Automat ersetzt Kantine
Im Büro kommt der Zmittag

Neue Arbeitsgewohnheiten ändern auch die Verpflegung: Während die klassische Mensa einen schweren Stand hat, boomen innovative Anbieter. Sie bringen frische Mahlzeiten direkt in die Büros – und wachsen stark.
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Die Arbeitswelt ändert sich – und mit ihr unser Verpflegungsverhalten während der Arbeitszeit.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Automatisierte Verpflegungslösungen wie Felfel und Boostbar erobern Schweizer Büros
  • Felfel beliefert über 900 Betriebe, Boostbar bietet 200 wechselnde Gerichte an
  • Selecta arbeitet mit Coop zusammen
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Sven SchumannRedaktor Wirtschaft

Homeoffice, Teilzeit und flexible Arbeitsmodelle gehören heute vielerorts zum Standard. Besonders freitags sind die Büros seit der Pandemie halb leer – und damit auch die Personalmensa, wenn es eine hat. Montags ein ähnliches Bild. Hinzu kommen neue Ansprüche: Arbeitnehmer wünschen sich rund um die Uhr nachhaltige, vielfältige, schnelle und günstige Essensmöglichkeiten.

Mehrere Schweizer Firmen wittern hier eine Marktlücke. Schweizer Start-ups wie Felfel und Boostbar expandieren derzeit stark mit automatisierten Verpflegungsautomaten fürs Büro. Denn nicht jede Firma kann sich eine eigene Mensa leisten. «Wir haben nicht vor, unser Wachstum zu verlangsamen», sagt Boostbar-Geschäftsführer Colin Häusler (36) zu Blick. Im Gegenteil. Letztes Jahr feierte sein Unternehmen den tausendsten Standort in einer Firma. Damit hat sich die Zahl der Mahlzeitautomaten laut Häusler seit der Gründung im Jahr 2021 in jedem Jahr verdoppelt – und so soll es weitergehen. 

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Seit diesem Jahr ist das Unternehmen auch in Tessiner Büros und damit in der gesamten Schweiz vertreten. Zu den Kunden gehören mittlerweile Unternehmen wie Swisscom, der Bauzulieferer Geberit oder das Zürcher Stadtspital Triemli.

Felfel arbeitet mit Tibits-Speisen

Als Vorreiter in der Schweiz gilt das Familienunternehmen Felfel. Gegründet wurde dieses 2013 vom Zürcher Ehepaar Daniela und Emanuel Steiner. Mit ihrer Vision «kein mittelmässiges Essen mehr am Arbeitsplatz» ist das Unternehmen seither stark gewachsen. Heute stehen die Felfelautomaten in über 900 Betrieben. Beispiele: das Outdoor-Unternehmen Mammut, der Pharmariese Roche und der Taschenmesser-Hersteller Victorinox.

Felfel arbeitet mit Restaurants wie dem Tibits oder Tenz Momos zusammen, die eigens für die Automaten frische Mahlzeiten entwickeln. «Wir suchen die besten Tortellini, Currys, oder Bowls der Schweiz und bringen diese in unsere Kühlschränke», beschreibt die Gründerin Daniela Steiner (43) das Konzept gegenüber Blick. Die Gerichte kosten Büro-Angestellte etwa 10 bis 14 Franken.

Gefrorene Mahlzeiten in Automaten

Im Gegensatz zu Felfel setzt Konkurrent Boostbar neben klassischen frischen Produkten wie Sandwiches auch auf gefrorene Mahlzeiten. «Dieser Ansatz minimiert Foodwaste und ist kosteneffizienter, als nur auf frische Produkte zu setzen», erklärt Chef Häusler. «Ich bringe das Restaurant in die Büros», so der Jungunternehmer. Damit das Mittagessen nicht langweilig werde, habe man insgesamt von Spaghetti Bolognese bis zum Thai-Gemüsecurry 200 laufend wechselnde Gerichte im Angebot. Die Menü-Preise beginnen bei 6.90 Franken und gehen bis zu 14 Franken.

Auch Selecta mischt mit beim Automaten-Zmittag. In einer Kooperation mit Coop bietet das Snackautomaten-Unternehmen verschiedene Verpflegungsstationen für Büros an. Je nach Betriebsgrösse reicht das Angebot von einzelnen Automaten bis hin zu kleinen Selbstbedienungsmärkten. Damit lassen sich die Lösungen individuell an die Platzverhältnisse und die Anzahl der Mitarbeitenden anpassen. Selecta-Schweiz-Chef Beat Welti (57) bestätigt eine starke Nachfrage. Sein Konzept knüpfe an die Bedürfnisse vieler junger Menschen an.

Bis jetzt sind die drei führenden Automatenverpfleger vor allem Ergänzungen zur klassischen Personalmensa. Ob sich diese langfristig durchsetzen und in unserem Büroleben Alltag werden, entscheiden aber wohl vor allem die Chefs der hungrigen Angestellten.


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