Texaid sammelt unsere Altkleiderspenden, und einzelne Beteiligte verdienen damit sehr viel Geld. Die SonntagsBlick-Berichte über das Geschäft der Recycling-Gruppe schlugen hohe Wellen – auch, weil die Firma Texaid zur Hälfte den Hilfswerken gehört. Viele Leser wollten wissen, wieviel Geld sich mit ihren Altkleiderspenden machen lässt. SonntagsBlick hat das Geschäft analysiert.
Knochenarbeit in der Schweiz
Die Arbeit der meisten Texaid-Angestellten in der Schweiz ist simpel, aber anstrengend. Es geht darum, Kleidersäcke einzusammeln, in Sortierwerke zu bringen und dort Kleiderbügel, Abfall und ähnliches auszusortieren. Vor allem das Einsammeln ist Schwerstarbeit: Pro Mann und Tag müssten bis zu drei Tonnen Altkleider bewegt werden, berichten Ex-Mitarbeiter.
Da die Arbeit kaum Kenntnisse voraussetzt, beschäftigt Texaid viele ungelernte Arbeitskräfte. Auch Ausländer, die der deutschen Sprache nicht ganz mächtig sind, lassen sich schnell anlernen. Gemäss Angaben von Texaid beträgt der jährliche Mindestlohn für die Beschäftigten 48 685 Franken.
Nach dem Sortieren werden die Altkleider in Schiffs-Container gepackt und in alle Welt verschickt. Insgesamt exportierte die Schweiz im vergangenen Jahr 67 '000 Tonnen Altkleider im Wert von 61 Millionen Franken, wie aus einer Statistik der Zolldirektion hervorgeht. Daraus lässt sich ein Kilopreis von rund 90 Rappen ableiten.
Über die Ukraine nach Nairobi
Hauptdestinationen mit rund der Hälfte der exportierten Altkleider sind die Ukraine, Italien und Tunesien. Meist sind das aber nur Zwischenstationen, wo die Textilien feiner sortiert und dann in andere Länder weitergeleitet werden.
Unter anderem gehen sie in die kenianische Hafenstadt Mombasa, von wo sie mit Lastwagen ins Landesinnere transportiert werden, etwa in die Hauptstadt Nairobi.
Rund 100'000 Tonnen Altkleider importiert Kenia pro Jahr. Auf einem Altkleider-Markt in Nairobi erzielen europäische und kanadische Altkleider gemäss einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» die höchsten Preise. Nicht nur Arme kaufen sie. Vor allem bei jüngeren Kunden sei die Ware gefragt.
In Kenia werden Männer- T-Shirts für zwei bis zehn Franken verkauft, wie die Non-Profit-Organisation CUTS International in einer breit angelegten Studie feststellte. Ein T-Shirt wiegt rund 200 Gramm; also bringt das Kilo T-Shirts in Kenia zwischen zehn und 50 Franken.
Neben den Preisen in Kenia hat CUTS International auch jene in Secondhand-Shops in Uganda, Tansania und Brundi eruiert. In diesen Ländern werden Second-Hand-Männer- T-Shirt für Preise zwischen 60 Rappen und zehn Franken verkauft. Während T-Shirts für wenig Geld erhältlich sind, kann ein Secondhand-Anzug in Burundi bis zu 90 Franken kosten. Auch Männerschuhe bringen bis 36 Franken. Ein Rock kostet zwischen zwei und zehn, eine Bluse zwischen einem und acht Franken. Eine Männerhose kostet in Kenia zwischen drei und 15 Franken. Das entspricht in etwa dem Preis, der mit Schweizer Altkleiderspenden auch in Secondhand-Shops in Pristina, der Hauptstadt von Kosovo, erzielt werden kann.
Die grosse Preisexplosion
Die Preisentwicklung von der Gratis-Kleiderspende bis zum Verkauf an Konsumenten in den Zielländern ist ausserordentlich steil.
Selbstverständlich verdienen die Zwischenhändler im Ausland mit. Aber auch im Herkunftsland der Altkleider wird gut daran verdient. Kein Wunder, dass es einen harten Konkurrenzkampf um unsere Altkleider gibt.
Das Geschäft ist so lukrativ, dass Altkleidersäcke in der Schweiz sogar gestohlen werden. Bis zu 1000 Tonnen wechseln auf diese Weise pro Jahr den Besitzer, wie die «NZZ» im Jahr 2014 berichtete. Nicht selten würden dafür die Container mit Schweissbrennern bearbeitet. Es komme aber auch vor, dass sich kleingewachsene Personen in die Sammelcontainer fallen lassen, um die Säcke an Komplizen hinauszureichen.