmarktaufsicht geschlossen wurde. Ein Debakel für den 63-jährigen Urenkel von Clangründer Julius Bär.
Foto: Florian Kalotay / 13PHOTO / BILANZ-Montage

Es ging ein Weilchen, und er lancierte ein neues Vorhaben: die MBaer Merchant Bank. Mit dem Zusatz versehen, gab es keine Hindernisse und von der Finma den Segen – 2018 legte die Bank los. Auf der Website war über die Herkunft des Gründers zu lesen mit Verweis auf die Familientradition – alles wunderbar.

Hochrisikokunden

Doch wer in diesen Tagen die Website der MBaer Merchant Bank anklickt, findet andere, weniger glamouröse Informationen – die Liquidatoren der Bank informieren über Auszahlungen im Zusammenhang mit dem «Entzug der Banklizenz durch die Finma». Am 27. Februar war es, als die Finanzmarktaufsicht bekannt gab, das Institut werde wegen Mängeln bei der Bekämpfung der Geldwäscherei per sofort geschlossen, 65 Personen verlieren ihren Job. Ein veritabler Knall: Banken werden von der Aufsicht zwar immer wieder gerügt, aber dass ein Institut geschlossen werden muss, kommt nur äusserst selten vor. «Zuletzt stammten 98 Prozent der entgegengenommenen Werte von Hochrisikokunden», schreibt die Finma. Der Bankenplatz Zürich hat seither sein neuestes Gesprächsthema – und die Bär-Dynastie ihren bisher grössten Skandal.

Artikel aus der «Bilanz»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Bilanz» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du unter bilanz.ch.

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Im Clan, inzwischen in mehreren Generationen auf über hundert Personen angewachsen, herrscht eine Mischung zwischen Staunen und Entsetzen. Denn Mike Bär ist ein erfahrener Banker. Im Jahr 2000, als BILANZ einen grossen Artikel über den Bär-Clan schreibt und mehrere Familienmitglieder treffen darf, ist er, gerade 38-jährig, zum Chef des Devisenhandels aufgestiegen, im Jahr darauf rückte er als Chef des gesamten Handels in die Konzernleitung auf, wo er bis 2004, kurz vor der Abgabe der Kontrollmehrheit durch die Besitzerfamilie Bär, verblieb.

Der heute 63-Jährige ist zudem ein sympathischer Typ, Familienvater mit zwei erwachsenen Kindern, begeisterter Marathonläufer, auf Facebook sieht man ihn mit seinem Sohn an Laufwettbewerben oder mit der Tochter auf Reisen in den USA. Er hat zudem eine ausgeprägte soziale Ader: Für einen blinden Freund rennt er als Begleitperson mit. Wie konnte das alles passieren?, fragt man sich im Clan.

Zitieren lassen will sich keines der von BILANZ befragten Familienmitglieder im Zusammenhang mit der Schliessung der MBaer Merchant Bank. Sein Coucousin Raymond Bär, mit dem zusammen er einst in der Konzernleitung der Bank Julius Bär sass, sagt dazu nur ganz allgemein, das sei natürlich «nicht gut für den Finanzplatz Schweiz».

Für die meisten Angesprochenen steht eines im Vordergrund: bitte niemanden in Sippenhaftung nehmen. In der Tat sticht der Fall von Mike Bär negativ heraus, die meisten anderen Bären sind in ihren Bereichen erfolgreich unterwegs und wollen jetzt nicht mit dem Absturz ihres Verwandten in Zusammenhang gebracht werden. Doch hinter vorgehaltener Hand ist mehr als einmal die Frage zu hören: War es vielleicht auch der grosse Name Bär, der den Gründerspross unter Druck gesetzt und ihn dazu gebracht hat, für den Erfolg zu stark an Grenzen zu gehen?

Tatsächlich waren die Bären mehr als nur Banker, sie galten über Jahrzehnte als eine Art Zürcher Finanzadel. Bis 2012, als Raymond Bär als Präsident der Julius Bär Gruppe abgab, waren stets Familienmitglieder in der operativen Führung oder im Verwaltungsrat vertreten, meist sogar in beiden Gremien. Persönlichkeiten wie Hans J. Bär, Vater von Raymond, CEO von 1975 bis 1993 und Präsident von 1994 bis 1996, galten als Gentleman-Banker und Repräsentanten einer Zeit, als das Schweizer Private Banking weltweit führend wurde. In der Zeit der dritten Generation wuchs die Bank Bär zu einer weltweit tätigen Bankengruppe mit heute rund 7400 Mitarbeitern heran. Bis heute ist die Strahlkraft der Marke gross, der Markenwert des Brands «Julius Bär» beträgt laut Brand-Value-Studien rund 1,5 Milliarden Franken und liegt damit auf Platz eins im Schweizer Private Banking – noch vor den glanzvollen Namen der Genfer Banquiers privés wie Pictet.

1924 zog die im Jahre 1890 gegründete Bank Julius Bär an die Bahnhofstrasse 36 im Zürcher Bankzentrum. Rund 7400 Mitarbeiter beschäftigt die weltweit tätige Bankengruppe heute.
Foto: Keystone

Nicht protzen

Die Familie Bär wurde durch den Erfolg ihrer Bank sehr reich, doch Protzen war tabu: In seinen 2004 veröffentlichten Memoiren «Seid umschlungen, Millionen» beschreibt Hans J. Bär, dass seine Eltern zwei vollkommen identische Limousinen in der Garage hatten, damit die Nachbarn nicht merkten, dass sie nicht nur ein Auto besassen.

Private Banking funktionierte damals noch etwas anders, Grundlage für den Grossteil des Geschäfts war das Schweizer Bankgeheimnis. «Die Reisenden kamen in Basel oder Genf mit dem Zug über die Grenze, um in der Schweiz ihre Ferien zu verbringen und bei der Gelegenheit auch mit ihrem Privatbankier zu sprechen», schreibt Hans J. Bär und gibt auch noch ein Beispiel: «Es kam vor, dass sich ein Kunde vorstellte, indem er auf das Etikett der Cognacflasche zeigte: ‹Ich heisse Hennessy, mehr sage ich nicht, hier sind 300’000 Dollar.›» Dass er in seinen Memoiren ebendieses Bankgeheimnis auch kritisierte und zum oft zitierten Spruch griff, es habe die Branche «fett und impotent» gemacht, wurde ihm damals als Nestbeschmutzung vorgeworfen.

Bei der Bank zog sich die Familie nach der Jahrtausendwende nach und nach zurück. Im Jahr 2000 kam mit Walter Knabenhans erstmals ein familienfremder CEO ans Ruder. 2005 folgte dann der grosse Move: Mit der Einführung einer Einheitsaktie gab die Familie die Kontrollmehrheit de facto ab, ihr Stimmenanteil sank auf 18,5 Prozent – nur dank der Stimmrechtsaktien hatte der Clan vorher das Sagen gehabt. Mit dem Abgang der Familie änderte sich auch der Charakter der Bank: Daniel Sauter, 2012 Nachfolger von Raymond Bär auf dem Präsidentensessel, galt mehr als Dealmaker denn als Banker, als CEO wirkte in jenen Jahren der umtriebige Boris Collardi, welcher der Bank mit seinem forschen Wachstumskurs einige Compliance-Probleme aufhalste.

Nach der Aufgabe der Kontrolle durch die Familie 2005 wurden viele Aktien verkauft oder weitervererbt, einzelne Mitglieder hielten weiter kleinere Bestände, doch die Offenlegungsgrenze von drei Prozent wurde nicht überschritten. Man dürfe sich die Bär-Familie ohnehin nicht als kompakte Gruppe vorstellen, mahnt Raymond Bär: «Wir sind heute über 100 Familienmitglieder über die ganze Welt verteilt, einen Familiensprecher gibt es nicht.» Die Anteile würden von den Mitgliedern der Familie individuell gehalten.

Geldsegen

Wer von den Familienmitgliedern genau wie viel bekommen hat, ist bis heute ein wohlgehütetes Geheimnis. In der jährlichen Liste der 300 Reichsten schätzt BILANZ das Vermögen der gesamten Familie auf 300 bis 350 Millionen Franken.

Für Einzelne war der Wohlstand nicht nur Segen, sondern auch Bürde. Monique Bär, Tochter von Hans J. Bär und Schwester von Raymond Bär, gab vor einigen Jahren ein Interview im «Blick», in dem sie erzählte, sie habe lange mit ihren Privilegien gehadert. Als junge Frau habe sie ihre Herkunft abgelehnt, habe bewusst ein Kontrastprogramm geführt. Sie studierte nicht Banking und auch nicht Kunst, wo der stark in der Kunstsammlung und -förderung tätige Clan aktiv war, sondern Agronomie an der ETH, sie schloss ihre Ausbildung mit dem Dipl. Ing. ETH ab. Sie wollte in die Entwicklungshilfe, «weit weg vom Namen Bär», so der «Blick».

Agrarwissenschaften habe sie auch darum studiert, weil sie seit jeher sehr naturverbunden sei, erzählt sie heute BILANZ. Sie, die begeisterte Taucherin, engagiert sich auch für den Meeresschutz, lange etwa im Vorstand von Oceana, der weltweit grössten internationalen Meeresschutzorganisation. Heute prägt ein Leben als Stifterin und Philanthropin den Alltag der 71-Jährigen, sie wohnt in Urnäsch im Kanton Appenzell Ausserrhoden in ländlichem Umfeld. Mit 50 sei die Wende gekommen, erzählt sie im «Blick»-Interview: «Ich stand vor der Wahl, alles zu verschenken und ins Kloster zu gehen, oder es als Teil von mir anzunehmen und etwas Gescheites zu machen.»

Sie gründete eine Stiftung, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzt, ein Thema, für das sie sich bis heute engagiert, etwa als Initiantin und Co-Präsidentin des Vereins Geschlechtergerechter. Wichtig seien ihr bessere Chancen für alle und generell eine offene Demokratie. Bildungsanliegen stehen ganz oben in ihrer Fördertätigkeit, bei der Educa Swiss, der Schweizerischen Stiftung für Bildungsförderung und -finanzierung, ist sie Gründerin und Stiftungsrätin, «Bildung ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für Chancengleichheit», betont sie. Zur Kunst hat sie doch noch gefunden: Seit Längerem betätigt sie sich als Bildhauerin.

Ihr jüngerer Bruder Raymond wählte einen Weg, der sich stärker an die Herkunft der Bankerdynastie anlehnt. Er amtet heute als Präsident der Investmentgesellschaft Alpine Select, wo sich eine Truppe hochkarätiger Ex-Banker und Finanzspezialisten zusammengetan hat, mit ehemaligen Topleuten der Credit Suisse wie Thomas Amstutz oder ehemaligen Julius-Bär-Schlüsselfiguren wie Michel Vukotic, der bei Bär Handelschef war. Die Firma ist gut unterwegs, 2025 gab es laut der vorläufigen Meldung zum Geschäftsjahr einen Gewinn von 11,4 Millionen Franken.

Der Julius Bär Gruppe ist Raymond Bär verbunden geblieben: Seit seinem Rücktritt als Präsident 2012 amtet er als Ehrenpräsident. Auch wenn damit keinerlei operative Funktionen verbunden sind, sei er immer noch engagiert, heisst es in der Bär-Führungsetage. Fürs Management ist der 66-Jährige, der die Bank so gut kennt, bis heute ein informelles Sounding Board, wenn schwierige Fragen anstehen, und ist auch bei Firmenanlässen immer mal wieder präsent, etwa vor zwei Jahren, als Julius Bär in Dubai das 20-jährige Bestehen der dortigen Niederlassung feierte. Auch Kunden, vor allem langjährige, trifft er noch, allerdings nur sehr selten und in ausgewählten Fällen. Ausserdem ist er bis heute Präsident des Stiftungsrats der Julius-Bär-Pensionskasse.

Er kümmert sich auch um die grosse, vor der Familie aufgebaute Kunstsammlung und ist karitativ tätig, unter anderen als Stiftungsrat der Benecare Foundation in Vaduz. Zusammen mit anderen Schweizer Unternehmern amtet er in der Asia Society Switzerland, wo er Vice-Chairman ist.

Raymond ist heute der bekannteste Vertreter der Bär-Familie. Letzten Sommer heiratete er seine langjährige Partnerin Carolina Müller-Möhl. Die Hochzeit fand in kleinem Kreis in St. Moritz statt, ein unscharfes Schwarz-Weiss-Foto fand den Weg in die Medien. Damit hat Zürich ein veritables Power Couple mehr. Das Finanz-Gen hat er auch an die nächste, die fünfte Generation weitervererbt: Sohn Julian aus erster Ehe, geboren 1992, hat im Februar 2024 seine eigene Vermögensverwaltungs- und Anlageberatungsfirma namens Arctos Capital gegründet. Der Name ist eine subtile Anspielung auf seine Herkunft und seinen Namen: Arctos (altgriechisch árktos, lateinisch arctos) bedeutet Bär oder Bärin und ist der sprachliche Ursprung für das Wort «Arktis» (die Region unter dem nördlichen Bärensternbild).

Power Couple: Raymond Bär und Carolina Müller-Möhl, in erster Ehe verheiratet mit dem im Jahr 2000 mit seinem Flugzeug tödlich verunglückten Banker Ernst Müller-Möhl, geben sich im Sommer 2025 im kleinen Familienkreis das Ja-Wort. Es ist auch für Raymond Bär die zweite Ehe.
Foto: zVg

Wer auf die Website der Firma klickt (www.arctos-capital.com), sieht als Aufmacherbild einen schwarzen Bären, der sich auflöst, wenn man mit der Maustaste darüberfährt. Julian Bär ist in der Finanzwelt gut vernetzt, vor allem in der jüngeren Generation. Einer seiner Bekannten ist etwa Finanz-Start-up-Unternehmer Hany Rashwan, Mann des Monats in BILANZ 1/26, den er vor über zehn Jahren in den USA kennengelernt hat.

Weitverzweigt

Nicht im Finanzbereich tätig, aber anderweitig sehr aktiv sind andere Repräsentanten des weitverzweigten Clans. Andreas J. Bär etwa, Anwalt bei der Zürcher Kanzlei Bär & Karrer, einer der führenden Wirtschaftskanzleien der Schweiz. Die Firma wurde 1969 von seinem Vater Thomas Bär und Robert Karrer gegründet. Thomas Bär, Bruder von Hans J. Bär, hatte neben seiner Tätigkeit als Anwalt auch lange bei der Bank Bär wichtige Funktionen inne, von 1996 bis 2003 etwa die des Verwaltungsratspräsidenten. Sohn Andreas war vor dem Rückzug der Familie vorübergehend im Verwaltungsrat der Holding der Bank, als Kapitalvertreter.

Er machte seinen Weg zunächst ausserhalb der Kanzlei seines Vaters, war unter anderem Associate bei Wilmer Cutler & Pickering in Washington, D.C. 2000 stieg er bei Bär & Karrer ein, 2004 wurde er Partner, seit 2015 ist er Konsulent. Wie der Ende 2024 verstorbene Vater gilt er als Topanwalt, sein Spezialgebiet ist die Beratung von Privatklienten, Familien, Single- und Multi-Family-Offices bei Fragen im Zusammenhang mit nationaler und internationaler Vermögensplanung. All dies ist nachzulesen auf der Website der Kanzlei, er selber hat die Öffentlichkeit nie gesucht, im Gegenteil, er gilt als sehr auf Diskretion bedacht und tritt nicht in der Presse auf, so wie dies allerdings viele Anwälte handhaben.

Andreas J. Bär, der Topanwalt: Der Sohn von Thomas Bär ist einer der führenden Wirtschaftsanwälte der Schweiz und ist heute für die von seinem Vater mitgegründete Bär & Karrer tätig.
Foto: PR / BILANZ-Montage

Er hat vier Söhne, und an einem Detail zeigt sich, dass er auch noch dynastisch denkt. Sein ältester Sohn Joel hat als zweiten Vornamen Julius. Es ist eine feste Tradition seit Generationen, dass stets der erstgeborene Sohn als zweiten Vornamen Julius trägt. Das war bei Andreas’ Onkel Hans J. (Julius) Bär so, auch Cousin Raymond heisst eigentlich Raymond J. Bär, und dessen Sohn wiederum heisst Julian Julius Bär. Auch Mike Bär hat diese Tradition fortgeschrieben, mit Sohn Simon J.

Es gibt aber auch weitere Vertreter der Familie, die man nicht mit der Dynastie in Verbindung bringt, weil sie von den Töchtern abstammen und vom Namen her nicht auf den ersten Blick als Bären zu erkennen sind. Etwa die Nachkommen von Ruth Speiser-Bär, der Schwester von Hans J. Bär.

Drei Stämme

Deren ältere Tochter Irène Speiser ist Schriftstellerin, sie hat mit Werken wie «Hausauflösung» (2012) oder «Abbild. Ein schottischer Streifzug» (2024) auf sich aufmerksam gemacht. Schwester Béatrice Speiser, promovierte Juristin, ist insbesondere als Sozialunternehmerin an gesellschaftlichen und unternehmerischen Initiativen beteiligt, so als Gründerin und Präsidentin von Crescenda, dem Gründungszentrum für Frauen mit Flucht- und Migrationserfahrung. Bruder Bernhard, 1971 geboren und daher ein eher jüngerer Vertreter der vierten Generation, ist ganz im Sinne seiner Herkunft Banker geworden, allerdings nicht bei Julius Bär, sondern beim Konkurrenten J. Safra Sarasin, wo er als Head Institution Clients eine Schlüsselposition einnimmt.

Gründervater Julius Bär (1857–1922) hatte drei Söhne, Richard (1892–1940), Walter (1895–1970) und Werner (1899–1960), welche die heutigen drei Familienstämme bilden. Alle bisher in diesem Artikel erwähnten Bären stammen aus dem Stamm des ältesten, Richard, mit Ausnahme von Mike Bär, der aus dem Stamm des jüngsten, Werner, stammt. Sein Onkel Rudolf Bär, der 1969 bei der Familienbank einstieg und dort bis zu seiner Pensionierung 2005 in verschiedenen Positionen amtete, unter anderem als CEO, ist der einzige noch lebende Abkömmling der dritten Generation.

Rudolf Bär, der einst Elektrotechnik an der ETH studierte, hat sich nach dem Ende seiner aktiven Berufszeit als Banker seiner Leidenschaft für Astrophysik gewidmet und als Forscher in der Gruppe Astrophysik der Galaxien und Schwarzen Löcher an der ETH mitgearbeitet. Über die Mitglieder des zweiten Stamms um den mittleren Sohn Walter ist am wenigsten bekannt. Schon als BILANZ im Jahr 2000 zum ersten Mal den Clan beschrieb, waren die Mitglieder der vierten Generation des Walter-Stamms in alle Windrichtungen verstreut und züchteten Schlittenhunde in Alaska (Patricia Bär) oder arbeiteten im Hotelbusiness in New York (Eric Bär).

In der Wirtschaftspresse Beachtung gefunden hat Marc Bär, der vor über zwanzig Jahren einige Zeit als Familienvertreter im Verwaltungsrat der Bank-Holding fungierte. Er ist Tierarzt und trotz Erreichen des Pensionsalters immer noch in seinem Beruf tätig. Aufgefallen ist er als Privatinvestor bei kleineren Schweizer Firmen, etwa bei Schlatter Industries, wo er per Ende 2024 7,86 Prozent der Aktien im Wert von heute 1,6 Millionen Franken hielt. Er hat sich zudem bei Start-ups im Medizinbereich engagiert und besass 2011 über drei Prozent an der damals börsenkotierten Uster Technologies, die von Toyota übernommen wurde.

Marc Bär, der Tierarzt: Er übt auch im Pensionsalter noch seinen Beruf aus. Zudem ist er als Investor tätig, etwa als Aktionär beim Industrieunternehmen Schlatter.
Foto: Screenshot / BILANZ-Montage

Weil die fünfte Generation bereits auch wieder kleine Kinder hat, geht die Geschichte der Bär-Dynastie weiter. Angesichts des Unternehmergeistes und des Tatendrangs, welche die Vorfahren an den Tag legten, ist anzunehmen, dass auch in Zukunft von spannenden Bären zu hören sein wird. Als Mike Bär seine Bank gründete, habe er auf Stellenausschreibungen jeweils über 600 Bewerbungen bekommen, verriet er einst der Presse. Bei der Auswahl sei man selektiv, Leitlinien seien die Aufzeichnungen seines Urgrossvaters, festgehalten in einem alten Büchlein, in dem noch traditionelle Werte vermittelt würden. Zu hoffen ist, dass sich die Bären in Zukunft wieder stärker davon leiten lassen, als Mike Bär selber dies tat.

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